Walter John Matthau [ˈmæθaʊ] (* 1. Oktober 1920 in New York City als Walter John Matthow; † 1. Juli 2000 in Santa Monica, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmschauspieler und Oscarpreisträger. Er ist vor allem für seine Auftritte in Filmkomödien an der Seite von Jack Lemmon bekannt, wurde wiederholt aber auch als Charakterdarsteller eingesetzt. Sein spezielles Markenzeichen war sein unverwechselbares „Knautschgesicht“.
Walter Matthau wurde am 1. Oktober 1920 als Walter John Matthow in der Lower East Side geboren. Er war der Sohn litauischer Immigranten jüdischen Glaubens. Sein Vater verließ die Familie, als er drei Jahre alt war. Mit seinem älteren Bruder Henry wuchs er in großer Armut auf, ihre Mutter Rose arbeitete hart und hatte als Näherin nur ein bescheidenes Einkommen. Im Alter von vier Jahren spielte Matthau in religiösen Bühnenstücken mit, in der Grundschule las er bei Versammlungen Gedichte vor. Er arbeitete als Süßigkeitenverkäufer in jüdischen Theatern, übernahm Kleinstrollen in Bühnenstücken und entschied sich, die Schreibweise seines Namens zu ändern, weil er Matthau eleganter fand. Im Alter von 14 Jahren spielte Matthau die Rolle des Polonius in einer Hamlet-Produktion. Auch an Sport und Wettspielen war er interessiert.
Nach seinem Schulabschluss schlug sich Matthau ab 1939 drei Jahre lang mit schlecht bezahlten Jobs durch und schrubbte unter anderem Fußböden in einer Fabrik. Im April 1942 wurde er zur Army eingezogen, ab 1943 war er in Großbritannien stationiert. Matthau diente bei der 453rd Bombardment Group der 8th Air Force, der auch James Stewart (im Rang eines Colonels) angehörte. Da Matthau lediglich Staff Sergeant war, hatte er aber kaum Kontakt zu dem berühmten Hollywood-Schauspieler. Matthau wurde während des Krieges mehrfach verwundet. Er selbst hat seine Kriegserlebnisse immer heruntergespielt und beispielsweise erzählt, er sei während des Krieges „Tischtennismeister der Streitkräfte“ gewesen.
Nach dem Krieg profitierte Matthau davon, dass die Regierung an ehemalige Soldaten großzügige Ausbildungsstipendien vergab. Er studierte zunächst Journalismus und wechselte dann zum Dramatic Workshop der New School of Social Research, der von Erwin Piscator in New York 1940 gegründet und bis 1951 geleitet wurde. Zahlreiche bekannte US-Schauspieler wurden dort von Piscator ausgebildet, deren Leistungen seinen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Schauspielkultur bezeugen. Piscators Dramatic Workshop gilt als ein Vorläufer des Actors Studios.
Matthau studierte zusammen mit Kollegen wie Rod Steiger, Tony Curtis, Eli Wallach oder Harry Belafonte, die so wie er später in Hollywood Karriere machten. Er sammelte erste Erfahrungen als Schauspieler und spielte in Sommertheatern und am Orange County Playhouse in New York. Sein Einkommen besserte er mit Jobs als Kellner oder Bürstenverkäufer auf. Für das Bühnenstück Twilight Walk bekam Matthau den Preis der New Yorker Theaterkritiker. Ab 1950 übernahm er Rollen im Fernsehen, bei dem damals kurze Stücke live aufgeführt wurden, was den Schauspielern ein hohes Maß an Können und Disziplin abforderte. Zahlreiche bekannte Darsteller wie Jack Lemmon, Paul Newman oder Charlton Heston lernten ihr Handwerk über das Live-Fernsehen und eigneten sich so das Können an, das sie später als Filmschauspieler einsetzen konnten.
Matthau, der bis Mitte der 1960er durchweg für das Fernsehen tätig war, spielte unter anderem mehrfach in der Serie Alfred Hitchcock präsentiert. Parallel dazu arbeitete er weiterhin als Bühnenschauspieler und feierte Erfolge in Stücken wie Will Success Spoil Rock Hunter? oder A Shot in the Dark. Er erhielt für seine Theaterarbeit zwei Tony Awards. Da Matthau bereits seit frühester Jugend der Spiel- und Wettleidenschaft frönte, war seine finanzielle Lage meist angespannt. Einmal setzte er sein gesamtes Jahresgehalt auf den Ausgang eines Baseball-Schauturniers.
