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Washingtoner Flottenabkommen

Flottenabkommen zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan aus dem Jahr 1922

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Das Washingtoner Flottenabkommen (in englischsprachigen Quellen auch bekannt als Fünf-Mächte-Abkommen) war ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den wichtigsten Alliierten des Ersten Weltkriegs, in dem vereinbart wurde, ein Wettrüsten durch die Begrenzung des Flottenbaus zu verhindern. Er wurde auf der Washingtoner Flottenkonferenz von November 1921 bis Februar 1922 ausgehandelt und von den Regierungen Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Italiens und Japans unterzeichnet. Die Ratifizierungen dieses Vertrags wurden am 17. August 1923 in Washington ausgetauscht und er wurde am 16. April 1924 in die Vertragsserie des Völkerbunds eingetragen.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg verfügte Großbritannien immer noch über die größte und mächtigste Marine der Welt, gefolgt von den Vereinigten Staaten und mit einigem Abstand von Japan, Frankreich und Italien. Die britische Royal Navy hatte die besiegte deutsche Hochseeflotte interniert. Die Alliierten waren unterschiedlicher Meinung über die endgültige Verwendung der kaiserlichen deutschen Marine: Die Franzosen und Italiener wollten die deutsche Flotte unter den Siegermächten aufteilen, während die Amerikaner und Briten die Zerstörung der Schiffe forderten. Die Verhandlungen wurden durch die Selbstversenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow weitgehend hinfällig. Die Nachricht von der Versenkung verärgerte die Franzosen und die Italiener, wobei die Franzosen besonders unbeeindruckt von den britischen Erklärungen waren, dass die Flotte, die die Deutschen bewachte, zu dieser Zeit zu Übungen unterwegs gewesen sei. Dennoch schlossen sich die Briten ihren Verbündeten an und verurteilten das deutsche Vorgehen, auch weil es keine glaubwürdigen Beweise dafür gab, dass die Briten im Zusammenhang mit der Versenkung aktiv mit den Deutschen zusammengearbeitet hätten. Der Versailler Vertrag, der kurz nach der Versenkung der deutschen Schiffe unterzeichnet wurde, legte strenge Grenzen für die Größe und die Anzahl der Kriegsschiffe fest, welche die neu gewählte deutsche Regierung bauen und unterhalten durfte. Amerikaner, Briten, Franzosen, Italiener und Japaner waren während des Ersten Weltkriegs Verbündete gewesen, aber da die deutsche Bedrohung beendet war, schien ein Wettrüsten zwischen den ehemaligen Partnern in den nächsten Jahren immer wahrscheinlicher zu werden. Die Regierung von US-Präsident Woodrow Wilson hatte bereits mehrere Pläne für den Ausbau der US-Marine zwischen 1916 und 1919 angekündigt, die zu einer gewaltigen Flotte von 50 modernen Kriegsschiffen geführt hätten.

Daraufhin genehmigte das japanische Parlament schließlich den Bau von Kriegsschiffen, um das Ziel der japanischen Marine eines „Acht-Acht“-Flottenprogramms mit acht modernen Schlachtschiffen und acht Schlachtkreuzern zu gewährleisten. Die Japaner begannen mit dem Bau von vier Schlachtschiffen und vier Schlachtkreuzern, die alle viel größer und leistungsfähiger waren als die Schiffe der Klassen, die sie ersetzten. In den britischen Marineanordnungen von 1921 waren vier Schlachtschiffe und vier Schlachtkreuzer vorgesehen, und im darauf folgenden Jahr sollten vier weitere Schlachtschiffe folgen.

Das neue Wettrüsten stieß in der amerikanischen Öffentlichkeit auf Ablehnung. Der US-Kongress missbilligte Wilsons Marineausbauplan von 1919 und der Präsidentschaftswahlkampf von 1920 führte dazu, dass die Politik wieder zur Nichteinmischung der Vorkriegszeit zurückfand und wenig Begeisterung für den weiteren Ausbau der Marine aufbrachte. Auch Großbritannien konnte sich eine Wiederaufnahme des Schlachtschiffbaus angesichts der exorbitanten Kosten kaum leisten.

Ende 1921 erfuhren die Vereinigten Staaten, dass Großbritannien eine Konferenz zur Erörterung der strategischen Lage im Pazifik und im Fernen Osten plante. Um der Konferenz zuvorzukommen und die innenpolitischen Forderungen nach einer globalen Abrüstungskonferenz zu erfüllen, berief die Regierung von Warren G. Harding im November 1921 die Washingtoner Flottenkonferenz ein. Dort wurden das Flottenabkommen, das Washingtoner Viermächteabkommen und der Neun-Mächte-Vertrag vereinbart.

Auf der ersten Plenarsitzung am 21. November 1921 stellte der amerikanische Außenminister Charles Evans Hughes die Vorschläge seines Landes vor. Hughes eröffnete die Konferenz mit der entschlossenen Feststellung: „Der Weg zur Abrüstung ist die Abrüstung“.

