Volker Reinhardt (* 21. Juni 1954 in Rendsburg) ist ein deutscher Historiker. Er war von 1992 bis 2024 Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg in der Schweiz. Reinhardt ist Experte für die italienische Renaissance. Er hat sich mit der Geschichte des Papsttums intensiv beschäftigt.
Volker Reinhardt entstammt einer bildungsbürgerlichen Familie. Sein Vater war promovierter Historiker und Oberstudienrat. Seine Mutter war Redakteurin. Reinhardt studierte Geschichte und Romanische Philologie an den Universitäten Kiel, Freiburg im Breisgau und Rom. 1975 absolvierte er in Freiburg im Breisgau das Staatsexamen in Geschichte, 1976 in Romanistik. Von 1977 bis 1984 hatte er einen Forschungsaufenthalt in Rom.
Bei Wolfgang Reinhard wurde er 1981 in Freiburg im Breisgau mit einer Arbeit promoviert über die Finanzen des Kardinals Scipione Borghese. Im Jahr 1983 heiratete er in München. Von 1985 bis 1991 war er Hochschulassistent in Freiburg im Breisgau; 1989 habilitierte er sich dort bei Wolfgang Reinhard mit der Arbeit Überleben in der frühneuzeitlichen Stadt. Annona und Getreideversorgung in Rom 1563–1797. Im Jahr 1991 war er Hochschuldozent ebendort.
Von 1992 bis 2024 lehrte Reinhardt als ordentlicher Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg in der Schweiz. Er war dort Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
Reinhardt ist Mitherausgeber der WBG-Reihe Geschichte kompakt.
Reinhardt ist ein Experte der italienischen Renaissance und des frühneuzeitlichen Papsttums. Er verfasste Darstellungen der Familien Medici und Borgia. Reinhardt legte zahlreiche biografische Darstellungen bedeutender spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Persönlichkeiten vor, darunter Scipione Borghese (1984), Francesco Vettori (2007), Michelangelo (2010), Alexander VI. (2005 und 2011), Niccolò Machiavelli (2012), Pius II. (2013), Marquis de Sade (2014), Martin Luther (2016), Leonardo da Vinci (2018), Voltaire (2022), Michel de Montaigne (2023) und Giordano Bruno (2023). Als Anerkennung seiner Arbeit über die italienische Renaissance wurde er am 3. März 2012 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste aufgenommen. Für seine Biografie Machiavelli oder Die Kunst der Macht wurde Reinhardt 2013 von der Lübecker Golo-Mann-Gesellschaft mit dem ersten „Golo-Mann-Preis für Geschichtsschreibung“ ausgezeichnet.
Er veröffentlichte 2003 eine Darstellung zur Geschichte Italiens. Sein Ziel damit ist das „Verständnis der Gegenwart durch deren Ableitung aus der Geschichte“. Er setzt sich ausdrücklich von den Traditionen des 19. Jahrhunderts ab, die den italienischen Nationalstaat als „Endzweck und Schlußzustand“ betrachten. Er arbeitet vor allem kulturgeschichtlich „unter intensivem Einbezug politischer, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren“.
Er veröffentlichte 2009 eine Darstellung des Sacco di Roma 1527.
Im Jahr 2013 erschien von ihm eine Darstellung zur Geschichte der Borgia von den spanischen Anfängen des Geschlechts bis zur Zeit der größten Machtentfaltung während der Papstherrschaft von Alexander VI. und dem Niedergang der Dynastie nach seinem Tode. Basierend auf jahrelanger Quellen- und Forschungsarbeit legte er 2016 eine Darstellung zu Martin Luther vor.
Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zum Papsttum vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Von ihm erschien 2017 eine Geschichte der Päpste von den Anfängen bis zur Gegenwart.
In seiner 2018 erschienenen Biographie Leonardo da Vincis entwarf er, so der Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „ein völlig neues, radikales Bild“ des Künstlers: „Leonardo, der militante Atheist und Nonkonformist, der in seinen Werken subversiv gegen Kirche, Glaube und sogar die eigenen Auftraggeber vorging.“ In einer 2024 veröffentlichten Biografie schilderte er das Leben Giordano Brunos und legte damit ein Standardwerk vor. In seiner Einleitung möchte er den „tragische[n] Kreislauf, der psychologisch als Kompensation von Frustration und Zurückweisung nachvollziehbar ist, aber auch die Reaktionen seiner [Brunos] zahlreichen Gegner verständlicher werden lässt, [...] in dieser Biographie erstmals mit all seinen Aspekten und Konsequenzen“ nachzuzeichnen. Zum Inquisitionsprozess kündigt er an, dass in seinem Werk „erstmals neu aufgefundene Dokumente ausgewertet [werden], die ganz neues Licht auf die Hintergründe dieses Verfahrens und die hinter dessen Kulissen ausgetragenen Debatten und Konflikte werfen“.
Kardinal Scipione Borghese (1605–1633). Vermögen, Finanzen und sozialer Aufstieg eines Papstnepoten. Niemeyer, Tübingen 1984, ISBN 3-484-82058-6 (Teilweise zugleich: Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau, 1981, unter dem Titel: Die Finanzen des Kardinals Scipione Borghese (1605–1633)).
Überleben in der frühneuzeitlichen Stadt. Annona und Getreideversorgung in Rom 1563–1797 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 72). Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-82072-1 (Teilweise zugleich: Habilitationsschrift, Universität Freiburg im Breisgau).
Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47991-X.
Geschichte Italiens. Von der Spätantike bis zur Gegenwart. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50284-9.
Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance. Beck, München 2004, ISBN 3-406-44028-2; 5., durchges. Auflage 2013, ISBN 978-3-406-44028-1.
mit Arne Karsten: Kardinäle, Künstler, Kurtisanen. Wahre Geschichten aus dem päpstlichen Rom. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17677-4.
Francesco Vettori (1474–1539): Das Spiel der Macht (= Kleine politische Schriften. Bd. 14). Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0198-6.