Ein Werkzyklus (mehrdeutig manchmal auch Mehrteiler) ist eine Einheit aus mindestens zwei Kunstwerken oder vergleichbaren Kulturprodukten (Bildende Kunst, Musik, Literatur, Hörspiel, Film, Video- und Computerspiel), die jeweils in sich abgeschlossen sind und auch getrennt voneinander gelesen, gehört, angeschaut oder gespielt werden können, von ihrem Urheber jedoch zueinander in Beziehung gesetzt und als Gruppe geschaffen worden sind.
In Zyklen von erzählenden oder dramatischen literarischen Werken, von Filmen und von Video- und Computerspielen haben die Einzelwerke oft denselben Hauptfigurenbestand; darüber hinaus oder alternativ sind zwischen den Einzelwerken jedoch auch vielfältige weitere Querverbindungen möglich, wie etwa thematische Bezüge, Perspektivwechsel, Panoramenbildung oder die verschiedensten anderen dramaturgischen Bezüge. Zyklen, die drei Teile haben, werden in vielen Gattungen als Trilogie bezeichnet; wenn vier Teile vorliegen, spricht man von einer Tetralogie. Daneben gibt es weitere Begriffe, die ebenfalls auf eine bestimmte Anzahl von Teilen verweisen, aber weniger gebräuchlich sind.
Insbesondere bei ästhetisch anspruchsvollen Werkzyklen ergibt die Anzahl der enthaltenen Einzelwerke sich aus künstlerischen Überlegungen ihres Schöpfers, steht also oft schon früh im Produktionsprozess fest. Honoré de Balzac z. B. hatte geplant, dass sein erzählerischer Zyklus Die menschliche Komödie 137 Romane und Erzählungen umfassen sollte. Dass nur 91 davon vollendet wurden, lag daran, dass der Autor bereits mit 51 Jahren verstorben ist.
Von Werkzyklen abzugrenzen sind reine Werkreihen. Diese können theoretisch endlos fortgeschrieben werden; die genaue Zahl der Einzelwerke hat keinerlei ästhetische Begründung. Viele Romanreihen, zum Beispiel Anne Golons 13-teilige Angélique-Serie (1957–1985), gelten als Paraliteratur; andere dagegen – wie etwa die Sherlock-Holmes-Romane und -Erzählungen (1886–1927) von Arthur Conan Doyle – genügen höchsten künstlerischen Standards.
An Beispielen wie C. S. Forresters 11-bändiger Reihe von Romanen um Horatio Hornblower lässt sich aufweisen, dass der Übergang zwischen Romanzyklen und Romanreihen fließend ist. Fließend ist auch der Übergang zu Einzelromanen, die, wie etwa D. H. Lawrence’ dreiteiliger Roman Der Regenbogen (1915), aus mehreren deutlich geschiedenen Teilen zusammengesetzt sind.
Von einem Werkzyklus spricht man unabhängig davon, ob von einer zwei-, einer drei- usw. oder einer vielteiligen Serie wie z. B. Die menschliche Komödie die Rede ist. Der Terminus „Romanzyklus“ lässt sich im Deutschen seit mindestens 1874 nachweisen.
Der Begriff „Mehrteiler“ ist deutlich jüngeren Datums; er bezeichnete – als allgemeinverständliche Umschreibung für den noch nicht eingedeutschten Ausdruck Mini Series – zunächst ausschließlich Fernsehproduktionen. Als Bezeichnung für Zyklen von literarischen Werken erscheint der Begriff nicht vor den 1970er Jahren.
Für Werkzyklen sind – je nach Anzahl der Teile – die Bezeichnungen gebräuchlich, die hier in der Tabelle angegeben sind. Die Bezeichnungen aus dem Erbwortschatz sind mehrdeutig und können außer Werkzyklen auch Einzelwerke bezeichnen, die – wie etwa Miniserien – in mehrere Episoden heruntergebrochen sind. Die Bezeichnungen aus dem Fremdwortschatz setzen sich zusammen aus griechischen Zahlwörtern und -logie.
Für eine Liste mit Beispielen von Werkzyklen siehe Liste von Mehrteilern.
Theoretische Voraussetzungen: Textgrenzmarkierung
Hilfreich für die Entscheidung, ob ein Textkorpus (a.) ein einziges, aber in Teile oder Bände untergliedertes Werk oder (b.) einen Werkzyklus bildet – das heißt für die Textgrenzmarkierung –, sind unter anderem die Überlegungen, die die Literaturtheoretikerin Julia Kristeva 1969 zur „Geschlossenheit“ literarischer Werke angestellt hat. Kristeva sah Geschlossenheit darin, dass ein Text durch seine erzählerische Logik sein eigenes Ende von Anfang an impliziere. Ein Romanzyklus liegt danach dann vor, wenn die einzelnen Einheiten des Gesamtkorpus eine vollständige logische Lösung der „oppositionellen Dyaden“ aufweisen, die am Anfang der Erzählungen jeweils eingeführt werden.
Simpler, aber auch weniger genau, ist an anderer Stelle definiert worden, dass eine Erzählung dann als geschlossen gelten könne, „wenn der Text keine Fragen der Rezipierenden mehr offenlässt“.
Werkzyklen in verschiedenen Gattungen
Ein bekanntes Beispiel für Gemäldezyklen sind Die fünf Sinne von Rembrandt van Rijn.
Werkzyklen unterschiedlichen Umfangs existieren auch im Bereich Skulptur und Plastik. Ein bekanntes Beispiel sind die zwölf Naumburger Stifterfiguren des Naumburger Meisters im Westchor des Naumburger Domes.
In der Musik werden Werke, die aus mehreren Sätzen, Nummern, Arien oder Ähnlichem bestehen (Sonaten, Sinfonien, Suiten, Opern, Oratorien, Messen usw.) – obwohl es sich hier der Sache nach um Zyklen handelt – gewöhnlich nicht als Zyklen bezeichnet. Der Begriff „Zyklus“ wird hier meist nur für solche Werkgruppen und -sammlungen verwendet, für die eine treffendere Formbezeichnung nicht existiert, wie etwa Liederzyklen oder Klavierzyklen. Beispiele:
Lieder – Franz Schubert: Die schöne Müllerin
Klavierstücke – Johann Sebastian Bach: Das Wohltemperierte Klavier