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Waco

Stadt im US-Bundesstaat Texas

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Waco ist die Bezirkshauptstadt und der Sitz der Countyverwaltung (County Seat) des McLennan Countys im US-Bundesstaat Texas. Die 1849 gegründete Stadt hat rund 138.500 Einwohner (Stand: 2020) und liegt in Zentraltexas am Südrand der Great Plains. Traditionell war die Stadt Viehzuchtzentrum; in den 1920er Jahren war sie ein wesentliches Aktionsfeld des Ku-Klux-Klan. Die Folgen der Great Depression sowie die damit verbundene Verödung des Innenstadtzentrums ging die Stadtverwaltung Ende der 1950er Jahre mit einem Revitalisierungsprogramm an. International in die Schlagzeilen geriet Waco 1993 anlässlich der gewaltsamen Erstürmung des Geländes der Davidianer-Sekte, auf dem sich knapp 100 Angehörige der Gruppe wochenlang verbarrikadiert hatten.

Geographisch liegt Waco in der Randzone der südlichen Great Plains, deren ebene, waldarme Landschaft die weitere Umgebung der Stadt prägt. Die Stadt liegt beidseits des nach Südost führenden und in den Golf von Mexiko einmündenden Brazos River. Das Kerngebiet der Stadt liegt auf dem westlichen Flussufer; wichtigste Verbindung zwischen dem West- und dem Ostteil ist die 1870 errichtete Waco Suspension Bridge. Unmittelbar im Westen grenzt Waco an den Lake Waco, einen Stausee, der von dem in den Brazos einmündenden Bosque River gespeist wird.

Von der Lage her ist die Stadt das dominierende Zentrum des McLennan Countys. Zum städtischen Verdichtungsraum gehören unter anderem die Städte China Spring, Lacy-Lakeview, Bellmead, Robinson, Hewitt, Woodway sowie die (den Status einer eigenständigen City innehabende) Enklave Beverley Hills am Rand der Innenstadt. Innerhalb von Texas ist Waco Bestandteil der – nach wie vor stark von Viehzucht geprägten – Region Central Texas, deren Endpunkte ungefähr von den Metropolen Dallas-Fort Worth und Austin abgesteckt werden. Aufgrund seiner Lage in der Nähe des geografischen Zentrums des Bundesstaats hat Waco auch den Beinamen „Heart of Texas“.

Das Stadtgebiet gliedert sich auf in die Stadtteile North Waco (Kern-Stadtgebiet), Brook Oaks, das eigentliche Stadtzentrum (Downtown), University, Brookview, Heart of Texas, Parkdale Viking Hills, Mountain View sowie Carver. auf der östlichen Seite des Brazos River. Gängig ist darüber hinaus die Grob-Einteilung in Zentrum, North Side, South Side, East Side sowie Außenbezirke. Verkehrstechnisch kreuzen sich in Waco mehrere überregionale Verbindungswege: der Interstate Highway 35 (Nord-Süd-Richtung), die US-Highways 84 und 77 (Ost-West-Richtung beziehungsweise Nord-Süd-Richtung), der State Highway 6 sowie die Eisenbahnlinien der Missouri Pacific Railroad und der St. Louis Southwestern Railway.

Das Wetter in Waco wird von der Großlandschaft der Great Plains bestimmt. Charakteristisch sind heiße Sommer; die Winter fallen aufgrund der südlichen Lage nicht so kalt aus wie in nördlicher gelegenen Prärie-Bundesstaaten. Aufgrund der offenen, nicht durch Berge geschützten Lage ist stetiger Wind typisch. Darüber hinaus liegt Waco im „Tornado Alley“ – dem von Texas bis Minnesota reichenden Korridor mit besonders häufig auftretenden Tornados.

Der klimatische Durchschnitt bewegt sich zwischen etwa 1 °C und 13 °C im Januar sowie 23 °C und 36 °C im August. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 42 mm im Januar und 116 mm im Mai. Die Anzahl der Regentage pro Monat liegt zwischen 4 und 5 und ist damit eher gering.

In der präkolumbischen Geschichtsperiode lag das Gebiet, auf dem später die Stadt Waco entstand, im Einzugsbereich der Mississippi-Kultur – einer indianischen Hochkultur, die sich beidseits des Mississippis erstreckte und im Osten an die Waldland-Kultur, im Westen an die Pueblo-Kultur angrenzte. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Wichita bewohnt, einem kleineren Stamm am östlichen Rand der Great Plains. Im Norden und Westen grenzte es an die Comancheria – den Herrschaftsbereich der Comanchen, welche als Stamm die südlichen Prärien dominierten. Um 1830 veränderte sich die Besiedlungsstruktur des Gebiets – zum einen aufgrund des Zuzugs von Cherokee-Indianern, die im Zug des Pfads der Tränen aus ihren Siedlungsgebieten in Alabama und Georgia vertrieben worden waren, zum zweiten aufgrund des Vordringens texanischer Siedler. Erste europäische Ansiedlung auf dem Terrain war ein Vorposten der Texas Rangers, welcher 1837 gegründet wurde.

Die eigentliche Besiedlung setzte Ende der 1840er ein. Als Begründer der Stadt gilt George B. Erath, ein Mitbegründer der Ranger. Der Name der Stadt war von den Huaco abgeleitet, einem indigenen Stamm, der zuvor in der Gegend gelebt hatte; formell als City begründet wurde sie 1849.

