Als Welthunger wird die Situation beschrieben, dass viele Menschen auf der Welt nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung haben. Jährlich sterben weltweit etwa 9 Millionen Menschen an Hunger.
Unterernährung liegt vor, wenn die tägliche Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum unter der Mindestmenge liegt, die für ein normales, aktives und gesundes Leben erforderlich ist. Diese ist von Land zu Land verschieden und beträgt laut FAO 1700 kcal bis 2050 kcal täglich, in Abhängigkeit von demographischen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Größe und Aktivitätsniveau der einzelnen Personen. Die Unterernährung wird ausschließlich anhand der ausreichenden Zufuhr von Nahrungsenergie bestimmt. Sie berücksichtigt weder die Qualität noch die Vielfalt der Ernährung einer Person. Das bedeutet, dass sie nur eine Komponente der Mangelernährung ist: ein weiter gefasster Begriff, der auch andere Arten von Nährstoffmangel, wie z. B. Mikronährstoffe, umfasst.
Die FAO verwendet den Indikator Prävalenz der Unterernährung (Prevalence of Undernourishment, PoU) zur Erfassung des Hungers auf globaler und regionaler Ebene, basierend auf Länderdaten über die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, den Nahrungsmittelverbrauch und den Energiebedarf.
Viele Menschen sind zwar nicht derart unterernährt, dass sie unter körperlichen Beschwerden leiden, die durch eine ungenügende Zufuhr an Nahrungsenergie verursacht werden, aber sie können dennoch von Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Sie haben zwar Zugang zu Nahrungsmitteln, um ihren Energiebedarf zu decken, aber keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichend gesunden und nahrhaften Lebensmitteln oder nicht genügend Mittel zur Nahrungsbeschaffung. Die Prävalenz der moderaten oder schweren Ernährungsunsicherheit (Prevalence of moderate or severe food insecurity) ist eine Schätzung des prozentualen Anteils der Bevölkerung eines Landes, der Schwierigkeiten hat, sich ausreichend gesunde und nahrhafte Lebensmittel zu verschaffen.
Globale, regionale und länderspezifische Schätzungen der Prävalenz der Unterernährung und der Prävalenz von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit werden jährlich im Statusbericht State of Food Security and Nutrition in the World veröffentlicht. Dagegen konzentriert sich der Global Report on Food Crises auf die akute Ernährungsunsicherheit in einer begrenzten Anzahl von Ländern und Gebieten, die von akuten Hungersnöten aufgrund von kriegerischen Konflikten, gravierenden wirtschaftlichen Schocks und extremen Wetterereignissen der letzten Jahre oder einer Kombination dieser Faktoren betroffen sind.
Die Vereinten Nationen haben sich im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung das Ziel gesetzt, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beseitigen. Nach einem jahrzehntelangen Rückgang und fünf Jahren relativer Stabilität seit 2014 jedoch ist der Anteil der unterernährten Menschen weltweit seit 2020 wieder gestiegen. So waren im Jahr 2022 laut FAO schätzungsweise 9,2 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen, was deutlich über dem für 2019 geschätzten Niveau vor der COVID-19-Pandemie von 7,9 Prozent liegt. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben die Zahl der Hungernden in nur einem Jahr (von 2019 bis 2020) schätzungsweise um fast 90 Millionen erhöht.
Am stärksten vom Hunger betroffen ist Afrika, dort stieg die Prävalenz im Jahr 2022 auf 19,7 Prozent (von 17,0 Prozent im Jahr 2019). In Asien und Lateinamerika mitsamt Karibik betrug die Prävalenz im Jahr 2022 8,5 Prozent bzw. 6,5 Prozent (im Jahr 2019 waren es 7,4 Prozent bzw. 5,6 Prozent), in Ozeanien 7,0 Prozent (nach 6,4 Prozent im Jahr 2019). In Nordamerika und Europa liegt die Prävalenz der Unterernährung unter 2,5 Prozent.
In absoluten Zahlen waren im Jahr 2022 zwischen 691 und 783 Millionen Menschen auf der Welt von Hunger betroffen. Legt man den mittleren Wert der geschätzten Spanne zugrunde (fast 735 Millionen), so waren demnach im Jahr 2022 weltweit 122 Millionen mehr Menschen von Hunger betroffen als 2019. In Asien stieg die Zahl der Hungernden zwischen 2019 und 2022 um 58 Millionen auf 402 Millionen (55 Prozent der weltweiten Gesamtzahl). In Afrika waren im Jahr 2022 schätzungsweise 282 Millionen Menschen unterernährt (38 Prozent der weltweiten Gesamtzahl), das ist ein Anstieg von 11 Millionen Menschen gegenüber 2021, 57 Millionen gegenüber 2019 und 98 Millionen gegenüber 2000. In Lateinamerika und der Karibik belief sich die Zahl der unterernährten Menschen im Jahr 2022 auf 43,2 Millionen, ein Anstieg von 7,2 Millionen gegenüber 2019, aber ein Rückgang von 13,2 Millionen gegenüber 2000.