Sein Leinwanddebüt gab der seinerzeit 35-Jährige 1955 in dem Western Der Mann aus Kentucky, in dem er neben Burt Lancaster einen peitschenschwingenden Bösewicht spielte. In den folgenden Jahren machte er sich als Nebendarsteller von meist undurchsichtigen, eher unsympathischen Charakteren einen Namen. Obwohl ihm von der Kritik großes Talent bescheinigt wurde, schien der Darsteller mit dem zerfurchten „Knautschgesicht“ für eine große Kinokarriere nicht geeignet, da er den gängigen Idealvorstellungen eines Filmschauspielers überhaupt nicht entsprach. Regisseur Billy Wilder wollte Matthau 1955 für seine Komödie Das verflixte 7. Jahr als Hauptdarsteller verpflichten, doch das produzierende Studio weigerte sich, dem noch völlig unbekannten Schauspieler eine so gewichtige Rolle anzuvertrauen.
Matthau erarbeitete sich in Hollywood kontinuierlich Anerkennung und übernahm im Lauf der Jahre immer größere Rollen. Wegen seiner unverwechselbaren Erscheinung und seiner speziellen Schauspielbegabung erwarb er sich den Ruf eines „scene stealers“, der den Hauptdarstellern auch in kleinen Szenen die Schau stehlen konnte. Er arbeitete an der Seite bekannter Kollegen wie Kirk Douglas (Einsam sind die Tapferen, 1962) oder Cary Grant, neben dem er in dem Thriller Charade (1963) einen zwielichtigen CIA-Agenten mimte. Er spielte neben renommierten Darstellern wie Henry Fonda, Gregory Peck oder seinem ehemaligen Schauspielschulkollegen Tony Curtis.
Von 1959 bis zu seinem Lebensende war Walter Matthau mit Carol Grace (1924–2003), der Ex-Frau von William Saroyan, verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Charles wurde Filmregisseur, unter dessen Regie der Vater 1995 in der Truman-Capote-Verfilmung Die Grasharfe spielte. Walter Matthau lebte privat sehr zurückgezogen und bezeichnete sich selbst als schüchternen Menschen. Er war ein großer Liebhaber klassischer Musik.
Nach einer 20-jährigen Schauspielkarriere gelang dem 45-Jährigen Mitte der 1960er Jahre der endgültige Durchbruch. Komödienautor Neil Simon wählte ihn 1965 als Hauptdarsteller seines Bühnenstückes Ein seltsames Paar, in dem Matthau als mürrischer, jedoch liebenswerter Chaot zu seiner Paraderolle fand, mit der er fortan identifiziert werden sollte. Das Stück wurde zu einem riesigen Erfolg und etablierte den Schauspieler als einen der führenden Bühnenkomödianten der USA.
Im Jahr darauf konnte sich Matthau auch als Kinodarsteller durchsetzen. Er übernahm in Wilders Tragikomödie Der Glückspilz (1966) die Rolle des durchtriebenen Winkeladvokaten Willi Gingrich, der einen komplizierten Versicherungsbetrug einfädelt. Der Film markierte den Beginn der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Jack Lemmon, zu diesem Zeitpunkt bereits einer der populärsten Hollywood-Stars. Lemmon und Matthau, die auch privat eng befreundet waren, avancierten zum bekanntesten Komödiantenduo ihrer Zeit und traten bis 1998 in insgesamt zehn gemeinsamen Filmen auf. Matthau wurde für seine Darstellung des schmierigen Rechtsanwalts mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Er hätte seinen großen Durchbruch fast nicht mehr erlebt, denn infolge exzessiven Rauchens und chronischer Spielsucht (er selbst schätzte seine Spielverluste auf insgesamt fünf Millionen US-Dollar) erlitt er 1966 einen schweren Herzinfarkt (für einige Minuten wurde er im Krankenhaus bereits für tot erklärt). Matthau gab das Rauchen auf und ging fortan jeden Tag zwei bis fünf Meilen zu Fuß, doch blieb er zeit seines Lebens gesundheitlich angeschlagen.
In der gleichnamigen Verfilmung von Ein seltsames Paar unter der Regie von Gene Saks konnte Walter Matthau 1968 an der Seite seines kongenialen Partners Lemmon einen weltweiten Erfolg verbuchen. In der Rolle des chaotischen Sportreporters Oskar Madison, der seine Wohnung verkommen lässt, lieferte er sich scharfzüngige Wortgefechte mit seinem Freund Felix Ungar (Lemmon), einem neurotischen Ordnungsfanatiker, der sich in Madisons Wohnung einquartiert, weil ihn seine Frau aus der gemeinsamen Wohnung geworfen hat. Ein seltsames Paar wurde zu einem der bekanntesten Filme des Schauspielerduos und avancierte mit einem Einspielergebnis von 44 Millionen Dollar allein in den USA zu einem der erfolgreichsten Filme der späten 1960er Jahre. 1970 zog der Film eine Fernsehserie nach sich, in der Jack Klugman und Tony Randall Oskar Madison und Felix Ungar verkörperten.