Walter Wittmann (* 20. Dezember 1935 in Disentis; † 12. Februar 2016) war ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Publizist.
Wittmann wurde geboren als Sohn eines Pachtbauern. Er absolvierte das Gymnasium am Kloster Disentis und studierte von 1956 bis 1963 Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Freiburg, Münster und Louvain. 1960 wurde er in Freiburg promoviert und 1963 habilitiert. Anschliessend war er als Privatdozent, ab 1965 als Forschungsprofessor und ab 1967 als ordentlicher Professor für Finanzwissenschaft und schweizerische Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg tätig. 1998 wurde er emeritiert. Sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl wurde Reiner Eichenberger.
Er brachte sich als Autor zahlreicher Bücher und mit Medienauftritten in den wirtschaftspolitischen Diskurs in der Schweiz ein. Dabei vertrat er eine wirtschaftsliberale Position. Die direkte Demokratie lehnte er ab, da sie den Bürger überfordere und der Wirtschaftskraft des Landes schade; aus demselben Grund befürwortete er ein Parlament mit Berufspolitikern.
Wittmann war ab 1977 Mitglied der Eidgenössischen Kartellkommission und von 1980 bis 1988 Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung. 1985 wurde Wittmann «für sein unermüdliches Engagement im Interesse der sozialen Marktwirtschaft» mit dem mit 25'000 Franken dotierten Martin-Hilti-Preis ausgezeichnet.
Wittmann gehörte zunächst der CVP an. Nachdem ihn diese 1979 nicht als Nationalratskandidat aufstellte, wechselte er zur FDP. Bei den Nationalratswahlen 1983 wurde er jedoch nicht gewählt.
Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Zuletzt lebte er in Bad Ragaz.
Die Agrarpreisbildung: Eine theoretische Untersuchung (= Veröffentlichungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes der Universität Freiburg Schweiz. Bd. 5). Universitätsverlag, Freiburg 1960, OCLC 5272682 (Dissertation, Universität Freiburg, 1960).
Staatliche Aktivität, wirtschaftliche Entwicklung und Preisniveau. Polygraphischer Verlag, Zürich 1965.
Die Finanzgesinnung des Bundes im Lichte der parlamentarischen Beratungen: Von der Weltwirtschaftskrise bis zur Gegenwart. Polygraphischer Verlag, Zürich 1969.
Einführung in die Finanzwissenschaft. 4 Bände. Fischer, Stuttgart 1970–1974.
Bundesstaatlicher Finanzausgleich: Eine Globalbilanz (= Zeitfragen der schweizerischen Wirtschaft und Politik. Nr. 101). Redressement National, Zürich 1970.
Der unbewältigte Wohlstand: Die Zukunft von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Ehrenwirth, München 1972, ISBN 3-431-01496-8.
Wohin geht die Schweiz? Strategien des Überlebens. Ehrenwirth, München 1973, ISBN 3-431-01585-9.
Aktuelle Probleme der schweizerischen Wirtschafts- und Finanzpolitik (= Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge. Bd. 1). Universitätsverlag, Freiburg 1975.
Eine zweigeteilte Schweiz: Agglomerationen und wirtschaftliche Randgebiete (= Eidgenössische Zukunft. H. 14). Haupt, Bern 1976, ISBN 3-258-02569-X.
Öffentliche Finanzen: Einführung in die Finanzwissenschaft. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, ISBN 3-499-21120-3.
Bundesfinanzen und Sozialstaat. Rüegger, Diessenhofen 1978, ISBN 3-7253-0063-1.
Wohin treibt die Schweiz? Die Schweiz in den achtziger Jahren: Verpasste Chancen oder Bewältigung der Zukunft – ein politisch-wirtschaftlich-gesellschaftlicher Schweizer Spiegel. Scherz, Bern/München 1979, ISBN 3-502-16865-2.