Walter Wilhelm Georg Epping (* 27. Mai 1890 in Chemnitz; † 1. November 1971 in Rostock) war ein deutscher Philologe, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.
Walter Epping entstammte einer Chemnitzer Bürgerfamilie. Er war das siebte Kind des Oberstabsarztes a. D. (Bernhard) Adolf Epping († 1913) und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Büttner († 1917).
Epping heiratete zweimal: 1914 schloss er seine erste Ehe, 1936 folgte eine zweite Eheschließung.
Eppings schulische Laufbahn folgte dem klassischen Muster der deutschen Gymnasialbildung seiner Zeit. Nach vier Jahren Volksschule wechselte er 1896 in das humanistische Gymnasium (siehe Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium) in Chemnitz. Nach neunjähriger Gymnasialzeit legte er 1909 seine Reifeprüfung ab.
Von 1909 bis 1914 studierte er an mehreren renommierten deutschen und europäischen Universitäten: Germanistik, Geschichte und Französisch an der Universität Marburg, der Universität Berlin, der Universität Paris und der Universität Leipzig. Dieses Studium an verschiedenen Zentren des deutschen Geisteslebens – mit einem Auslandsaufenthalt in Paris – zeugt von intellektueller Mobilität und Offenheit gegenüber europäischen Strömungen. Das internationale Studienprogramm war für die Weimarer Zeit nicht untypisch für angehende höhere Lehrer, deutete aber auch auf eine kosmopolitische Ausrichtung hin. 1914 erwarb er das Staatsexamen an der Universität Leipzig.
Kriegsdienst und Beginn der Unterrichtstätigkeit
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach Eppings unmittelbare akademische Karriere. Von Oktober 1914 bis Dezember 1918 leistete er Militärdienst und wurde als Leutnant der Reserve während der Demobilisierung entlassen.
Im Januar 1919 begann er als Kandidat am Staatsgymnasium Chemnitz, bevor er 1920 zum Studienassessor an der Höheren Mädchenbildungsanstalt Chemnitz ernannt wurde. Seit 1922 führte er den Titel Studienrat und unterrichtete Germanistik und Geschichte.
Aufstieg und politisches Engagement in der Weimarer Republik
In den stabilen Jahren der späteren Weimarer Republik gelang Epping ein stetiger beruflicher Aufstieg. 1929 wurde er zum Studiendirektor und Leiter der neu gegründeten Deutschen Oberschule für Knaben in Chemnitz ernannt – ein Amt mit erheblichen administrativen und pädagogischen Verantwortungen.
Parallel zu seiner schulischen Karriere war Epping politisch und kulturell aktiv. 1920 trat er der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und entwickelte sich zu einem engagierten Vertreter von Kulturpolitik und progressiven Bildungsreformen.
Verfolgung und Suspendierung im Nationalsozialismus
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Epping im März 1933 aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft verhaftet und in Schutzhaft genommen. Er wurde suspendiert und gemäß § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums pensioniert – ein Gesetz, das es dem Regime ermöglichte, Gegner, Juden und andere unliebsame Personen aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen.
Während der folgenden zwölf Jahre der NS-Diktatur war Epping aus dem aktiven Schuldienst ausgeschlossen. Im Februar 1945, in den letzten Monaten des Krieges, wurde er als Kriegsverpflichteter zur Wehrmacht eingezogen und dem Volkssturmbataillon 52 als Zugführer des Nachrichtenzuges zugewiesen. Als das Bataillon sich nach Osten gegen die Russen absetzen sollte, verließ er die Einheit und ging im Mai 1945 nach Hause.
Reintegration und Neuanfang in der Sowjetischen Besatzungszone
Nach Kriegsende erlebte Epping eine Rehabilitierung. Im Juni 1945 wurde er als Lehrer wiedereingestellt und kurz darauf zum Oberstudiendirektor ernannt. Diese schnelle Reintegration ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass seine NS-Verfolgung ihn als Antifaschisten auszeichnete und er als erfahrener Pädagoge von der sowjetischen Besatzungsmacht und den kommunistischen Strukturen dringend benötigt wurde.
Epping leitete zunächst die beiden Mädchenoberschulen in Chemnitz, später die Karl-Marx-Oberschule in Chemnitz. 1949 wurde er als „Lehrer-Aktivist“ ausgezeichnet – eine Kategorie für Pädagogen, die aktiv bei der Umgestaltung des Schulsystems nach sowjetischem Vorbild mitarbeiteten.
1950 markierte einen neuen Höhepunkt in Eppings Karriere. Er erhielt den Ehrentitel „Verdienter Lehrer des Volkes“, eine staatliche Würdigung seiner pädagogischen Leistung. Im selben Jahr wurde er als Vertreter des Kulturbunds von 1950 bis 1951 in den Sächsischen Landtag gewählt.