Dieser ehrgeizige Slogan fand in der Öffentlichkeit begeisterte Zustimmung und trug wahrscheinlich dazu bei, dass die Konferenz abgekürzt und seine Vorschläge weitgehend angenommen wurden. Anschließend schlug er Folgendes vor:

Eine zehnjährige Pause für den Bau von Großkampfschiffen (Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer), einschließlich der sofortigen Aussetzung des Baus von Großkampfschiffen.

Die Abwrackung bestehender oder geplanter Großkampfschiffe, um ein Tonnageverhältnis von 5:5:3:1,67:1,67 für Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien zu erreichen.

Laufende Begrenzung sowohl der Tonnage von Großkampfschiffen als auch der Tonnage von Hilfsschiffen im Verhältnis 5:5:3.

Die Vorschläge für Großkampfschiffe wurden von der britischen Delegation weitgehend akzeptiert. Allerdings waren sie in der britischen Öffentlichkeit umstritten, denn damit verfügte Großbritannien nicht mehr über angemessen große Flotten, die es gleichzeitig in der Nordsee, im Mittelmeer und im Fernen Osten einsetzen konnte, was bei Teilen der Royal Navy Empörung auslöste. Dennoch war die Forderung nach einer Zustimmung der Briten groß. Das Risiko eines Krieges mit den Amerikanern rückte in hypothetische Ferne, da es kaum politische Differenzen zwischen den beiden anglophonen Mächten gab. Auch die Ausgaben für die Marine waren in Großbritannien und seinen Dominions unpopulär. Außerdem musste Großbritannien aufgrund der Rezession nach dem Ersten Weltkrieg seinen Haushalt erheblich kürzen.

Die japanische Delegation war gespalten. Die japanische Marinedoktrin verlangte die Aufrechterhaltung einer Flotte, die 70 % der Größe der amerikanischen Flotte entsprach und die als das notwendige Minimum angesehen wurde, um die Amerikaner in einem, damals noch hypothetischen, späteren Krieg zu besiegen. Die Japaner erwarteten zwei mögliche Szenarien: Zunächst mit der Pazifikflotte der USA und dann mit der Atlantikflotte. Sie rechneten damit, dass ein Verhältnis von 7:5 zugunsten Japans im ersten Szenario einen ausreichenden Vorsprung für einen Sieg im zweiten Szenario bringen würde, so dass ein Verhältnis von 5:3 als inakzeptabel betrachtet wurde, da ein Verhältnis von 5:3 bei der Gesamtflottengröße ein Verhältnis von 6:5 wiederum zugunsten Japans im ersten Szenario bedeuten würde. Der Leiter der Delegation, Katō Tomosaburō, zog es jedoch vor, letzteres zu akzeptieren, um ein Wettrüsten mit den Vereinigten Staaten zu vermeiden, da Japan aufgrund der relativen industriellen Stärke der beiden Nationen ein solches Wettrüsten verlieren und möglicherweise eine Wirtschaftskrise erleiden würde. Zu Beginn der Verhandlungen verfügten die Japaner nur über 55 % der Großkampfschiffe und 18 % des BIP der Amerikaner. Dem widersprach Katō Hiroharu, der Präsident der Marinestabshochschule, der in der Delegation als sein oberster Marineberater fungierte. Er vertrat die Meinung, dass sich Japan so gründlich wie möglich auf einen unvermeidlichen Konflikt mit den Vereinigten Staaten vorbereiten müsse, die aufgrund ihrer enormen industriellen Macht unbegrenzt mehr Kriegsschiffe bauen könnten. Katō Tomosaburō konnte das japanische Oberkommando schließlich davon überzeugen, die Vorschläge von Hughes zu akzeptieren, dennoch blieb der Vertrag jahrelang umstritten.

Die französische Delegation reagierte zunächst ablehnend auf die Idee, die Tonnage ihrer Großkampfschiffe auf 175.000 Tonnen zu reduzieren und forderte 350.000 Tonnen, also etwas mehr als das Limit der Japaner. Schließlich konnten die Franzosen durch Zugeständnisse bei Kreuzern und U-Booten davon überzeugt werden, der Begrenzung der Großkampfschiffe zuzustimmen. Ein weiterer Punkt, der von den französischen Vertretern als kritisch angesehen wurde, war die italienische Forderung nach einer substanziellen Parität, die als unbegründet angesehen wurde; der Druck der amerikanischen und der britischen Delegation veranlasste die Franzosen jedoch, sie zu akzeptieren. Dies wurde von der italienischen Regierung als großer Erfolg gewertet, aber die Parität wurde nie wirklich erreicht. Es gab viele Diskussionen über die Aufnahme oder den Ausschluss einzelner Kriegsschiffe. Insbesondere die japanische Delegation wollte ihr neuestes Schlachtschiff Mutsu behalten, das mit großem öffentlichen Enthusiasmus, u. a. durch Spenden von Schulkindern, finanziert worden war. Dies führte dazu, dass die Amerikaner und Briten gleichwertige Schiffe bauen durften.

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