Walter Wallmann (* 24. September 1932 in Uelzen; † 21. September 2013 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist und Politiker (CDU).
Er war von 1977 bis 1986 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, von 1986 bis 1987 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, von 1987 bis 1991 der sechste Ministerpräsident des Landes Hessen und in dieser Funktion auch vom 15. Mai bis zum 31. Oktober 1987 der 39. Präsident des Bundesrates.
Nach dem Abitur 1952 begann Wallmann ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie Politik an der Philipps-Universität Marburg, das er mit beiden juristischen Staatsexamina abschloss, die er in Frankfurt am Main machte. Er war evangelisch und trat im Sommersemester 1952 in die Marburger Burschenschaft Germania ein, aus der er im Verlauf der sogenannten Petri-Affäre im Wintersemester 1956/57 zusammen mit anderen Mitgliedern ausgeschlossen wurde. Er trat mit den anderen ehemaligen Germanen daraufhin der Wissenschaftlichen Verbindung Hohenstaufen Königsberg zu Marburg bei.
1965 wurde er beim Strafrechtler Karl Alfred Hall an der Universität Marburg mit der Dissertation Zur strafrechtlichen Problematik des Züchtigungsrechtes der Lehrer unter besonderer Berücksichtigung des geltenden Verfassungsrechtes zum Dr. iur. promoviert.
Tätigkeiten als Richter und Anfänge in der CDU
Im Jahr 1960 trat Wallmann in die CDU ein. Er wurde 1966 Kreisvorsitzender Marburg-Stadt, 1967 Bezirksvorsitzender der Jungen Union in Mittelhessen (bis 1974) und 1966 Abgeordneter des Hessischen Landtags. Gleichzeitig war er bis 1967 als Richter am Landgericht Kassel sowie am Amtsgericht Rotenburg an der Fulda und am Landgericht Gießen tätig. 1967 wurde Walter Wallmann stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Hessen und 1968 auch Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag.
Nach der Bundestagswahl 1972 schied er aus dem Hessischen Landtag aus und wurde bis 1977 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier wurde er 1973 Mitglied im Fraktionsvorstand (CDU/CSU). Von 1974 bis 1975 war er Vorsitzender des Untersuchungsausschusses der Guillaume-Affäre, wofür er viel Lob und Anerkennung erhielt. 1976 wurde er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Gescheiterte Wahl zum Marburger Oberbürgermeister
Im Februar 1970 wählte die Stadtverordnetenversammlung von Marburg Wallmann als Kandidat von CDU, FDP und eines Wählerblocks gegen den bisherigen Amtsinhaber Georg Gaßmann zum Oberbürgermeister. Diese Wahl erwies sich jedoch als ungültig. In der Wiederholungswahl setzte sich der nunmehrige SPD-Kandidat Hanno Drechsler gegen Wallmann durch.
Oberbürgermeister von Frankfurt am Main
Im Jahr 1977 legte Wallmann sein Bundestagsmandat nieder, nachdem die CDU bei der Kommunalwahl in Frankfurt am Main überraschend die absolute Mehrheit errungen hatte und der amtierende Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) zurückgetreten war. Das Scheitern der SPD in Frankfurt wurde als Folge des roten Filzes (in Frankfurt der Spendenaffäre der Frankfurter SPD), der Gebietsreform in Hessen, der Schulpolitik, aber auch als Nachwirkung des Frankfurter Häuserkampfs gesehen. Wallmann war bei der Kommunalwahl in Hessen gleichzeitig als Spitzenkandidat in Frankfurt und in Marburg angetreten und wurde nun Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main.
Wallmann verfolgte eine großzügige öffentliche Baupolitik, so setzte er beispielsweise den Wiederaufbau der Fachwerkhäuser auf dem Römerberg (Ostzeile) durch und unterstützte die Bürgerinitiative zur Wiederherstellung der Alten Oper zu einem Konzert- und Veranstaltungsgebäude. Des Weiteren sorgte er für die Sanierung des Frankfurter Bahnhofsviertels und legte den Grundstein für das Museumsufer.
Er engagierte sich auch außenpolitisch und baute 1980 die deutsch-israelischen Beziehungen durch einen Freundschaftsvertrag zwischen Frankfurt und Tel Aviv weiter aus. Auf seine Initiative betreibt die Stadt Frankfurt seit 1980 auch ein Besuchsprogramm für jüdische sowie politisch oder religiös verfolgte ehemalige Frankfurter Bürger. Ein Jahr zuvor, 1979, hatte er in der Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten bereits ebenfalls einen Freundschaftsvertrag mit der ägyptischen Hauptstadt Kairo geschlossen.
Ab 1981 war er Präsident des Deutschen Bühnenvereins in Köln.
1982 wurde er zum Landesvorsitzenden der CDU in Hessen und 1985 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei gewählt. Von 1985 bis 1986 war er in seiner Funktion als Oberbürgermeister außerdem seit 1984 Präsident des Deutschen Städtetags.
Als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl wurde Wallmann von Bundeskanzler Helmut Kohl am 6. Juni 1986 als erster Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ins Kabinett berufen. Sein Amt als Oberbürgermeister von Frankfurt übernahm der bisherige Dezernent für Personal, Organisation und Recht Wolfram Brück. Wichtige staatliche Regelungen während seiner etwa elfmonatigen Amtszeit waren die Änderung des Kfz-Steuer-Gesetzes zur Einführung schadstoffarmer Autos sowie das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz vom 5. März 1987, das im Mai 2007 von einem neuen Gesetz abgelöst wurde.
Aus seiner Amtszeit als Bundesumweltminister stammt auch die Bezeichnung „Wallmann-Ventil“ für das Überdruckventil, das im Falle einer Kernschmelze das Bersten des Volldruck-Containments verhindern soll.
Nachdem die hessische CDU unter seiner Spitzenkandidatur die Landtagswahl zusammen mit der FDP knapp gewonnen hatte, schied Wallmann nach nicht mal einem Jahr Amtszeit als Umweltminister am 23. April 1987 aus.