An diesem Tag

Walter Lippmann

US-amerikanischer Journalist und Schriftsteller (1889–1974)

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Walter Lippmann (* 23. September 1889 in New York; † 14. Dezember 1974 bei New York) war ein amerikanischer Journalist und Publizist. Er gilt in den USA als meistgelesener und einflussreichster politischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Werk Die öffentliche Meinung von 1922 wird als grundlegendes Werk des Journalismus, der Medienwissenschaften, der Politikwissenschaft und der Sozialpsychologie betrachtet.

Seine spätere Auffassung von der eingeschränkten Rolle des Journalismus in der Demokratie stand im Gegensatz zu der John Deweys und führte zu der später als Lippmann-Dewey-Debatte bezeichneten Auseinandersetzung über den Wert der öffentlichen Meinung.

Er war außerdem eine einflussreiche Persönlichkeit in der Entstehungsgeschichte des Ordoliberalismus. Das Colloque Walter Lippmann von 1938 gilt als entscheidend für die Entwicklung des Neoliberalismus.

Lippmann wurde in der Upper East Side New Yorks als einziges Kind jüdischer Eltern deutscher Herkunft geboren und wuchs, wie sein Biograf Ronald Steel schreibt, in einem „vergoldeten jüdischen Ghetto“ auf. Sein Vater Jacob Lippmann war Rentier, der durch das Textilunternehmen seines Vaters und die Immobilienspekulation seines Schwiegervaters vermögend geworden war. Seine Mutter, Daisy Baum, wie ihr Ehemann aus ursprünglich wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen stammend, hatte das renommierte Hunter College absolviert. Die wohlhabende und einflussreiche Familie gehörte zur gesellschaftlichen Oberschicht, pflegte Kontakte in höchste Kreise und verbrachte den Sommerurlaub regelmäßig zur Kur in Europa. Die Familie war reformjüdisch orientiert, man besuchte den Tempel Emanu-El. Lippmann stand beiden Eltern emotional eher distanziert gegenüber, engere Bindungen hatte er zur Großmutter mütterlicherseits. Die politische Orientierung der Familie war republikanisch.Lippmann besuchte ab 1896 die Sachs School for Boys, danach das Sachs Collegiate Institute, eine elitäre und streng säkulare vor allem von Kindern deutsch-jüdischer Familien besuchte Privatschule in deutscher Gymnasialtradition, geleitet von dem Altphilologen Dr. Julius Sachs, einem Schwiegersohn von Marcus Goldman aus der Goldman-Sachs-Familie. Zum Unterricht gehörten 11 Wochenstunden Altgriechisch und 5 Stunden Latein.

Im Alter von 17 Jahren begann Lippmann an der Harvard University Literatur, Geschichte, Philosophie und Wirtschaft zu studieren. Er war kein Mitglied der renommierten Clubs, die Juden als Mitglieder ausschlossen, aber von Phi Beta Kappa. Zu seinen akademischen Lehrern zählten George Santayana, William James und Graham Wallas, der Führer der Fabian Society und Mitbegründer der London School of Economics. Er beendete sein Studium kurz vor dem Masterexamen.

Er wurde mit William James und Graham Wallas persönlich bekannt. William James wurde durch seine literarischen Aufsätze auf ihn aufmerksam und lud ihn zu seinen Teegesellschaften ein. Graham Wallas widmete ihm sein Werk The great Society.

Journalistische, publizistische und politische Tätigkeit

1910 wirkte er an einer Artikelserie in Lincoln Steffens’ Everybody’s Magazine mit, in der die Korruption innerhalb der monopolistischen Bankenstruktur vor allem von J. P. Morgan dargestellt wurde. Der Skandal, der daraus folgte, trug zur Gründung eines Ausschusses des Parlaments bei und führte zum Gesetz zur Gründung der Zentralbank.

Lippmann arbeite in seinen sozialistischen Anfängen in der Verwaltung für den sozialistischen Bürgermeister George R. Lunn und war Mitglied der Sozialistischen Partei Amerikas. Er kündigte nach vier Monaten bei Lunn und bemängelte später, Lunn könne zwar einige Verbesserungen für die Menschen, aber keine revolutionären Änderungen bewirken.

1913 erschien sein Erstlingswerk A Preface to Politics, worin er psychoanalytische Methoden auf politiktheoretische Fragen anwendet. Das Werk erlangte die Aufmerksamkeit von Sigmund Freud und Theodor Roosevelt. Freud veröffentlichte eine positive Rezension, Roosevelt bezeichnete ihn als den brillantesten jungen Mann Amerikas.

Im folgenden Werk Drift and Mastery von 1914 propagierte er bereits eine Expertokratie als Gegenentwurf zu liberalen, sozialistischen und konservativen Politikmodellen. Eine auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützte Managerelite solle den Staat leiten. 1915 erschien The Stakes of Diplomacy: Er fordert darin die Hegemonie der USA und den Einfluss amerikanischer Konzerne über internationale Konsortien.

1914 gründeten Lippmann, Herbert Croly und Walter Weyl (1873–1919) das linke Magazin The New Republic.

Während des Ersten Weltkriegs wurde Lippmann Berater von US-Präsident Woodrow Wilson und half bei der Ausgestaltung von dessen 14-Punkte-Programm. 1916 trat er im Wahlkampf für Woodrow Wilson ein, der mit einer isolationistischen Position die Stimmen der Mehrheit gewann, dabei aber wie Lippmann auf den Kriegseintritt hinarbeitete. Nach der Zimmermann-Depesche erklärt die USA 1917 Deutschland den Krieg. Die politischen Slogans, für die Demokratie zu kämpfen und die Welt sicher für die Demokratie zu machen, stammten von Lippmann. Er war 1919 mit Wilson ein Gegner des Versailler Vertrages.

Lippmann leitete das Forschungsteam Inquiry im Untersuchungsausschuss zum Ersten Weltkrieg, aus dem 1921 das Council on Foreign Relations hervorging, in dem er eine einflussreiche Rolle spielte.1932–1937 war er Direktor im Direktorium des Council on Foreign Relations.

1929 gelang es ihm, zwischen dem Vatikan und Mexiko zu vermitteln und eine erneute Intervention der USA zu vermeiden.

Lippmann hatte leichten Zugang zu den Entscheidungsträgern der USA und lehnte den Kommunismus strikt ab. Der Spionagering um Jacob Golos benutzte seine Sekretärin Mary Price, um Lippmanns Quellen oder die Sachverhalte, an denen er arbeitete, in Erfahrung zu bringen.

Er prägte nach 1945 die Begriffe cold war, reeducation. Er war ein Kritiker der Truman-Doktrin, auch hinsichtlich des Vietnam-Kriegs.

35 Jahre lang war er Kolumnist in mehreren bedeutenden Pressemedien gleichzeitig (New York Herald Tribune).

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