An diesem Tag

Vittoria Tesi

Italienische Opernsängerin

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Vittoria Tesi (oder Tesi Tramontini), genannt „la Fiorentina“ oder „la Moretta“ (13. Februar 1701 in Florenz – 9. Mai 1775 in Wien) war eine berühmte italienische Opernsängerin des 18. Jahrhunderts und Gesangslehrerin. Ihre Stimmlage war Alt.

Ihre Eltern waren Alessandro Tesi (Sohn von Antonio Tesi) und Maria Antonia Rapacciuoli (Tochter von Cosimo Rapacciuoli). Sie hatte zwei Brüder: Cosimo und den taubstummen und geistig behinderten Giovanni. Vittorias Taufpaten waren der bekannte Kastrat Francesco de Castris („Cecchino“) und die berühmte Sopranistin Vittoria Tarquini, die beide zu den Sängern des musikliebenden Ferdinando de’Medici gehörten.

Über Vittoria Tesi kursieren verschiedene Anekdoten, eine davon bezieht sich auf ihre Herkunft und ihr exotisches Aussehen: demnach soll ihr eigentlicher Vater ein schwarzer, vermutlich afrikanischer, Lakai namens „Moretto“ („kleiner Mohr“) gewesen sein, der in den Diensten (ihres Paten) Francesco de Castris stand. Daher erhielt die Tesi den Beinamen „la Moretta“. Auch Metastasio nannte sie in einem Brief an Farinelli „unsere unvergleichliche Afrikanerin“ („nostra impareggiabile africana“), und in jüngerer Zeit wurde sie von Reinhard Wiesend als „erste der großen farbigen Opernsängerinnen“ bezeichnet.

Ihre erste Ausbildung erhielt sie bei Francesco Redi in Florenz und studierte danach in Bologna bei Francesco Campeggi; laut Mancini besuchte sie zu gleicher Zeit auch „die Schule des Bernacchi“, aber wenn sie nicht Privatunterricht bei ihm nahm, ist dies wahrscheinlich ein Irrtum oder eine Verwechslung, da Bernacchi erst 1737 seine Schule gründete.

Eine Begegnung oder gar Beziehung von Händel mit einer Sängerin namens Vittoria 1707 in Florenz, als dort sein Rodrigo aufgeführt wurde, kann aufgrund ihres kindlichen Alters von nur 7 Jahren nicht mit Vittoria Tesi identifiziert werden (wie man früher dachte), und wird heute eher mit ihrer damals schon berühmten Patin Vittoria Tarquini in Verbindung gebracht.

Erste Auftritte hatte Vittoria Tesi 1716 in Parma als Fileno in Il Dafni von Alessandro Scarlatti (?) und in Bologna in Il sogno avverato (Komponist unbekannt). 1718–19 war sie dann in Venedig als virtuosa di camera des Fürsten Antonio von Parma.

1719 sang sie in Dresden neben Margherita Durastanti, Senesino und Santa Stella (der Frau des Hofkomponisten Antonio Lotti) bei den Festlichkeiten zur Hochzeit des Prinzen Friedrich August (III.) mit Erzherzogin Maria Josepha, und trat bei der Eröffnung der neuen Dresdner Oper (am Zwinger) am 3. September 1719 in Lottis Giove in Argo auf; einige Tage später folgte die Rolle der Matilda in seiner Oper Teofano. Nach der Dresdner Fürstenhochzeit kehrte die Sängerin zurück nach Italien, wo sie bis 1747 an allen großen Theatern Italiens auftrat, insbesondere in Venedig, Neapel und Mailand, sowie in Florenz, Bologna und Turin.

Im Karneval 1721 war sie in Florenz und sang u. a. die (männliche) Titelrolle in Luca Predieris Tito Manlio im Teatro della Pergola.

In Venedigs bedeutendstem Opernhaus, dem Teatro San Giovanni Grisostomo, trat sie 1721–22 zusammen mit Francesca Cuzzoni und Antonio Bernacchi auf, in Antonio Pollarolos Oper Plautilla und in Giovanni Maria Capellis Giulio Flavio Crispo.

