Wassil Lewski (auch Vasil Levski oder Wasil Lewski geschrieben, bulgarisch Васил Левски, altbulgarisch Василъ Львскій, „der Löwengleiche“; * 6. Julijul. / 18. Juli 1840greg. in Karlowo; † 6. Februarjul. / 18. Februar 1873greg. in Sofia), geboren Wasil Iwanow Kuntschew (bulgarisch Васил Иванов Кунчев), bekannt auch als Diakon Ignatij (bulgarisch Дякон Игнатий) und Apostel der Freiheit (bulgarisch Апостола на Свободата), war orthodoxer Mönch und ein führender Revolutionär und Ideologe der bulgarischen Freiheitsbewegung, die am Ende eines „500 Jahre andauernden Jochs“ durch türkische Fremdherrschaft hauptsächlich in der orthodoxen Kirche zum Tragen kam.
Lewski war aktiv in der Zeit der nationalen Wiedergeburt, die nach dem Krimkrieg (zehnter Russisch-Türkischer Krieg 1853–1856, mit Franzosen und Briten auf Seite der Osmanen) Fahrt aufnahm, aber erst nach türkischer Niederlage im Russisch-Osmanischen Krieg 1878 zur Teil-Herauslösung aus dem Osmanischen Reich führte, durch Gründung des Fürstentums Bulgarien. Lewski als Begründer der Inneren Revolutionären Organisation (IRO) und des Bulgarischen Revolutionären Zentralkomitees (BRZK) war Anfang 1873 nach misslungenem Befreiungsversuch gehenkt worden und gilt seither als Nationalheld.
Wasil Lewski ist weder unter seinem offiziellen Namen noch unter seinem geistlichen Namen Diakon Ignatij bekannt. Er selbst unterschrieb Dokumente als Diakon Lewskij, seine Mitstreiter nannten ihn Wasil Djakona oder nur Diakon manchmal auch Djakontscheto (das Diakönchen). Er hatte auch einige türkische Pseudonyme wie z. B. Aslan Derwischooglu Kirdschal, Efendi Aslan Derwischooglu sowie weitere bulgarische wie Der Hauptbuchhändler, Troptscho, Dragojtscho usw. einschließlich eines armenischen Pseudonyms – Ovanes. Nach seinem Tod, besonders seit den 1880er bzw. 1890er Jahren, begann man, ihn den Apostel der Freiheit zu nennen oder nur den Apostel, was auf Iwan Wazow zurückgeht.
Lewski kam am 18. Juli 1840 in Karlowo zur Welt. Seine Mutter war Gina Wassilewa Karaiwanowa, sein Vater Iwan Kuntschew Iwanow. Er besuchte die Schule in Karlowo. Im Jahre 1851 starb sein Vater und hinterließ drei Söhne. 1855 wurde Lewski als Novize zu seinem Onkel mütterlicherseits, Archimandrit Hadschi Wasilij, einem Wandermönch aus dem Kloster Hilandar, geschickt. In den nächsten Jahren ging er zwei Jahre in Karlowo und Stara Sagora in die Klosterschule und durchlief einen einjährigen Priesterlehrgang. Am 7. Dezember 1858 wurde er Mönch und nahm den Namen Ignatij an. Im Jahre 1859 wurde er Archidiakon. 1861 schloss sich Lewski unter dem Einfluss von Georgi Sawa Rakowski dem revolutionären Befreiungskampf gegen die osmanische Herrschaft in Bulgarien an.
1862 reiste Lewski nach Belgrad, wo er in Rakowskis Erste Bulgarische Legion eintrat. Rakowski war der Erste, der die Idee der politischen Befreiung aus dem Volke heraus an die bulgarischen Emigranten und das Volk in Bulgarien herantrug. Als am 3. Juli 1862 in Belgrad Kämpfe zwischen den Serben und der osmanischen Garnison in der Festung Kalemegdan ausbrachen, griff die Legion auf der Seite der Serben ein. Als jedoch kein Krieg ausbrach, sah sich die serbische Regierung auf türkischen Druck gezwungen, die Legion aufzulösen. Dennoch war sie die erste Möglichkeit, in der junge bulgarische Freiheitskämpfer Kampferfahrung und Ideen sammelten, Netzwerke gründeten, die ihnen später im Kampf von Nutzen waren. Wegen seiner Geschicklichkeit und seines Muts in den Kämpfen bei Kalemegdan erhielt Kuntschew den Beinamen Lewski, dt. der Löwenhafte (aus dem bulgarischen Wort für Löwe – Лъв/Law). Nach der Auflösung der Legion schloss er sich zunächst dem aufständischen Trupp (Tscheta) von Iljo Wojwoda an. Im darauffolgenden Jahr zog er, wie andere Mitglieder der Legion, nach Plowdiw (osmanisch Filibe).
