An diesem Tag

Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa

Machtkonstellationen und internationale Politik in der Zwischenkriegszeit

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Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa gehören die Machtkonstellationen und die internationale Politik nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. In diesen Zeitraum fallen als wesentliche Entwicklungen der Aufbau der Sowjetunion, der Aufstieg des spanischen Falangismus, des italienischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus.

Dazu gehört insbesondere die deutsche Kriegsvorbereitung sowie die Entschlüsse zur Zerschlagung der Resttschechoslowakei und die diplomatische und militärische Vorbereitung des Überfalls auf Polen.

Die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges wurde unter verschiedenen, oft auch einander widerstrebenden Perspektiven untersucht. Die Erläuterung außen- und innenpolitischer Fragestellungen zur nationalsozialistischen Politik erlauben besser als die Schilderung von einzelnen Ereignissen, die Vorgeschichte des Krieges in ihren Zusammenhängen zu schildern:

die Rolle der programmatischen Konzepte Adolf Hitlers vor 1933 für die deutsche Außenpolitik seit 1933

der Stellenwert der Außenpolitik im Dritten Reich und ihr Verhältnis zur Innen-, insbesondere zur Sozialpolitik und zu anderen Machtzentren wie der Wehrmacht und dem Auswärtigen Amt.

das Verhältnis der nationalsozialistischen Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zur vorherigen spezifisch deutschen und gesamteuropäischen Hegemonialpolitik seit etwa 1880.

die wirtschaftspolitische Vorbereitung des Krieges; Rüstung und Industrie

die Interessen weiterer Staaten.

Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg

Bis zum Ersten Weltkrieg waren Großbritannien, Frankreich, das Russische Kaiserreich, Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich Europas bestimmende Großmächte. Dieses Mächtesystem brach durch die Niederlage des Russischen Reiches, des Habsburgerreiches und des Deutschen Kaiserreiches zusammen. Die Siegermächte des Krieges, Großbritannien, Frankreich und Italien, teilten Europa in mehreren Friedensverträgen, den Pariser Vorortverträgen, neu auf.

In Russland war im Kriegsverlauf durch die Oktoberrevolution ein bolschewistisches Regime an die Macht gekommen, das nun mit einem Cordon sanitaire neu gegründeter Nationalstaaten mit westlicher Orientierung abgeschirmt werden sollte. Dazu zählten Finnland und die neuen baltischen Republiken Estland, Lettland, Litauen. Polen erhielt seine Souveränität zurück, Rumänien wurde territorial stark vergrößert durch ehemals ungarische Gebiete (siehe Vertrag von Trianon) und des ehemals russischen Bessarabien (Näheres hier). Serbien, das ehemals österreichische Slowenien und das ehemals ungarische Kroatien wurden in einem neu gegründeten Königreich Jugoslawien vereinigt. Böhmen und Mähren wurden mit slowakischen und karpato-ukrainischen Gebieten zur Tschechoslowakei vereinigt. Österreich und Ungarn wurden zu Rumpfstaaten verkleinert.

Der mit dem neuen republikanischen Deutschland geschlossene Friedensvertrag von Versailles war kein Werk der gegenseitigen Verständigung und des Ausgleiches zwischen Siegern und Besiegten, sondern hauptsächlich der Versuch, die machtpolitische und wirtschaftliche Stärke Deutschlands zu reduzieren. So wurden trotz des vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson in seinem 14-Punkte-Programm proklamierten Selbstbestimmungsrechts der Völker größere Gebiete vom Deutschen Reich ohne Volksbefragung der ansässigen Bevölkerung abgetrennt. Deutschland wurde die alleinige Kriegsschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges zugewiesen, und es sollte, auf dieser Argumentation basierend, jahrzehntelang umfangreiche Reparationszahlungen leisten. Die deutsche Armee wurde unter Verbot der Haltung von Flugzeugen, U-Booten, Panzern und schweren Waffen auf 100.000 Mann begrenzt.

Der Versailler Vertrag wurde den Besiegten praktisch als Diktatfrieden aufgezwungen, und zwar ohne Zubilligung aktiver Teilnahme und Mitarbeit der Besiegten und unter Androhung der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten, sollte nicht innerhalb zweier Tage unterschrieben werden. Große Teile der Bevölkerung Deutschlands waren mit den Deutschland betreffenden Neuregelungen dieses Vertrages unzufrieden. Dass man den Krieg militärisch verloren hatte, wollten viele nicht wahrhaben, sondern hingen der Dolchstoßlüge an, wonach die Novemberrevolution dem „im Felde unbesiegten“ (Friedrich Ebert) deutschen Heer in den Rücken gefallen wäre. Um dieses scheinbare Unrecht auszugleichen, bemühte sich die Außenpolitik der Weimarer Republik um Grenzkorrekturen vor allem im Osten sowie um die Angliederung Österreichs. Die Nationalsozialisten gingen darüber weit hinaus. Es ging ihnen um eine Neuverteilung der politischen und ökonomischen Einflusssphären in Europa, um Lebensraum und Hegemonie, vielleicht um die Weltherrschaft.

Auch kleinere Staaten erhoben Revisionsforderungen. Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise erschütterten die europäischen Westmächte. Auf dem Feld der internationalen Politik waren sie nicht mehr in der Lage, eine internationale Friedensordnung zu stabilisieren. Nachdem bereits die Weimarer Republik viele Bestimmungen des Versailler Vertrags zu lockern verstanden hatte, überging Adolf Hitler die weiteren Beschränkungen, wie die Begrenzung auf ein 100.000-Mann-Heer. Die Wiederaufrüstung Deutschlands bereitete den anderen Staaten Sorge. Sie fürchteten ein wirtschaftlich und militärisch starkes Deutschland.

Revisionsbestrebungen und das Aufkommen von Faschismus und Kommunismus

Deutschlands Ziele lagen seit Gustav Stresemanns Zeit als Außenminister vorwiegend im Osten und beinhalteten die Rückgewinnung Danzigs, des „Korridors“, des Netzedistriktes und Ostoberschlesiens. Italien erhob Ansprüche auf Gebiete jenseits der Adria. Ungarn zielte auf Gebiete, die der Tschechoslowakei angegliedert worden waren, Polen versuchte, Litauen direkt oder indirekt wieder in seinen Machtbereich zu ziehen. Die Sowjetunion fürchtete, dass Polens Revisionismus auch auf den sowjetischen Teil der Ukraine zielte.

Das Streben der Bolschewiki, die revolutionäre Bewegung im Zuge der Nachkriegswirren mit Hilfe der Kommunistischen Internationale auf ganz Europa auszudehnen (Spartakusaufstand, Ungarische Räterepublik, Biennio rosso in Italien, Münchner Räterepublik, Aufstandsversuch in Österreich am 12. Juni 1919) hatten auch reaktionäre und nationalistische Kräfte wie die Freikorps in Deutschland und die Fasci di combattimento in Italien auf den Plan gerufen. Aus ihnen rekrutierte der Nationalsozialismus bzw. der italienische Faschismus in den 1920er Jahren einen erheblichen Teil seiner militanten Anhängerschaft.

Mussolini gelang die Machtergreifung am 30. Oktober 1922; einen Attentatsversuch am 31. Oktober 1926 nahm er zum Anlass, politische Freiheiten einzuschränken und die verbliebenen politischen Parteien aufzulösen (→ Einparteienstaat).

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