Die Tesi war gut befreundet mit dem berühmten Sopranisten Farinelli, mit dem sie in den 1720er und frühen 1730er Jahren öfters zusammen auftrat und der sie zuweilen in seinen Briefen erwähnt, und als „wunderbaren Menschen“ bezeichnete. Relativ zu Beginn dieser Freundschaft steht die oft erwähnte Konzertaufführung von Johann Adolph Hasses Serenata Marc’Antonio e Cleopatra in Neapel 1725, wobei die beiden mit vertauschten Rollen auftraten, Farinelli als Cleopatra und die Tesi als Marc’Antonio, was im Barocktheater nichts ungewöhnliches war.

Am Teatro San Bartolomeo in Neapel sangen die Tesi und Farinelli zwischen 1724 und 1726 zusammen (und gemeinsam mit Anna Maria Strada del Po) in verschiedenen Opern der jungen neapolitanischen Komponistengeneration, wie Leonardo Vinci, Domenico Natale Sarro, und Leonardo Leo.

Am 4. November 1729 in Neapel, zur Feier des Namenstages von Kaiser Karl VI., sang sie die Cleopatra in Hasses Oper Tigrane.

In Turin 1731 erschien sie wieder neben Farinelli in Hasses Vertonung von Metastasios Catone in Utica. Farinelli selber berichtete darüber seinem Freund Graf Pepoli: „Die Tesi wurde sehr gemocht, obwohl sie bei der Premiere noch nicht die ganze Zuneigung des Publikums hatte, und sogar missfiel; aber nach wenigen Abenden, an denen die erste Oper (Catone in Utica) gegeben wurde, und nachdem jeder ihre besonderen Verdienste gesehen hatte, ließen sie ihr doch Gerechtigkeit widerfahren, wie man sie jemals einer Virtuosin ersten Ranges zukommen ließ,…“, und man lobte ihr Feuer (brio) und ihre Darstellung.

Während ihrer gesamten Laufbahn (ab den späten 1720er Jahren) war auch der Sopranist Caffarelli ein häufiger Bühnenpartner der Tesi (siehe unten die Repertoire-Liste) und ein Höhepunkt in ihrer Karriere war im Mai 1733 eine Aufführung von Hasses Siroe re di Persia im Teatro Malvezzi in Bologna, wo sie gemeinsam mit Farinelli und Caffarelli auf der Bühne stand. Sie war auch Anfang September 1734 bei Farinellis letzten Auftritten in Italien dabei, im Teatro della Pergola in Florenz, in einigen Aufführungen von Orlandinis L’innocenza giustificata.

1736 am Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig sang sie zusammen mit dem Tenor Angelo Amorevoli in der stark revidierten 2. Fassung von Hasses Alessandro nell’Indie (Libretto: Metastasio), und bei der Eröffnung des Teatro San Carlo in Neapel 1737 sang sie in Sarros Oper Achille in Sciro die männliche Titelpartie, neben Anna Maria Peruzzi und Angelo Amorevoli, die beide ebenfalls häufige Bühnenpartner waren.

1739–40 wurde sie von Farinelli, der mittlerweile nur noch für den spanischen König sang, nach Madrid eingeladen, und gehörte zusammen mit Caffarelli, der Peruzzi und dem Tenor Annibale Pio Fabbri zu den italienischen Opernstars, die während der Feierlichkeiten zur Hochzeit des Infanten Felipe in Francesco Corsellis Oper Farnace sangen, in einer beispiellos prächtigen Inszenierung. Farinelli schrieb: „Unsere Tesi wusste durch ihren sprühenden Geist unter allen Mitgliedern des Ensembles hervorzustechen. Sie hat die Bestimmung gefunden, die die Götter des höchsten Altars für sie vorgesehen haben, denn ihr Spiel und ihr schönes Gesicht haben alle anderen (wie man hier sagt) zu Dienern gemacht…“;

was die rein gesanglichen Qualitäten anging, fand er allerdings Caffarelli noch besser.

Laut Croll sang sie eventuell 1741–42 in Frankfurt am Main bei der Kaiserkrönung (?).

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Vittoria Tesi | World in Stories