Nach der Formierung des McLennan County im Jahr 1850 wurde Waco als Verwaltungssitz bestimmt. Die Bevölkerung wuchs rasch. 1859 umfasste sie 749 Einwohner; bis 1870 war sie auf über 3000 angewachsen. Wirtschaftlich dominierte der Baumwollanbau sowie die damit verbundene Plantagenwirtschaft. Während des US-Bürgerkriegs engagierten sich die Stadtbewohner aktiv für die Sache der Konföderation. Sechs konföderierte Generäle stammten aus der Stadt; insgesamt 17 Kompanien Soldaten kämpften auf den großen Schlachtfeldern des Bürgerkriegs. Wirtschaftlich wurde das Gebiet durch den Krieg ausgelaugt. Sklavenemanzipation sowie die Politik der Rekonstruktion nach 1865 sorgten für ein rapides Ansteigen örtlicher Kräfte, welche sich dieser Entwicklung entgegenstellten. Gewaltsame Übergriffe gegen Angehörige der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe waren an der Tagesordnung. In den Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg entwickelte sich Waco zu einem Zentrum der texanischen Viehzucht. Die Stadt lag auf der Wegstrecke des Chisholm Trails; die Anzahl der Rinder, die durch sie hindurchgetrieben wurden, belief sich bis 1871 auf 600.000 bis 700.000. Zusätzlich avancierte Waco zu einem Ausweichort für Neusiedler, welche sich in Texas niederzulassen gedachten. Während der 1870er Jahre verfügte die Stadt über Saloons, Spielhäuser sowie einen eigenen Rotlichtbezirk. Die Prostitution stand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts unter öffentlicher Aufsicht. Aufgrund der gewalttätigen Atmosphäre erhielt die Stadt den Beinamen „Six Shooter Junction“.

In den frühen 1880er-Jahren wurde Waco zum Eisenbahnknotenpunkt. Bereits im Jahr 1866 war der Stadtrand Schauplatz eines ehrgeizigen Infrastrukturprojekts – der Waco Suspension Bridge, welche den Brazos River überspannte und 1870 fertiggestellt wurde. Mit einer Mittelspannweite von 145 m war die Suspension Bridge die damals längste Hängebrücke westlich des Mississippi. Sie vereinfachte den Viehtrieb über den Chisholm Trail und diente dem Betreiberkonsortium als lukrative Einnahmequelle, bis sie 1889 vom County und kurz danach von der Stadt übernommen wurde. Eine weitere Aufwertung erfuhr Waco, als sich die in Independence gegründete Baylor University 1886 in der Stadt niederließ. Aufgrund des Zuzugs von Bildungseinrichtungen erhielt die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts eine weitere Zusatzbezeichnung: „Athen von Texas“. Als weitere Infrastruktur-Teile hinzu kamen gepflasterte Straßen, eine elektrische Überlandbahn mit Anschluss nach Dallas, Stadtparks, eine erste Gasanlage sowie Straßenbahnen. Zudem hatten sich bis zur Jahrhundertwende unterschiedliche Industrien in der Stadt niedergelassen: Eisengießereien, Kesselanlagen, Getreidemühlen sowie Baumwollspinnereien. Bis 1914 war Waco zu einem wichtigen Zentrum der Versicherungswirtschaft avanciert; die Einwohnerzahl belief sich zu der Zeit auf rund 35.000.

Während des Ersten Weltkrieges war Waco Standort von Camp MacArthur – einer Infanterie-Übungsbasis im Nordwesten der Stadt. Die 35.000 Soldaten, die zwischen 1917 und 1919 dort stationiert waren, verdoppelten zeitweilig die Einwohnerschaft der Stadt. Hinzu kam der verstärkte Zuzug von Afroamerikanern aus den umliegenden Landkreisen – ein Zuzug, der von der Hoffnung auf bessere Arbeitsplätze, mehr Lohn sowie Zugang zu gesellschaftlichem Aufstieg motiviert war. Obwohl die Mehrzahl der hinzugezogenen Farbigen arm blieb, etablierte sich in den 1920er-Jahren langsam eine schwarze Mittelschicht. In den 1910er- und 1920er-Jahren explodierte die Gewalt in einer Serie von Übergriffen und Lynchmorden. Ein tragischer Höhepunkt dieser Entwicklung war die öffentliche Ermordung des 16-jährigen Afroamerikaners Jesse Washington, der am 15. Mai 1916 vor den Augen einer vielhundertköpfigen Menge gelyncht wurde. Hintergrund dieser Entwicklung war das Wieder-Erstarken des Ku-Klux-Klan, welcher in Zentral-Texas eine starke Basis hatte und in Waco einen Ableger mit der Ortsgruppen-Kennziffer 33 unterhielt. Die Autorin Patricia Ward Wallace meinte rückblickend, dass es vor allem der schwarze Wohlstand gewesen sei, welcher den weißen Rassismus angeheizt und ein Klima gefördert habe, in dem kultivierte Weiße nicht nur dem Klan beigetreten seien, sondern sich aktiv an Lynchmobs beteiligt hätten. 1923 marschierten mehr als 2000 Klansmen durch die Stadt. Roger N. Conger konstatierte 2010 im Texas State Historical Association, dass diese Entwicklung von einem Großteil der örtlichen Elite seinerzeit implizit toleriert worden sei.

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