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Walahfrid Strabo

Benediktiner, Dichter, Botaniker und Diplomat (ca.808–849)

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Walahfrid von der Reichenau (auch Walahfried oder Walafried), latinisiert (Walafridus) Strabo (deutsch Walachfried der Schieler) oder – wie er sich selbst auch nannte – Strabus (* 807 in Schwaben; † 18. August 849 in der Loire im westfränkischen Reich), war ein deutscher Benediktiner, Dichter, Botaniker, Diplomat und von 842 bis 849 Abt des Klosters Reichenau.

Walahfrid war von niederer, alemannischer Herkunft und wurde um 808 am Bodensee geboren. Bereits im Kindesalter wurde er von seinen Eltern als Oblate in das Kloster in Reichenau gegeben. Nachdem er 823/824 seine Profess abgelegt hatte, begab er sich um 826 zum Studium in das Kloster Fulda, wo er an der wohl bedeutendsten Schule des Ostfrankenreichs von Hrabanus Maurus in Theologie unterrichtet wurde. Dort lernte er Gottschalk von Orbais kennen, mit dem er in lebenslanger Freundschaft, die in zahlreichen Gedichten ihren Niederschlag fand, verbunden blieb. In den Jahren 829 bis 838 befand er sich am Hof Kaiser Ludwigs des Frommen in Aachen und war dort Kapellan der Kaiserin Judith. Traditionell gilt er auch als Erzieher des 823 geborenen Karl des Kahlen, dem Sohn Ludwigs. Dies scheint jedoch durch die neuere Forschung widerlegt. Nicht nur in Fulda, sondern auch in Aachen quälten ihn große Heimwehgefühle nach der Insel Reichenau, die er in seinem persönlichsten Gedicht, dem Metrum Saphicum zum Ausdruck brachte.

Kaiser Ludwig der Fromme ernannte Walahfrid 838 zum Abt des Klosters Reichenau, um ihn für seine treuen Dienste am Hofe zu entlohnen. Dies widersprach jedoch dem Recht des Konvents auf freie Abtswahl. Die Konventsmitglieder widersetzten sich dem Wunsch des Kaisers und wählten stattdessen Ruadhelm zum Nachfolger Abt Erlebalds.

Als es nach dem Tod Ludwigs des Frommen zwischen seinen Söhnen zum Streit um die Reichsaufteilung kam, schlug sich Walahfrid Strabo auf die Seite Lothars I. Deshalb war er gezwungen, das Kloster Reichenau zu verlassen, da dieses im Machtbereich Ludwigs des Deutschen lag. Er befand sich fast zwei Jahre im Exil in Speyer, bevor er sich unter der Vermittlung Grimalds mit Ludwig dem Deutschen versöhnte, 842 wieder auf die Reichenau zurückkehren und sein Amt als Abt aufnehmen konnte.

Im Alter von 42 Jahren ertrank Walahfrid bei einer Reise im Auftrag Ludwigs des Deutschen zu Karl dem Kahlen am 18. August 849 in der Loire in Frankreich. Damit verlor die Insel Reichenau viel von ihrer Bedeutung als eines der wichtigen Zentren der abendländischen Religion.

Lange Zeit galt „Cod. Sang. 878“ als das Vademecum Walahfrids. Seine Hand (Sigle W) wurde von Bernhard Bischoff in vier Entwicklungsstufen geteilt. Allerdings tritt der Schreiber W in keiner weiteren Handschrift der Reichenau auf. Zudem macht er auffällige Sprachfehler im Latein. Als Kopist einer heute in Rom aufbewahrten Handschrift trennt der von Bischoff als W identifizierte Schreiber die lateinischen Wörter der in scriptura continua geschriebenen Vorlage falsch. Diese Fehler werfen Zweifel auf, da Walahfrid Strabo als einer der begabtesten lateinischen Autoren seiner Zeit gilt und solche Irrtümer bei ihm ungewöhnlich wären.

Johanne Authenrieth machte in der Faksimileausgabe des Reichenauer Verbrüderungsbuchs auf die Schriftgleichheit des von ihr als „HB1“ bezeichneten Schreibers mit dem Hauptschreiber der in Karlsruhe aufbewahrten Vita Bonifatii und dem Hauptschreiber des St. Galler Klosterplans aufmerksam. Ebenso wies sie diesem Schreiber in einer Fußnote auch die Beschriftungen der Zeichnungen im sogenannten „Zürcher Adamnan“ zu. Der Schreiber trägt einen einzelnen Namen in Capitalis rustica ein, den Namen VVALAHFRID. Auch die anderen Handschriften haben einen Bezug zu Walahfrid. Der „Zürcher Adamnan“ beispielsweise wurde Reginbert laut einem Bibliothekskatalog von ihm geschenkt.

Tino Licht konnte schließlich sowohl philologisch als auch paläographisch gestützt das Autograph Walahfrids bestimmen: Walahfrid ist die karolingische Hand („Hand S“) im St. Galler Klosterplan, der Schreiber der Beischriften im Zürcher Adamnan sowie mindestens zweier weiterer Handschriften.

Liste der Handschriften mit Walahfrids Autograph:

St. Gallen, Stiftsbibliothek, 1092, „St. Galler Klosterplan“

Zürich, Zentralbibliothek, Rh. 73, „Zürcher Adamnan“

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Aug. CXXXVI

Zürich, Zentralbibliothek, Rh. hist. 27, “Reichenauer Verbrüderungsbuch”

Auf der Website der Abteilung „Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit“ der Universität Heidelberg kann man sich in einer digitalen Ausstellung die Schriftmerkmale Walahfrids genauer anschauen.

Nach ihm benannt ist die Pflanzengattung Walafrida E.Mey. aus der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Zwei Schulen tragen Strabos Namen, die Walahfrid Strabo Schule in Reichenau und das Walahfrid-Strabo-Gymnasium in Rheinstetten.

Walahfrid zählt zu den bedeutendsten Dichtern der karolingischen Renaissance und hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk, vor allem theologische und hagiographische, aber auch weltliche Schriften in Prosa und in Versen. Bereits als 16-Jähriger soll er Gedichte verfasst haben.

Im Jahr 824 verfasste er die Visio Wettini, welche in lateinischen Hexametern die zunächst von dem resignierten Abt Heito in Prosa festgehaltene Sterbevision seines Lehrers Wetti wiedergibt. Walahfrids Werk ist die früheste dichterische Umsetzung einer mittelalterlichen Jenseitsvorstellung; er gab damit den Anstoß zum Wiederaufleben einer Gattung, die in der Divina commedia Dantes ihren unüberbietbaren Gipfelpunkt erreichen sollte. In der Visio wird geschildert, wie Wetti unter Führung eines Engels durch die Unterwelt wandert und dort die Bestrafung der verschiedensten Sünder beobachtet, unter ihnen auch Karl der Große. In der Einleitung bietet Walahfrid eine Übersicht über die Geschichte der Insel Reichenau sowie Kurzbiographien Heitos und des „regierenden“ Abtes Erlebald.

Um 840 schrieb er den Liber de cultura hortorum („Buch über die Kultivierung der Gärten“), auch bekannt als Hortulus, eines der bedeutendsten botanischen und gartenkundlichen Werke des christlich-europäischen Mittelalters. In Versform sind in diesem Werk in 23 Strophen 24 im Klostergarten auf Reichenau damals angepflanzte und kultivierte Heilpflanzen aufgeführt. Strabos Kräuterbuch gehört zu den Vorläufern und Vorlagen des Macer.

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