Walter Homolka (* 21. Mai 1964 in Landau an der Isar) ist ein deutscher Rabbiner und Hochschullehrer. An der Universität Potsdam ist Homolka seit 2014 ordentlicher Universitätsprofessor für Jüdische Religionsphilosophie der Neuzeit mit Schwerpunkt Jüdische Denominationen und interreligiöser Dialog. Er war mehrere Male geschäftsführender Direktor der School of Jewish Theology der Universität Potsdam und von September 2002 bis April 2023 Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, einem An-Institut der Universität Potsdam, sowie 2013 bis 2023 Geschäftsführer des Zacharias Frankel College.
Herkunft und Bekenntnis zum Judentum
Walter Homolkas Vater war katholisch, seine Mutter evangelisch. Er konvertierte im Alter von 17 Jahren zum Judentum und war bis zu seinem Abitur Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Straubing und während seines Hochschulstudiums Mitglied der IKG München-Oberbayern. Derzeit ist er Mitglied der Synagogengemeinde Sukkat Schalom in Berlin (seit 2013) und der West London Synagogue (seit 2016). Von 1998 bis 2016 gehörte er zudem der Liberal Jewish Synagogue London an.
Nach eigenen Angaben war Homolka von der jüdischen Lehre „eines verborgenen Gottes“ fasziniert; auch habe er sich vom „Sinnmonopol“ seiner überwiegend katholischen Umgebung abgrenzen wollen. „Meine persönliche Entscheidung als Jugendlicher für das Judentum will ich nicht als Wertentscheidung gegenüber anderen Religionen verstanden wissen“, betonte er. „Es ist eher so, dass Gott Menschen eben da hinstellt, wo Gott eine Aufgabe hat. Nicht mehr und nicht weniger.“
Nach dem Abitur studierte Homolka Theologie, Philosophie und Judaistik mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst). Er graduierte 1986 zum „Bachelor theologiae seu divinitatis“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Studium setzte er am Leo Baeck College in London fort. Im Jahr 1989 erwarb er ein Zertifikat für Erwachsenenpädagogik an der Hochschule für Philosophie München. 1992 wurde er am King’s College London mit einer Arbeit über Leo Baeck und den deutschen Protestantismus promoviert. Einen MPhil in Jüdischen Studien (1993) und einen PhD über die jüdische Leben-Jesu-Forschung als postkoloniales Phänomen und ihre Auswirkungen auf den jüdisch-christlichen Dialog erwarb er 2015 am St. David’s University College Lampeter, University of Wales. Homolka wurde am 2. Juni 1997 in Pittsburgh, Pennsylvania, zum Rabbiner ordiniert. 1999 erhielt er eine Marshall Memorial Fellowship des German Marshall Fund of the United States. Er wurde Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde Münchens, Beth Shalom, und Landesrabbiner von Niedersachsen sowie von 1999 bis 2002 Moses Mendelssohn Fellow des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam.
Nach beruflichen Tätigkeiten bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Bertelsmann, Greenpeace, der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für internationalen Dialog, der Kulturstiftung der Deutschen Bank u. a. wurde Walter Homolka im September 2002 zum Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs ernannt. 2002 wurde das Abraham-Geiger-Kolleg durch Formwandlung eine gemeinnützige gGmbH. 90 % des Stammkapitals hielten die American Friends of the Union of Progressive Jews in Germany mit Rabbiner Walter Jacob als Präsident. Dieser wurde damit als Gründungspräsident auch beherrschender Gesellschafter. 2006 übertrug Jacob 10 % der Gesellschaftsanteile an seinen designierten Nachfolger, Homolka. Die Leo Baeck Foundation hatte bis spätestens Mai 2022 sämtliche Anteile Homolkas unentgeltlich übernommen und wurde damit zur alleinigen Trägerin der gGmbH. Die Trägerschaft für das Abraham-Geiger-Kolleg wurde im Januar 2023 von der Leo Baeck Foundation an die Jüdische Gemeinde zu Berlin übertragen. Im April 2023 schied Homolka aus der Geschäftsführung des Abraham-Geiger-Kollegs aus.
Von 2006 bis 2015 war Homolka Kolumnist der österreichischen Wochenzeitung Die Furche. Homolka lehrte von 2007 bis 2014 als Honorarprofessor der Philosophischen Fakultät an der Universität Potsdam und hatte Gastprofessuren z. B. an der New York University, der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest, dem Kanonistischen Institut Potsdam, dem Theologischen Studienjahr an der Dormitio-Abtei in Jerusalem (35. Studienjahr 2009; 44. Studienjahr 2018) und der Old Dominion University in Norfolk, Virginia inne.
