Volksrepublik Kampuchea (Khmer សាធារណរដ្ឋប្រជាមានិត កម្ពុជា, Sathéaranakrâth Pracheameanit Kâmpŭchéa; englisch People’s Republic of Kampuchea, PRK; französisch République populaire du Kampuchéa, RPK) war der Name Kambodschas von 1979 bis 1989. Die PRK wurde nach dem Sturz des Demokratischen Kampuchea (d. h. der Roten Khmer unter Pol Pot) von der Salvation Front gegründet, einer Gruppe von kambodschanischen kommunistischen und nichtkommunistischen Regimekritikern. Die Gründung unter vietnamesischer Kontrolle wurde ermöglicht durch die von der Salvation Front unterstützte Invasion der Sozialistischen Republik Vietnam, die das Regime der Roten Khmer vertrieben hatte. Diese hatten die Institutionen, die Infrastruktur und die Intelligenz des Landes komplett zerstört.
Die PRK hatte Vietnam und die Sowjetunion als ihre Hauptverbündeten. Sie erreichte die Anerkennung der Vereinten Nationen wegen der Ablehnung durch die Volksrepublik China, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten und die ASEAN-Länder jedoch nicht. Der kambodschanische Sitz wurde der 1982 in Kuala Lumpur gegründeten Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea (CGDK) zugesprochen, einer Koalition der Roten Khmer (Khieu Samphan) mit den zwei nichtkommunistischen Guerilla-Faktionen FUNCINPEC unter Norodom Sihanouk und Nationale Befreiungsfront der Khmer (KPNLF) unter Son Sann. Die PRK wurde dennoch zwischen 1979 und 1993 als De-facto-Regierung Kambodschas betrachtet, wenn auch mit begrenzter internationaler Anerkennung.
Anfang Mai 1989 stellte die PRK den Namen Kambodscha wieder her, indem sie sich in den letzten vier Jahren ihres Bestehens Staat Kambodscha (englisch State of Cambodia, SOC) nannte. Der SOC behielt den Großteil der Führung der PRK und ihre Einparteienstruktur bei, während er eine Transition durchlief. PRK/SOC existierten von 1979 bis 1991, als die allein regierende Partei ihre marxistisch-leninistische Ideologie aufgab, als sozialistischer Staat. 1989/1990 zog Vietnam nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der damit einhergehenden Verringerung der Unterstützung durch den Ostblock sowie aufgrund des Drucks der USA und Chinas seine Truppen zurück. Nach der Pariser Konferenz vom 23. Oktober 1991 wurde die PRK unter UNO-Verwaltung gestellt (UNTAC), wobei die bisherige Regierung formell im Amt blieb. Nach der erstmaligen Durchführung freier Wahlen seit den 1950er Jahren wurde am 24. September 1993 die Verfassung des heutigen Königreichs Kambodscha angenommen und damit das Königreich Kambodscha wiederhergestellt. Norodom Sihanouk wurde König, die UNO-Mission endete.
Am 2. Dezember 1978 wurde in Hanoi die Kampuchean United Front for National Salvation (KUFNS; khm. សាមគ្គី សង្គ្រោះ ជាតិ កម្ពុជា; französisch Front Uni National pour le Salut du Kampuchéa, FUNSK; deutsch Einheitsfront für die nationale Erlösung von Kampuchea) gegründet (oft einfach Salvation Front oder gemäß der französischen Abkürzung FUNSK genannt), mit dem Ziel, die Roten Khmer zu vertreiben. Am 11. Dezember 1978 begannen vietnamesische Militäreinheiten zunächst informell, ab 25. Dezember 1978 formell mit der Besetzung Kambodschas. Über 100.000 vietnamesische Soldaten und 20.000 Exilkambodschaner marschierten in Kambodscha ein. Entscheidend für den Erfolg der Invasion war der Beschluss der Volksrepublik China vom 5. Januar 1979, die Roten Khmer nicht zu unterstützen. Am 7. Januar 1979 nahmen die Vietnamesen das bereits menschenleere Phnom Penh ein.
Die Salvation Front war eine heterogene Gruppe von kommunistischen und nichtkommunistischen Exilkambodschanern. Unter der Führung von Heng Samrin und Pen Sovann wurde die Front am 2. Dezember 1978 in einer von den Roten Khmer befreiten Zone gegründet. Von den vierzehn Mitgliedern des Zentralkomitees der Front wurden die zwei bedeutendsten Führer Heng Samrin und Chea Sim Präsident bzw. Vizepräsident. Beide waren ehemalige führende Anhänger der Kommunistischen Partei Kambodschas (KCP). Ros Samay, Generalsekretär der Salvation Front, war ein ehemaliger Stabsoffizier der KCP in einer militärischen Einheit. Die Regierung des Demokratischen Kampuchea bezeichnete die Salvation Front als „vietnamesische politische Organisation mit einem Khmernamen“. Die Anfangsziele der Front waren, das Volk unter seiner Fahne zu sammeln, das Regime von Pol Pot zu stürzen, das Land aufzubauen, eine neue Verfassung für einen demokratischen Staat auszuarbeiten, der sich in Richtung Sozialismus bewegt, sowie Massenorganisationen und eine revolutionäre Armee aufzubauen. Seine außenpolitischen Ziele umfassten Blockfreiheit, Vermittlungen mit Nachbarn und ein Ende des Grenzkrieges mit Vietnam, der durch das Pol-Pot-Regime entfacht worden war. Überdies sollte es keine fremden Militärstützpunkte auf kambodschanischem Boden geben.
