Karl Rudolf Werner Best (* 10. Juli 1903 in Darmstadt; † 23. Juni 1989 in Mülheim an der Ruhr) war ein deutscher Jurist, SS-Obergruppenführer und Politiker der NSDAP.
Als „Theoretiker, Organisator und Personalchef der Gestapo“ hatte er eine wichtige Funktion bei der Etablierung der Gestapo und der Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). Die Konzeption und die erstmalige Aufstellung sogenannter Einsatzgruppen geht auf ihn zurück.
Innerhalb der SS galt er zeitweise als „führender Großraumtheoretiker“. Bekannt wurde er als Planer eines nicht erfolgten Putsches der NSDAP (1931), später dann als Stellvertreter von Reinhard Heydrich in der Führung des SD (1934–1940) sowie als deutscher Statthalter im besetzten Dänemark (1942–1945). Weniger bekannt ist seine Tätigkeit als hoher Offizier der Wehrmacht in der deutschen Militärverwaltung des besetzten Frankreich (1940–1942).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in Dänemark als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach seiner Entlassung spielte er eine wichtige Rolle bei dem erfolgreichen Versuch, durch verdeckte Einflussnahme auf Prozesse und Gesetzgebung in der Bundesrepublik die Strafverfolgung von NS-Tätern zu erschweren. Einer Ahndung seiner eigenen Verbrechen konnte er sich weitestgehend entziehen. Er starb kurz vor der Eröffnung des Hauptverfahrens gegen ihn.
Werner Best wurde 1903 als ältester Sohn des Postinspektors Georg Konrad Best und dessen Frau Karoline, geborene Noll/Nohl, in Darmstadt geboren. Sein Bruder Walter Best folgte 1905. Die Eltern zogen 1905 von Darmstadt nach Liegnitz und 1912 nach Dortmund. Der Vater erlag als Oberleutnant zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Frankreich einer Verwundung. Daraufhin zog die Mutter mit den beiden Kindern nach Gonsenheim bei Mainz. Best besuchte das neue humanistische Gymnasium bis zum Abitur 1921.
Werner heiratete 1930 in Mainz Hildegard Regner, die Tochter des Zahnarztes Josef Regner. Sie hatten fünf Kinder.
Best war seit frühester Jugend dem Lager des völkischen Nationalismus in Deutschland verbunden. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gründete er in Mainz die erste Ortsgruppe des Deutschnationalen Jugendbundes und wurde in der Deutschnationalen Volkspartei aktiv. Noch als Gymnasiast auf dem Neuen Mainzer Gymnasium war er Gründungsmitglied der Mainzer Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes.
Der frühe Verlust des Vaters durch den Krieg und das Erlebnis der alliierten Rheinlandbesetzung prägten den jungen Best entscheidend. Überregional bekannt wurde er erstmals, als er als Schüler einen Französischwettbewerb gewann und sich dann ausdrücklich weigerte, den Preis aus den Händen eines französischen Besatzungsoffiziers entgegenzunehmen.
Von 1921 bis 1925 studierte Best Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, Freiburg, Gießen und Heidelberg. In dieser Zeit wurde er auch Mitglied des stark antisemitischen Deutschen Hochschulringes, wo er erst in die Führung des Frankfurter Ringes aufstieg und dann in den „Führerrat“ des reichsweiten Gesamtverbandes. Innerhalb des Verbandes gehörte er zur radikal „rassenbiologisch orientierten“ Richtung, die sich mit ihren Positionen – wie etwa in der Ablehnung von Juden als Mitgliedern – gegenüber den gemäßigteren Strömungen durchsetzte, die einzelne Ausnahmen zulassen wollten.
Politische Aktivitäten im Ruhrkampf und kritische Distanz zur jungen NSDAP
Gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung 1923 engagierte sich Best parallel zu Studium und Verbandsarbeit öffentlich und im Untergrund. Dabei unterstützten staatliche Stellen wie die Reichszentrale für Heimatdienst des Reichsinnenministeriums ihn und seinen Verband durch lockere Koordinierung der Tätigkeit und unregelmäßige Geldleistungen. Als Leiter des „Rheinlandamtes“ des Deutschen Hochschulringes organisierte Best Veranstaltungen, schrieb für die rechtsgerichtete Mainzer Tageszeitung, entwarf und veröffentlichte Denkschriften und reiste zu völkischen Jugendorganisationen an westdeutschen Universitäten, wodurch er weitverzweigte Kontakte knüpfte.
1923 meldete sich Best in den Wintersemesterferien als Zeitfreiwilliger zur Reichswehr, um an einem militärischen Schnellkursus teilzunehmen. Zwar nahm er nicht selbst an Sabotageakten teil, trat aber für den Übergang zum bewaffneten Kampf gegen die Franzosen ein. Einen neuen Krieg hätte er in Kauf genommen.
Anlässlich einer Demonstration gegen den von Frankreich unterstützten rheinischen Separatismus vor dem Gebäude der Mainzer Notgelddruckerei wurde er verhaftet, für eine Woche inhaftiert und nach der Freilassung in Abwesenheit zu 25 Tagen Gefängnis verurteilt.
Der im rechtsradikalen Lager langsam bekannter werdenden NSDAP stand Best zu dieser Zeit noch kritisch gegenüber, da Adolf Hitler den Ruhrkampf an der Seite der Reichsregierung aus taktischen Gründen ablehnte.
Verhaftung und Verurteilung durch die französischen Besatzungsbehörden
1924 wurde Best von den französischen Besatzungsbehörden erneut inhaftiert, entging durch Glück jedoch einer Anklage wegen Spionage und konspirativer Unterstützung von Sabotagetätigkeiten, die zur Todesstrafe hätte führen können. Er wurde lediglich wegen Mitgliedschaft im Hochschulring und Waffenbesitzes – er hatte einige Schlagwaffen für Straßenkämpfe beschafft – zu einer Strafe von drei Jahren Haft und Zahlung von 1000 Mark verurteilt.
Ein Gnadengesuch zu stellen hatte Best abgelehnt, was sein Ansehen im völkischen Lager steigerte. Da seine Mutter jedoch ein Gnadengesuch einreichte und die Reichsregierung während der Londoner Reparationsverhandlungen eine allgemeine Amnestie für die „Ruhrkämpfer“ zu erreichen suchte, wurde Best im September 1924 nach etwa sechs Monaten Haft entlassen. Es enttäuschte ihn, dass die Reichsregierung den passiven Widerstand gegen die Besatzung aufgab. Weder war es gelungen, die Ruhrbesetzung zu beenden, noch änderte sich etwas an der alliierten Rheinlandbesetzung.
Examina und rechtsintellektuelle Vertiefung