Vjosa Osmani-Sadriu (* 17. Mai 1982 in Titova Mitrovica, SFR Jugoslawien, heute Kosovo) ist eine kosovarische Juristin und Politikerin (LDK). Sie war von 2021 bis 2026 Präsidentin der Republik Kosovo.
Ausbildung und Tätigkeit als Juristin
Vjosa Osmani studierte von 2001 bis 2004 an der Universität Prishtina Rechtswissenschaft und schloss den Bachelor als Jahrgangsbeste ab. Anschließend absolvierte sie ein Master-of-Laws-Studium in Völkerrecht und internationalem Handelsrecht an der University of Pittsburgh in den Vereinigten Staaten.
Nach ihrer Rückkehr in den Kosovo wurde Osmani 2006 Stabschefin sowie Beraterin für rechtliche und internationale Angelegenheiten des damaligen kosovarischen Präsidenten Fatmir Sejdiu. Sie gehörte der Kommission an, die die Verfassung der Republik Kosovo ausarbeitete, und war nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo 2008 Mitglied des kosovarischen Juristenteams beim Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof, der in einem Rechtsgutachten die Gültigkeit der Unabhängigkeitserklärung bestätigte. Parallel lehrte sie ab 2006 (humanitäres) Völkerrecht und Menschenrechte an der Universität Prishtina sowie ab 2010 an der American University in Kosovo. Zudem war sie 2010 Gründungspartnerin der Anwaltskanzlei First Legal Solutions in Pristina. Als Gastdozentin kehrte sie 2010/11 an die University of Pittsburgh zurück, wo sie einen Kurs über State Building und Recht leitete. Dort promovierte sie auch 2015 mit einer Arbeit über den Einfluss des UN-Kaufrechts auf das kosovarische Recht zum Doctor of Juridical Science (SJD).
Osmani begann ihr politisches Engagement als Mitglied der liberal-konservativen Lidhja Demokratike e Kosovës (LDK), deren Vorsitzender Fatmir Sejdiu war. Im November 2010 wurde sie in das Präsidium der Partei gewählt. Von 2011 bis zu ihrer Wahl zur Staatspräsidentin war sie Abgeordnete im kosovarischen Parlament.
Osmani war Spitzenkandidatin der LDK für die Parlamentswahl 2019 im Kosovo und wurde als potenzielle Premierministerin gesehen. Sie sagte, dass die Menschen im Kosovo bereit seien für die erste weibliche Premierministerin im Land. Sie versprach, die hohe Korruption zu bekämpfen sowie marktwirtschaftliche Reformen umzusetzen.
Zwischen 2019 und 2020 fungierte Osmani als stellvertretende Parteivorsitzende der LDK. Ihre parteiinterne Abwahl wurde vom Parteivorsitzenden der LDK, Isa Mustafa, mit programmatischen Unstimmigkeiten begründet. Sie war gegen die Neubildung der Regierung, die zuvor aus einer Koalition zwischen LDK und der Lëvizja Vetëvendosje! bestanden hatte und durch einen Misstrauensantrag aufgelöst wurde.
Parlamentspräsidentin der Republik Kosovo und Parteigründung
Vom 3. Februar 2020 bis zum 22. März 2021 war Osmani Präsidentin des Parlaments der Republik Kosovo. In dieser Funktion übernahm sie am 5. November 2020 nach dem Rücktritt von Hashim Thaçi, der vor einem Sondertribunal der Kriegsverbrechen im Kosovokrieg angeklagt wurde, kommissarisch auch das Amt der Präsidentin der Republik Kosovo.
Anfang 2021 – im Vorfeld der Parlamentswahl im Februar – gründete Osmani die Initiative Guxo! („trau dich“). In einem Interview zur Gründung bezeichnete sie sich selbst als Mitte-rechts. Guxo ging eine Listenvereinigung mit der linksnationalistischen Lëvizja Vetëvendosje! von Albin Kurti ein. Über die Liste der Wahlsiegerin Vetëvendosje zogen sieben Guxo-Kandidaten ins Parlament ein, darunter Vjosa Osmani. Sie selbst erhielt mit über 300.000 mit Abstand die meisten Stimmen. Die Liste erreichte die absolute Mehrheit und bildet seither die Regierung des Kosovo.
Präsidentin der Republik Kosovo
Am 4. April 2021 wählte das Parlament der Republik Kosovo Osmani im dritten Wahlgang mit 71 von 120 Stimmen zur Staatspräsidentin.
Ihre fünfjährige Amtszeit endete am 4. April 2026. Osmani erklärte ihre Bereitschaft zu einer zweiten Amtszeit, wurde jedoch nicht erneut nominiert. Nachdem eine Einigung zwischen Regierung und Opposition über ihre Nachfolge ausblieb und das Parlament daraufhin aufgelöst wurde, übernahm Parlamentspräsidentin Albulena Haxhiu kommissarisch das Amt der Präsidentin, bis ein neues Staatsoberhaupt gewählt wird.
Im Vorfeld der für den 7. Juni 2026 angesetzten Neuwahlen verließ Osmani ihr Bündnis mit der von Premierminister Albin Kurti geführten Partei Lëvizja Vetëvendosje! (LVV) und kehrte zur Lidhja Demokratike e Kosovës (LDK) zurück, der sie bereits bis 2020 angehört hatte. Für die LDK kandidiert sie auf Listenplatz 1 und wurde zugleich als Präsidentschaftskandidatin der Partei nominiert.
Osmani ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Neben ihrer Muttersprache Albanisch spricht sie außerdem fließend Englisch, Serbisch, Türkisch und Spanisch.
Biographische Angaben auf president-ksgov.net