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Washington Irving

Amerikanischer Schriftsteller (1783-1859)

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Washington Irving (* 3. April 1783 in New York; † 28. November 1859 in Sunnyside, Tarrytown) war ein amerikanischer Schriftsteller.

Mit an englischen Stilvorbildern geschulten Satiren über die Gesellschaft und Geschichte der Stadt New York wurde er im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zunächst in seiner Heimat bekannt. Mit seinem Skizzenbuch (1819–20) wandte er sich zunehmend Einflüssen der europäischen Romantik zu und wurde so der erste auch in Europa erfolgreiche amerikanische Schriftsteller. Mit den in diesem Band enthaltenen Erzählungen Rip Van Winkle und The Legend of Sleepy Hollow (dt. Die Sage von der schläfrigen Schlucht) begründete Irving die Gattung der Kurzgeschichte.

In späteren Jahren verfasste Irving vor allem Biografien, unter anderem über Christoph Kolumbus und George Washington.

Irvings Eltern waren der schottische Auswanderer William Irving und seine englische Frau Sarah (geb. Sanders). 1763 waren sie nach New York ausgewandert und hatten es mit einem Handelsunternehmen zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Sie hatten insgesamt elf Kinder, drei Töchter und acht Söhne; drei der Söhne starben jedoch als Säuglinge. Washington Irving wurde als jüngstes Kind der Familie in der ersten Aprilwoche 1783 geboren, als die Nachricht vom Waffenstillstand im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg New York erreichte, und so wurde er zu Ehren von George Washington, dem Kommandeur der siegreichen Revolutionstruppen, auf den Namen Washington getauft. Als Sechsjähriger soll Irving seinen Namenspatron leibhaftig getroffen haben, als sein schottisches Kindermädchen George Washington, nunmehr Präsident der Vereinigten Staaten, in einem Laden auf dem Broadway ausmachte und ihm ihr Mündel mit den Worten vorstellte: “Please, Excellency, here’s a bairn that’s called after ye!” – Washington soll dem Kind daraufhin die Hand aufgelegt haben. Irving, dessen letztes Werk eine monumentale Washington-Biografie sein sollte, hat die Bedeutung dieser Episode für sein Leben – ob wahr oder nicht – später oft unterstrichen. Vom sechsten bis zum sechzehnten Lebensjahr ging er bei verschiedenen Privatlehrern zur Schule, war aber ein desinteressierter und schlechter Schüler.

Der Werdegang der fünf Irving-Brüder illustriert die Entstehung einer breiten bürgerlichen Mittelschicht in den amerikanischen Städten, aber auch den Bruch mit der Gedankenwelt der vorangegangenen Generation. Der Familienvater William Irving, Sr., war ein streng gläubiger Anhänger eines noch stark puritanisch geprägten Calvinismus und hoffte, dass zumindest einer seiner Söhne die Priesterlaufbahn einschlagen werde, doch waren diese durch und durch vom aufklärerischen Geist der Amerikanischen Revolution und jungen Republik geprägt und entfremdeten sich ihrem Vater in dieser Hinsicht zunehmend. William, Jr. und Ebenezer Irving wurden schließlich Geschäftsleute, Peter Irving wurde Arzt, John Irving Jurist. Auch Washington Irving als jüngster Sohn mochte dem Wunsch des Vaters nicht entsprechen und begann ab 1799 die Jurisprudenz zu studieren – in Ermangelung einer Rechtshochschule des Staates New York als Gehilfe in den Kanzleien verschiedener Rechtsanwälte und Richter.

Anfänge als Schriftsteller, 1802–1815

In die ersten Studienjahre fallen auch die ersten Veröffentlichungen Washington Irvings. Sein Bruder Peter Irving mischte sich zunehmend in die politischen Grabenkämpfe zwischen der Föderalistischen und der Demokratisch-Republikanischen Partei ein, die die amerikanische Politik und somit besonders die damalige Hauptstadt New York zu dieser Zeit prägten. Er zählte in diesen Wirren zu den engsten Vertrauten des Vizepräsidenten Aaron Burr, Anführer einer dritten Fraktion. Als Sprachrohr seiner Politik gründete Burr 1802 eine eigene Zeitung, den Morning Chronicle, und setzte Peter Irving als Herausgeber ein. Dieser rekrutierte dann auch seinen jüngeren Bruder, um die Seiten des Blattes zu füllen. Unter dem Pseudonym Jonathan Oldstyle veröffentlichte Washington Irving so seine ersten Werke, in Theaterrezensionen verpackte Satiren auf das politische und kulturelle Treiben in den besseren Kreisen New Yorks. Oldstyle, porträtiert als konservativ-sentimentaler Hagestolz, ist das erste in einer langen Reihe von Pseudonymen und Personae, durch die Washington viele seiner Werke erzählt. Auf diese eher sanft satirischen Letters of Jonathan Oldstyle folgte 1804 eine Reihe von explizit politischen Schmähschriften auf die Gegner Burrs im Wahlkampf um das New Yorker Gouverneursamt. Sie erschienen im ebenfalls von Peter Irving geführten Magazin Corrector, doch ist eine Zuordnung von einzelnen Artikeln schwierig, da das Blatt sich in der sich zuspitzenden politischen Krise darauf verlegt hatte, seine Polemiken anonym zu veröffentlichen.