Weltweit starben im Jahr 2019 nach Zahlen des Global Burden of Disease Projekts zwischen 220.000 und 290.000 Menschen an den Folgen von Mangelernährung (das entspricht 0,4 Prozent aller Todesfälle), darunter rund 97.000 Kinder im Alter von unter 5 Jahren. Diese aggregierte Ursache umfasst Todesfälle aufgrund von Ernährungsmängeln aller Art, einschließlich Protein-Energie-Mangelernährung, Jodmangel, Vitamin-A-Mangel, Eisenmangel und anderen Ernährungsmängeln.
Der globalen Bewertung der Ernährungssicherheit zufolge waren im Jahr 2022 schätzungsweise 11,3 Prozent der Weltbevölkerung (900 Millionen Menschen) von schwerer Ernährungsunsicherheit und 18,3 Prozent der Weltbevölkerung (etwas mehr als 1,4 Milliarden Menschen) von moderater Ernährungsunsicherheit betroffen. Am stärksten betroffen ist Afrika, dort litten im Jahr 2022 60,9 Prozent der Bevölkerung unter moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. In Lateinamerika und der Karibik betraf es 37,5 Prozent, in Asien 24,2 Prozent, in Ozeanien 13 Prozent und in Europa und Nordamerika 8 Prozent der Bevölkerung.
Weltweit sind Frauen mehr von Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer, bei den Frauen sind es 28,6 Prozent, bei den Männern 24,8 Prozent.
Laut den jüngsten Prognosen der Vereinten Nationen ist ein Anstieg der Weltbevölkerung auf etwa 8,5 Milliarden im Jahr 2030 und 9,7 Milliarden im Jahr 2050 zu erwarten. Eine Vielzahl von Studien hat versucht, die zukünftige Entwicklung der globale Ernährungssicherheit unter verschiedenen sozioökonomischen und klimatischen Szenarien (SSPs) zu prognostizieren. Laut einer 2021 erschienenen Meta-Analyse werden für den Anteil von Hunger bedrohten Bevölkerung in der Welt von 2010 bis 2050 eine Ab- bzw. Zunahme zwischen minus 91 Prozent und plus 8 Prozent ohne Berücksichtigung des Klimawandels und zwischen minus 91 Prozent und plus 30 Prozent bei Berücksichtigung des Klimawandels prognostiziert, wobei jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt werden konnten.
Einig ist man sich darüber, dass Hunger verschiedene Ursachen hat. Welchen davon jedoch wie viel Bedeutung beizumessen ist, ist je nach politischem Standpunkt und Interessenzugehörigkeit umstritten. Für die kommenden Jahrzehnte wird der globalen Erwärmung eine zunehmende Bedeutung beigemessen.
Politische, soziale und ökonomische Faktoren
Hunger entsteht heute selten dadurch, dass es rein mengenmäßig zu wenig Nahrung gibt. Verschiedene soziale, politische und ökonomische Faktoren sind dafür verantwortlich, dass die Nahrung nicht zu denjenigen gelangt, die sie brauchen.
50 % der Hungernden sind Kleinbauern, die hauptsächlich Selbstversorger sind. Da sie arm sind, können sie bei Bedarf keine ausreichenden Nahrungsmittel hinzukaufen und sind von Hunger bedroht, wenn ihre Ernte schlecht ausfällt oder – wenn sie Produkte zum Verkauf anbauen, um vom Erlös Nahrungsmittel zu kaufen – sie keine existenzsichernden Preise für ihre Waren erzielen können. 20 % der Hungernden sind Landarbeiter ohne eigenes Land, weitere 20 % leben in städtischen Elendsvierteln, die restlichen 10 % sind Fischer und Viehzüchter. Auch sie sind aufgrund ihrer Armut für Hunger anfällig. In vielen Ländern wird die Situation durch Naturkatastrophen (Klimaschwankungen, Dürre, Überschwemmungen etc.), durch bewaffnete Konflikte, Korruption und schlechte Regierungsführung verschärft.
Eine Studie der UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Developement) zeigt, dass eine Ursache für Hungerkrisen darin liegt, dass die Märkte nicht gemäß der Markteffizienzhypothese funktionieren, d. h., dass sie durch Anlegerverhalten verzerrte Preissignale senden, die nicht die Knappheit eines Nahrungsmittels wiedergeben.