Für das Schuljahr 1863–1864 schrieb sich Lewski an der Plowdiwer Klassenschule als Diakon Ignatij ein. Mitschülern waren unter anderem Iwan Geschow und Sachari Stojanow. Joakim Gruew war sein Lehrer. Im Frühjahr 1864, am Ostersonntag, schnitt Lewski in Gegenwart seiner engsten Vertrauten seine langen Mönchshaare ab. Von diesem Moment an wurde er der weltliche Diakon der Freiheit Wassil Lewski. Sein Onkel, Archimandrit Wasilij, versuchte noch eine kirchliche Ermittlung gegen seinen Neffen einzuleiten, die ihm persönlich vom Erzbischof von Plowdiw bei Androhung von Strafe verboten wurde. 1865 bis 1866 war Lewski Lehrer an verschiedenen Schulen. Als Lehrer versuchte Lewski, die Menschen in bewaffneten patriotischen Gruppen für den kommenden Aufstand zu organisieren. 1866 lernte er Chadschi Dimitar und Stefan Karadscha kennen und traf erneut auf Rakowski.
1867 trat Lewski der Zweiten Bulgarischen Legion Rakowskis in Belgrad bei. Nach ihrer Auflösung versuchte er, mit einer Tscheta (Freischar) nach Bulgarien zu kommen, um einen Aufstand zu entfachen, wurde aber in Serbien verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Nach seiner Befreiung reiste er ins benachbarte Rumänien, wo er sich im April 1867 als Fahnenträger der Tscheta von Panajot Chitow anschloss. Chitow wurde zuvor von Rakowski zum „Obersten Bulgarischen Woiwoden“ (bulg. главен български войвода) erklärt. Damit unterstanden alle bulgarischen Tschetas der militärischen Führung von Chitow. Rakowski und Chitow zielten damit auf eine Koordination der militärischen Aktionen im Kampf gegen die osmanischen Herrscher. Nach dem überraschenden Tod Rakowskis am 28. April 1867 scheiterten die großen Pläne.
Nach den Misserfolgen mit den Tschetas plante Lewski, für einen nationalen Befreiungskampf die zentrale Leitung der Aufstandsvorbereitung nach Bulgarien zu verlegen und ein Netz von revolutionären Komitees zu schaffen. Am 11. Dezember 1868 begann er seine erste Rundreise durch Bulgarien, die bis zum Februar 1869 dauerte. Ab Mai 1869 gelang es ihm in seiner zweiten Rundreise, revolutionäre Komitees im ganzen Land zu gründen. Zwischendurch kehrte er immer wieder nach Rumänien zurück und versuchte erfolglos, die Elite der bulgarischen Revolutionäre davon zu überzeugen, das revolutionäre Zentrum nach Bulgarien zu verlegen.
Ende 1869 nahm Lewski an der Gründung des Bulgarischen Revolutionären Zentralkomitees (BRZK) teil und wurde gemeinsam mit Ljuben Karawelow Vorsitzender des revolutionär-demokratischen Flügels. Danach widmete er sich weiter der Schaffung von revolutionären Komitees in Bulgarien. 1870 bestimmte er Lowetsch zum Zentrum der IRO – der „Provisorischen Regierung in Bulgarien“. Zwei Jahre später gründete er im Kloster von Trojan das erste Mönchskomitee.
1871 erarbeitete er das Programm und ein vorläufiges Statut für das BRZK. 1872 initiierte und organisierte er die erste allgemeine Versammlung des BRZK in Bukarest. Als Bevollmächtigter des BRZK für die Komitees in Bulgarien begann er, die Innere Revolutionäre Organisation umzugestalten. Es wurden Kreiskomitees geschaffen.
Am 22. September 1872 überfielen Dimitar Obschti und weitere führende Vertreter der Revolutionsbewegung in der Region Tetewen, gegen den Willen Lewskis, einen osmanischen Postwagen am Gebirgspass Arabakonak. Der Postwagen beförderte die Steuereinnahmen der Region Orchanie und Tetewen. Die Beute sollte der Revolutionsbewegung zugutekommen. Obwohl der Überfall erfolgreich war, bedeutete die anschließende Verhaftung der Teilnehmer einen schweren Rückschlag für die IRO.
Lewski und Karawelow wurden vom BRZK angewiesen, den Aufstand zu beginnen, aber er lehnte dies ab und beschloss, die Archive der IRO aus Lowetsch nach Rumänien in Sicherheit zu bringen. Am 1. Dezember reiste Wassil Lewski in Begleitung des Komiteekuriers Nikola Raschanow von Pasardschik nach Lowetsch. Am 12. Dezember schrieb Lewski seinen letzten Brief an die Mitglieder des Komitees in Lowetsch. Zwei Tage später wurde in Sofia eine Spezialkommission unter der Leitung von General Ali Saib Pascha gebildet und den verhafteten Mitgliedern der IRO und den Teilnehmern am Überfall der Prozess gemacht.
Am Nachmittag trat Lewski seine Reise zurück nach Rumänien an. Nikoltscho Zwetkow begleitete ihn. Am Abend des 26. Dezembers erreichten beide die Karawanserei (die Raststätte) von Christo Zonew bei Kakrina, in der Nähe von Lowetsch, und wollten am nächsten Tag über Sewliewo und Weliko Tarnowo den Weg nach Bukarest nehmen. Am Morgen des 27. Dezembers wurde der Han von der türkischen Polizei umstellt; Lewski versuchte zu flüchten und wurde dabei verletzt.