Waschmittel sind Gemische aus grenzflächenaktiven Stoffen und einer Vielzahl weiterer Substanzen, die als Flüssigkeit, Gel oder Pulver erhältlich sind. Sie werden im Zusammenwirken mit Wasser zum Reinigen von Textilien verwendet. Beim Waschprozess fällt Abwasser mit erhöhter Temperatur sowie Rückständen von Waschmittelinhaltsstoffen und suspendiertem Schmutz an. Die verunreinigenden Bestandteile des Abwassers müssen in Kläranlagen durch physikalische, biologische und chemische Verfahren entfernt werden.
Waschmittel versetzen im Waschvorgang gebrauchte, verschmutzte Textilien wieder in einen hygienisch einwandfreien, gebrauchsfähigen Zustand und entfernen unangenehme Gerüche. Neben den ästhetischen und kulturellen Gesichtspunkten, die für das Tragen sauberer Kleidung relevant sind, werden beim Waschen auch vorhandene Keime sowie Milben abgetötet.
Saubere Kleidung reduziert das Risiko von Hautreizungen und Infektionen, insbesondere bei empfindlicher Haut und Allergien. Der Waschprozess hat dadurch einen erheblichen Einfluss auf die Wäschehygiene und die Gesundheit der Bevölkerung. Besonders Textilien in hygienisch anspruchsvollen Bereichen wie der Lebensmittelindustrie und dem -einzelhandel, der Medizin, der Pharma- und Kosmetikindustrie oder der Gastronomie müssen hohe Anforderungen an Sauberkeit und mikrobiologische Qualität erfüllen.
Die Zusammensetzung von Waschmitteln muss neben der Art der Verschmutzung und der Beschaffenheit der Textilien auch das verwendete Wasser – insbesondere dessen Härte – und die Waschtemperatur berücksichtigen. Darüber hinaus soll der Schmutz in der Waschlauge dispergiert bleiben und sich nicht erneut auf den Fasern ablagern.
Aufgrund dieser Anforderungen und der unterschiedlichen Schmutzzusammensetzung und dessen Anhaftung an verschiedenen Textiloberflächen enthalten Waschmittel neben den waschaktiven Substanzen auch Komplexbildner, Bleichmittel, optische Aufheller und weitere Inhaltsstoffe. Im Zusammenspiel mit der Einwirkzeit, der Temperatur der Waschlauge und der mechanischen Behandlung der Textilien sind Waschmittel in der Lage, unterschiedlichste Verschmutzungen zu lösen.
Der Anfang des Waschens bestand wahrscheinlich nur aus der Nutzung des Wascheffekts des reinen Wassers, der durch Reiben, Schlagen und Treten der Wäschestücke verstärkt wurde. Da materielle Überreste wie Waschmittelspuren auf Textilien nicht erhalten bleiben, gibt es keine direkten archäologischen Belege für prähistorische Waschmittel. Es existieren auch keine Schrift- und Bildquellen über Waschprozeduren aus dieser Zeit. Die für die Seifenherstellung und das Waschen von Bekleidung verwendeten Gefäße sind ebenfalls nicht eindeutig identifizierbar und könnten auch für andere Zwecke eingesetzt worden sein.
Ab der ausgehenden Jungsteinzeit um etwa 2200 v. Chr. wurden jedoch langhaarige Wollschafe gezüchtet und Wollbekleidung hergestellt. Da die Rohwolle vor der Weiterverarbeitung gereinigt werden musste, um Schmutz und Wollwachs zu entfernen und die Wolle spinn- und färbbar zu machen, ist davon auszugehen, dass es dafür entsprechende Waschprozeduren gab.
Extrakte aus Seifenkräutern, Seifenbaumgewächsen und anderen Gewächsen, die waschaktive Saponine enthalten, werden seit Jahrtausenden zum Waschen und Reinigen genutzt. Die ältesten Funde von Seifenkrautsamen (Saponaria officinalis) in Mitteleuropa stammen aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. aus der Zeit der bandkeramischen Kultur. Aus dem 4. bis 1. Jahrtausend v. Chr. liegen Funde aus mehreren Feuchtbodensiedlungen im Alpenvorland vor. Die zahlreichen archäobotanischen Funde könnten darauf hindeuten, dass die Nutzung dieser Pflanze als Waschmittelbasis bereits seit sehr langer Zeit bekannt ist.
Die Sumerer gelten als das älteste Kulturvolk, von dem überliefert ist, wie aus Holzasche und Öl eine seifenähnliche Substanz hergestellt werden kann. Keilschriftaufzeichnungen berichten vom Weben, Walken und Waschen von Wollstoffen. Es ist ein detailliertes Rezept aus der Zeit von 2500 v. Chr. überliefert, das beschreibt, im welchen Verhältnis Holzasche und Öl vermischt werden müssen, um Seife herzustellen. Dabei handelt es sich gleichzeitig um die erste Aufzeichnung einer chemischen Reaktion. Die Verseifung von Fetten und Ölen war auch den Ägyptern, Galliern und Germanen bekannt. Im Papyrus Ebers findet sich ein Rezept zur Herstellung von Seife durch die Umsetzung tierischer und pflanzlicher Öle mit dem im Niltal vorkommenden Mineral Trona (Na3(HCO3)(CO3)·2 H2O). Seifenartige Substanzen werden auch in anderen altägyptischen Papyrusschriften erwähnt, die bei der Wollverarbeitung verwendet wurden.