Im Jahr 2014 wurde er Ordinarius für Religionsphilosophie der Neuzeit, Schwerpunkt Denominationen und interreligiöser Dialog, an der 2013 gegründeten School of Jewish Theology der Universität Potsdam. Homolka ist seit 2020 Oberst der Reserve beim Streitkräfteamt, zuvor war er Oberstleutnant der Reserve im Bundesverteidigungsministerium. Als Verbindungsoffizier zur jüdischen Gemeinschaft bereitete er den Weg für den Militärseelsorgevertrag von 2019.
Am 30. Juli 2017 wurde Homolka zum Vorsitzenden der Union progressiver Juden in Deutschland K.d.ö.R. gewählt. 2020 wurde er wiedergewählt, zum 12. Dezember 2022 wurde Irith Michelsohn seine Nachfolgerin.
Protest gegen katholische „Karfreitagsfürbitte für die Juden“ (2008)
Aus Protest gegen die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden durch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2008 sagte Homolka seine Teilnahme am 97. Deutschen Katholikentag ab, da das Gebet die Judenmission billige. Er erklärte, Gott habe die Juden zum „Licht unter den Völkern“ berufen, daher sei sicher keine Erleuchtung durch die katholische Kirche nötig. Außerdem warf er der katholischen Kirche vor, ihre „antisemitischen Tendenzen“ nicht im Griff zu haben. Homolka engagiert sich jedoch weiter im interreligiösen Dialog.
Öffentliche Anwürfe gegen Homolka und ihre Entkräftung seit 2022
Im Jahr 2019 soll es am Abraham-Geiger-Kolleg zu einem Vorfall sexueller Belästigung gekommen sein. Beschuldigt wurde ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kollegs, der dort bis 2022 tätig war. Die Kanzlerin des Abraham-Geiger-Kollegs nahm nach Beschwerdeeingang am 14. Dezember 2020 gegen den Mitarbeiter personalrechtliche Ermittlungen auf, nachdem sich Homolka, der Rektor, für befangen erklärt hatte, da es sich bei dem Beschuldigten um seinen Lebenspartner handelte. Die Staatsanwaltschaft Berlin leitete gegen den Mitarbeiter strafrechtliche Ermittlungen wegen des Vorwurfes „der Verbreitung pornographischer Schriften“ ein, stellte sie jedoch am 16. April 2021 wegen Geringfügigkeit ein. In der Folge erhob Jonathan Schorsch, ein Professor der Universität Potsdam, Mitte Dezember 2021 Vertuschungsvorwürfe gegen Homolka, woraufhin im Januar 2022 der Sachverhalt vom Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, Andreas Nachama, extern überprüft wurde. Nachdem Nachama am 10. Januar 2022 das korrekte Verhalten Homolkas bestätigte, wandte sich Schorsch an die Leitung der Universität Potsdam, die seinen Vorwurf von einer internen Kommission überprüfen ließ. Im Untersuchungsbericht der Kommission, der am 26. Oktober 2022 veröffentlicht wurde, wurden keinerlei personal- oder strafrechtlichen Vergehen Homolkas festgestellt, und Homolka nahm rückwirkend zum 1. Oktober 2022 seine Lehrtätigkeit, die er hatte ruhen lassen, wieder auf. Zu Schorschs Vorwürfen gegen Homolka gehörte auch der wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Eine Dissertation, mit der Homolka 1992 am King’s College London promoviert worden war, weise plagiatorische Züge auf. Die Londoner Universität wies diesen Vorwurf im Jahr 2025 zurück; der Doktorgrad Homolkas bleibt bestehen. Mit Urteil vom 15. Januar 2026 bestätigte zudem das Oberlandesgericht Frankfurt am Main Unterlassungsansprüche Homolkas gegen Schorsch. Dieser habe ohne belastbare Tatsachengrundlage eine jahrelange ehrverletzende Kampagne angestoßen. Die Kosten des Berufungsverfahrens hat Schorsch vollumfänglich zu tragen.
Im Zusammenhang mit den gegen ihn gerichteten Anschuldigungen und seiner Behandlung durch die Medien ging Homolka gegen zahlreiche Zeitungen presserechtlich vor. In einem Verfahren gegen Axel Springer, dem Verleger von Welt Online, erwirkte er für durch den Journalisten Alan Posener erlittene Persönlichkeitsrechtsverletzungen ein Ordnungsgeld. Nach einem im Mai 2024 geschlossenen Vergleich sah Homolkas Anwalt, David Geßner, die entscheidenden Vorwürfe an seinen Mandanten als entkräftet. In der Presse hieß es, dass der Springer-Verlag und Homolka darin übereinstimmten, dass umfassende Untersuchungen keine straf- oder disziplinarrechtlichen Verfehlungen erbracht hätten. Insbesondere hätten die Untersuchungen der Universität Potsdam sowie der Strafrechtskanzlei Gercke-Wollschläger für den Zentralrat der Juden etwaige Vorwürfe nicht im Ansatz bestätigt.