1804 unterbrach er das Studium aus gesundheitlichen Gründen und schiffte sich zu einer Grand Tour nach Europa ein. Er bereiste Frankreich, Italien, die Schweiz und England, bevor er 1806 nach New York zurückkehrte.

Im November des Jahres wurde er, wohl vor allem dank der Nachsichtigkeit seiner Prüfer, schließlich als Anwalt zugelassen. Seinen ersten und einzigen Klienten ließ er jedoch bald im Stich und praktizierte danach nie wieder als Jurist. Stattdessen forcierte er nun seine Karriere als Schreiberling und gründete gemeinsam mit seinem Bruder William Irving und seinem Schwippschwager James Kirke Paulding die satirische Zeitschrift Salmagundi, von der bis 1808 insgesamt zwanzig Ausgaben erschienen. In ihren mit verschiedenen Pseudonymen gezeichneten Artikeln karikierten sie unbekümmert die politischen und gesellschaftlichen Eliten der Stadt. Zwar waren die Zielscheiben ihres Spotts mit Fantasienamen belegt – DeWitt Clinton etwa erscheint als „Linkum Fidelius“, Robert R. Livingston als „Christopher Cockloft“ – doch konnte das amüsierte New Yorker Publikum die Anspielungen ohne Mühe entschlüsseln. Irvings Autorschaft war ein offenes Geheimnis, so dass er sich schon in diesen Jahren ein Renommee als Satiriker erwerben konnte, das jedoch noch kaum über die Stadtgrenzen New Yorks hinauswirkte.

Im April 1809 starb unerwartet im Alter von siebzehn Jahren Matilda Hoffmann, an die Irving sein Herz verloren hatte. Diese unglückliche Liebe ist von Irvings Biografen besonders im 19. Jahrhundert oft in außerordentlich sentimentaler Weise geschildert worden; tatsächlich lassen Irvings Äußerungen dazu den Schluss zu, dass dieser Schicksalsschlag ihn schwer traf und sein Gemüt nachhaltig verfinsterte; er sollte bis zu seinem Lebensende Junggeselle bleiben. Zunächst suchte er jedoch Trost in der Schriftstellerei und veröffentlichte nur wenige Monate nach Hoffmans Tod unter dem Alias „Diedrich Knickerbocker“ seine History of New York. Mit Rückgriff auf eine Vielzahl historischer und literarischer Quellen nahm Irving hierin vordergründig die Geschichte der Kolonie Nieuw Nederland und ihrer Gouverneure aufs Korn; auf einer zweiten Ebene ist das Werk eine beißende Satire auf die zeitgenössische amerikanische Politik, insbesondere auf die Person des amtierenden Präsidenten Thomas Jefferson. Mit dem enormen Erfolg des Werks wurde Irving nun unangefochten zum herausragenden Literaten New Yorks, wenn nicht sogar der USA; auch in England erfuhr das Buch einige Beachtung. Es sicherte auch sein Auskommen, bereits nach einem Jahr beliefen sich die Verkaufserlöse auf $2000.

Angesichts dieses Erfolgs schien es seinen älteren Brüdern angebracht, sein Talent zu fördern – sie machten ihn 1810 zu einem Teilhaber im Familienunternehmen mit wenigen, zumeist repräsentativen Pflichten, auf dass er in seiner Muße weitere Meisterwerke hervorbringe. Allerdings blieb es beim frommen Wunsch, denn seine literarische Produktion kam – ob aus bloßer Trägheit oder wegen einer Schreibhemmung – in den nächsten Jahren fast zum Erliegen. Gegen Ende 1812 nahm er zwar an, als ihm die Herausgeberschaft des Analectic Magazine angetragen wurde, doch schrieb er in den zwei Jahren in dieser Funktion nur wenige, teils arg sentimentale oder getragene Essays, die kaum die Chuzpe seines satirischen Frühwerks erahnen lassen.

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