Von der Antike bis zur Neuzeit
Homer beschrieb im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. in der Odyssee, wie Nausikaa und ihre Gespielinnen die Wäsche am Fluss wuschen und zum Bleichen in die Sonne legten. Im alten China wurde zunächst Pflanzenasche als Waschmittel verwendet, das später mit gebrannten Muschelschalen verfeinert wurde. Die Pflanzenasche enthält Kaliumcarbonat, die gebrannten Muschelschalen Calciumhydroxid, die beide eine Waschwirkung haben. In der Jin-Dynastie wurde eine seifenähnliche Masse verwendet, die aus Sojabohnenpulver, Gewürzen und Heilkräutern hergestellt wurde. In der Tang-Dynastie wurde ein Waschmittel auf Basis der getrockneten Bauchspeicheldrüse des Schweins entwickelt. Zur Zeit der südlichen Song-Dynastie wurde pulverisierte Honigbaumrinde als Waschmittel genutzt. Im alten Indien wurden die getrockneten saponinhaltigen Früchte von Sapindus trifoliatus, die zur Familie der Seifenbaumgewächse gehört, zum Waschen verwendet. Sie wurden zum Waschen von Seiden- und Wollstoffen, in der Haarpflege sowie in der Medizin eingesetzt. Im Aztekenreich wurde die saponinhaltige Wurzel der Pflanze Saponaria americana aus der Gattung der Seifenkräuter zum Waschen verwendet.
Im alten Rom wurde Ammoniak als eine erste Art von Waschmittel genutzt. Dazu wurde Urin gesammelt und unter Ammoniak-Bildung vergoren. Zu diesem Zweck wurden in Rom an belebten Straßen Latrinen installiert, um Urin zu sammeln. Kaiser Vespasian erhob auf diese öffentlichen Toiletten eine spezielle Latrinensteuer, auf die die Redewendung „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht), zurückgeht. Zudem wurde eine Paste aus Bleicherde und Soda, die mit Wein gemischt wurde, von den Römern zum Reinigen von Kleidung verwendet. Seife war bekannt, wurde jedoch vorwiegend in der Kosmetik und als Heilmittel genutzt. Erst der griechisch-römische Arzt Galenos (130–200 n. Chr.) machte auf die Reinigungswirkung von Seife aufmerksam.
Weitere historische Berichte über die Nutzung von Seife sind rar. Karl der Große (747–814 n. Chr.) förderte im fränkischen Reich das Seifensiederhandwerk. In seinen Capitulare de villis wird in Kapitel 45 gefordert, dass jeder Amtmann in seinem Bezirk geschickte Handwerker heranzieht, darunter Seifensieder (saponarios).
Die Seifensiederei erlebte ihre Hochblüte, als die Araber, Spanier, Italiener und Franzosen die Seifensiederei mithilfe des Ölbaums als Rohstoffquelle weiter voranbrachten. Die Entwicklung einer Seifenindustrie erfolgte im Spätmittelalter in Städten wie Marseille, Venedig, Genua, Bari, Alicante, Málaga und Sevilla. Diese Städte hatten einen leichten Zugang zu Olivenöl, Salzkräutern und der Salzpflanze Barilla, deren Asche zur Herstellung von Lauge verwendet wurde. Zu jener Zeit verbreitete sich auch die Verwendung von Seife zum Wäschewaschen. Im 14. Jahrhundert wurden in Deutschland die ersten Seifensieder-Zünfte gegründet. Trotz dieses Fortschritts blieb die Seife jedoch weiterhin ein Luxusartikel.
Im 16. Jahrhundert wurde das Wäschewaschen oft von Lohnwäscherinnen übernommen. Sie sammelten verschmutzte Kleidung und Haushaltswäsche, wuschen sie und brachten sie zurück. Eine gängige Methode war das Einweichen der Wäsche in Lauge aus Buchenasche und heißem Wasser. Je nach Verschmutzungsgrad wurde die Wäsche unterschiedlich lange in der Lauge eingeweicht, da diese Methode als besonders gewebeschonend galt.
Nachdem im Mittelalter Baden und Waschen für die Verbreitung von Seuchen verantwortlich gemacht wurden, da angenommen wurde, dass warmes Wasser und Seife die Haut für Infektionskrankheiten öffnen würden, verhalf erst Ludwig XIV. der Seife nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder zu einer breiten Akzeptanz. Er förderte die Seifensiederei und erließ 1688 ein Reinheitsgebot für die Seifenherstellung.