Das Wattenmeer der Nordsee ist eine im Wirkungsbereich der Gezeiten liegende, etwa 11.500 km² große, rund 500 km lange und bis zu 40 km breite Landschaft zwischen Skallingen, Dänemark, im Nordosten und Den Helder, Niederlande, im Südwesten. Den bei Niedrigwasser freiliegenden Grund der Nordsee bezeichnet man als Watt. Es ist das größte Wattenmeer der Welt und wurde 2009 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Das Watt wird zweimal am Tag während des Hochwassers überflutet und fällt bei Niedrigwasser wieder trocken, wobei das Wasser oft durch tiefe Ströme (Priele) abfließt. Der zeitliche Abstand zwischen einem Hochwasser und einem Niedrigwasser beträgt durchschnittlich sechs Stunden und zwölf Minuten. Das vor etwa 7500 Jahren entstandene Wattenmeer hat eine der höchsten Primärproduktionsraten in der Welt. Es dient daher vielen Vögeln und Fischen als Rastplatz und Nahrungsquelle.
Naturschutzrechtliche Einordnung
Fast das gesamte Wattenmeer steht unter Naturschutz. Das nordfriesische Wattenmeer wurde am 22. Januar 1974 als ein 1390 km² großes Naturschutzgebiet ausgewiesen; es war seinerzeit Deutschlands größtes Naturschutzgebiet. Durch diesen Schutzstatus konnte das natürliche Vorland der Hamburger Hallig erhalten und die Eindeichung der Nordstrander Bucht reduziert werden. Dieser Naturschutzstatus erwies sich als wegweisend für die im Jahre 1985 vollzogene Gründung des Nationalparks Wattenmeer. Er gilt als ein Beispiel für erfolgreichen Naturschutz und für eine gelungene Koexistenz des Menschen und der Natur.
Der zu Deutschland gehörende Teil des Nationalparks Wattenmeer besteht aus dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Nicht zum Nationalpark zählen die großen, als Schifffahrtsrouten wichtigen Flussmündungen einschließlich das Wattgebiet im Gebiet der Freien und Hansestadt Bremen. Der dänische Nationalpark Vadehavet wurde am 16. Oktober 2010 eingeweiht, das Wattenmeer der Niederlande unterliegt einem komplexen Geflecht aus verschiedenen Schutzmaßnahmen.
In der Wattenmeer-Region gibt es drei UNESCO-Biosphärenreservate; dies sind Modellregionen, in denen beispielhaft innovative Ansätze nachhaltiger Entwicklung erprobt und realisiert werden. Diese gliedern sich in
Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen
Biosphärenreservat Hamburgisches Wattenmeer
Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der nachhaltigen Bewirtschaftung der Inseln und Halligen, der Nutzung regenerativer Energiequellen sowie der Weiterentwicklung eines naturverträglichen Tourismus. Auch Bildungsarbeit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wird durchgeführt.
Die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Niedersächsisches Wattenmeer sowie der niederländische Wattenmeerbereich gehören seit 2009 zum UNESCO-Welterbe. 2011 wurde auch der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und 2014 der dänische Nationalpark Vadehavet sowie eine seewärtige Erweiterung in Niedersachsen in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen.
Nach der Bewertung der UNESCO ist das Wattenmeer eines der letzten verbliebenen großräumigen Gezeitenökosysteme, in denen natürliche Prozesse weitgehend ungestört ablaufen. Es besteht aus einem großen, gemäßigten und relativ flachen Küstenfeuchtgebiet mit einer Vielzahl von Übergangslebensräumen mit Gezeitenkanälen, sandigen Untiefen, Seegraswiesen, Muschelbänken, Sandbänken, Wattenmeer, Salzwiesen, Flussmündungen, Stränden und Dünen und beherbergt zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, darunter Meeressäuger wie Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal.
Die Wattenmeerküste der Nordsee wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen.
Das Wattenmeer liegt im südöstlichen Teil der Nordsee in der Deutschen Bucht. Es erstreckt sich entlang der gesamten Küste vom niederländischen Den Helder über die niedersächsische, bremische und schleswig-holsteinische Nordseeküste bis nach Blåvand in Dänemark. Etwa 30 % des Gebiets liegt unter niederländischer, 60 % unter deutscher und etwa zehn Prozent unter dänischer Jurisdiktion.
Das Wattenmeer umfasst rund 50 (friesische) Inseln. Die von Gletschermoränen gebildeten größeren Inseln formen vom südwestlichen Ende des Wattenmeeres bis zu seinem nordöstlichen Ende eine Kette von Barriereinseln. Die weiteren, kleineren Inseln, die innerhalb der Barriereinseln und vor der nordfriesischen Küste liegen, die sogenannten Halligen Marschinseln, sind teilweise Reste einer ehemaligen Salzmarsch, der vom Meer zerstört wurde.
Im südlichen Teil von Den Helder über die Ems bis hin zur Wesermündung liegt das Wattenmeer hinter Barriereinseln, die aus Sandbänken entstanden sind (Ostfriesische Inseln und Westfriesische Inseln). Die Breite des Wattenmeers reicht hier von sechs Kilometern zwischen den Ostfriesischen Inseln und dem Festland bis hin zu 40 oder 50 Kilometern in großen Buchten wie dem Jadebusen, dem Dollart oder der Leybucht. Teilweise wurden in den Niederlanden auch große Buchten ganz eingedeicht und so dem direkten Einfluss des Meeres entzogen; bekanntestes und größtes Beispiel hierfür ist das IJsselmeer.
Nordwestlich (seewärts) von Texel und von Borkum liegen Gesteinsriffe, die der Erosionskraft der See widerstanden haben. In deren Strömungsschatten konnten sich Sandbänke bilden, aus denen im Laufe der Zeit die West- beziehungsweise Ostfriesischen Inseln entstanden. Durch diese Sandbänke beziehungsweise durch die späteren Inseln war der breite Saum zwischen diesen und dem Festland vor der Brandung geschützt, und Sedimente wurden nicht wieder fortgespült.
Durch die Meeresströmungen bildeten sich Sandbänke, die sich im südlichen Wattenmeer zu Barriereinseln auftürmten (Ostfriesische und Westfriesische Inseln). Dabei verläuft dieser Prozess kontinuierlich. In den letzten Jahrhunderten beispielsweise verschwanden Bant und Buise im Meer, dafür entstanden Memmert und die Kachelotplate. Andere Sandbänke wie Lütje Hörn können sich anscheinend nicht dauerhaft etablieren.