Am 1. Januar 1979 proklamierte das Zentralkomitee der Salvation Front eine Reihe von Sofortmaßnahmen in den von den Roten Khmer befreiten Gebieten. Eine dieser Maßnahmen war die Einsetzung von „Selbstverwaltungsausschüssen des Volkes“ in allen Gemeinden. Diese Ausschüsse sollten die grundlegende Verwaltungsstruktur für den Revolutionären Rat des Kambodschanischen Volkes (KPRC) bilden, der am 8. Januar 1979 als das zentrale Verwaltungsorgan der Volksrepublik gebildet worden war. Dem KPRC diente das Regime von Heng Samrin als Regierungskörperschaft bis zum 27. Juni 1981, als die neue Verfassung verlangte, ihn durch einen neu gewählten Ministerrat zu ersetzen. Pen Sovann wurde neuer Premierminister, der im Februar 1982 von Chan Sy und dieser im Januar 1985 durch Hun Sen abgelöst wurde.
Am 10. Januar 1979 wurde die Volksrepublik Kampuchea gegründet. Heng Samrin wurde zum Staatsoberhaupt ernannt, andere Mitglieder der 1951 gegründeten führenden Revolutionären Volkspartei der Khmer (englisch Kampuchean People’s Revolutionary Party, KPRP) wie Chan Sy und Hun Sen besetzten weitere führende Positionen. Die vietnamesische Armee blieb nach Pol Pots Absetzung als Besatzungsarmee im Land. Mindestens 600.000 Kambodschaner, die während der Pol-Pot-Ära umgesiedelt worden waren, begannen zurück zu ihren Wohnorten zu strömen. Manche flohen auf der Suche nach Schutz auch zur thailändischen Grenze. Die Roten Khmer hatten fast alle Mitglieder der kambodschanischen Intelligenz umgebracht. Um den Aufbau und die Verwaltung des Landes zu ermöglichen, schickte die Volksrepublik Hunderte von Studenten in verschiedene Länder des Ostblocks zur Ausbildung. UNICEF und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen koordinierten massive Hilfsmaßnahmen. Zwischen 1979 und 1982 wurden über 400 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, fast 100 Millionen US-Dollar allein von den Vereinigten Staaten. Mehr als 500.000 Kambodschaner lebten entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze und mehr als 100.000 in Lagern innerhalb Thailands.
Vietnams Besatzungsarmee umfasste zwischen 100.000 und 200.000 Mann. Ein großer Teil der militärischen Streitkräfte der Roten Khmer wich den vietnamesischen Truppen aus. 1979 gründete der frühere Premierminister Son Sann die Nationale Befreiungsfront der Khmer (englisch Khmer People’s National Liberation Front, KPNLF), um den politischen Kampf um Kambodschas Unabhängigkeit zu führen. Sie war loyal auch zu Prinz Sihanouk und bildete einen militärischen Arm, die Khmer People’s National Liberation Armed Forces (KPNLAF). Sihanouk gründete 1981 eine eigene Organisation, die FUNCINPEC (französisch für Front Uni National pour un Cambodge Indépendant, Neutre, Pacifique, et Coopératif), mit dem militärischen Arm Armée nationale sihanoukienne (ANS). Die beiden Organisationen, die aus Gruppen bestanden, die die Roten Khmer nach 1975 noch bekämpft hatten, darunter auch Soldaten Lon Nols, bildeten den nichtkommunistischen Widerstand. Zusammen mit den Roten Khmer formten sie die Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea im Exil, die international als legitime Regierung Kambodschas anerkannt wurde und den Sitz Kambodschas in der UNO besetzte.
Die Kriegführung folgte nach 1980 einem Rhythmus von Regenperiode und Trockenzeit. Die schwer bewaffneten vietnamesischen Kräfte lancierten ihre Offensiven während der Trockenzeiten, während die Widerstandsgruppen ihre Initiativen während der Regenperioden führten. 1982 startete Vietnam eine Großoffensive gegen die Roten Khmer bei Phnom Malai in den Kardamom-Bergen, die die Roten Khmer jedoch großteils heil überstanden. In der Offensive der Trockenzeit 1984–1985 griffen die Vietnamesen wieder kleinere Lager aller drei Widerstandsgruppen an. Trotz deren harten Widerstands lösten die Vietnamesen die Lager in Kambodscha auf und verfolgten die Kämpfer und Zivilflüchtlinge bis ins benachbarte Thailand. Während der Trockenzeit 1985–1986 konzentrierten sich die Vietnamesen auf die Konsolidierung ihrer Gewinne und versuchten Infiltrationswege in das Land zu versperren, indem sie kambodschanische Arbeiter zwangen, Gräben, Drahtzäune und Minenfelder entlang der gesamten thailändischen Grenze zu errichten.