Vincent Willem van Gogh [ niederländisch ɣɔx auf deutsch oft vereinfacht ɡɔx] (* 30. März 1853 in Groot-Zundert; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise) war ein niederländischer Maler und Zeichner. Er gilt als einer der Begründer der modernen Malerei. Als Schüler erhielt er Mal- und Zeichenunterricht von Constant Cornelis Huijsmans, später von seinem Vetter Anton Mauve. Nach dem Wissensstand von 2021 hinterließ er über 900 Gemälde und über 1000 Zeichnungen. Die Gemälde entstanden überwiegend in den letzten zehn seiner 37 Lebensjahre. Vincent van Gogh führte – vor allem mit seinem Bruder Theo van Gogh, dem Händler seiner Bilder – einen umfangreichen Briefwechsel, der eine Fülle von Hinweisen auf sein malerisches Werk enthält und selbst von literarischem Rang ist. Die ersten Zeichnungen des Jugendlichen finden sich dort, und viele der Gemälde hat Vincent in seinen Briefen an Theo vorgezeichnet.
Sein Hauptwerk greift stilistisch den Realismus, den Naturalismus und den Impressionismus auf; zugeordnet wird es dem Post-Impressionismus. Es übte starken Einfluss auf nachfolgende Künstler aus, vor allem auf die Fauves und die Expressionisten. Während er zu Lebzeiten nur ein Bild an die Künstlerin Anna Boch verkaufen konnte, erzielen seine Werke seit den 1980er Jahren bei Auktionen Rekordpreise.
Vincent van Gogh kam am 30. März 1853 in Groot-Zundert, einem Landstädtchen in Noord-Brabant, als Sohn des Pfarrers Theodorus van Gogh und dessen Frau Anna Cornelia Carbentus, der Tochter eines Buchbinders, zur Welt. Genau ein Jahr zuvor war ein nicht lebensfähiger Bruder geboren worden, der ebenfalls den Namen Vincent erhalten hatte. Einige Autoren vertreten die Meinung, dass van Gogh sich als ungeliebten Ersatz für den Erstgeborenen empfunden und dadurch seelischen Schaden genommen habe. Seine Mutter hatte eine besonders enge Beziehung zu ihm und sorgte in den ersten Schuljahren für Hausunterricht, den sie und eine Gouvernante gaben. Dieses Privileg endete mit dem Wachsen der Kinderschar, so dass er doch noch einige Zeit auf die Dorfschule in Zundert gehen musste. Diese Probleme werden von Viviane Forrester in ihrer Biographie Van Gogh oder: Das Begräbnis im Weizen dargestellt.
Nach Vincent wurden noch fünf jüngere Geschwister geboren: Anna (1855–1930), Theo (1857–1891), Elisabeth ‚Lies‘ (1859–1936), Willemien ‚Wil‘ (1862–1941) und Cor (1867–1900). Die Familie unternahm häufig Spaziergänge in der Umgebung von Zundert, welche bei Vincent früh eine Liebe zur Natur entstehen ließen; davon zeugen viele seiner Bilder. Der Vater hatte eine unbedeutende Pfarrstelle der Niederländisch-Reformierten Kirche in einem Ort mit katholischer Mehrheit; christliche Werte spielten in der Familie eine wichtige Rolle. Anfangs bewunderte Vincent seinen Vater, und einige Jahre versuchte er, es ihm als Prediger gleichzumachen. Vorher jedoch nutzte die Familie ihre Verbindungen zum Kunsthandel, wo drei von Vincents Onkeln tätig waren und Vincent die Nachfolge des Onkels Cen (Vincent) antreten sollte. Seine Verwandtschaft hatte Wohlstand durch das Handeln mit Malerei erworben, daher sollte er Bilderhändler werden. Als Ältester sollte er die „Krone“ tragen, die nach seinem Ausscheiden dem nächstjüngeren Bruder Theo übertragen wurde. Die Sippe Van Gogh gehörte zum gehobenen Bürgertum, die Firma Vincent Van Gogh des gleichnamigen Vorfahren war Lieferant für die Kabinette seiner Hoheiten des Königs und der Königin in Den Haag.
Nachdem er zuerst die Dorfschule in Zundert besucht hatte, wurde van Gogh mit elfeinhalb Jahren in ein Internat in Zevenbergen gegeben. Ab 1866, im Alter von 13 Jahren, wurde Vincent als Kostgänger nach Tilburg geschickt, um dort die höhere Bürgerschule im ehemaligen Palast von König Wilhelm II. zu besuchen. In Brabant war es die einzige weiterführende Schule, eine staatliche Institution von hohem Ansehen, die von den Erben des Königs gegründet wurde. Nur 36 Jungen wurden zugelassen, in Vincents Klasse waren 10 Schüler. Die Lehrer waren zahlreich und auserlesen, sie kamen von Universitäten. Vincent war ein guter Schüler und wurde in die nächste Klasse versetzt. Er wohnte privat bei einer Familie. Dort lernte er Französisch, Englisch und Deutsch (später las er französische und englische Bücher in der Originalsprache und korrespondierte mit seinen Geschwistern auf Französisch). Von September 1866 bis März 1868 erhielt er in Tilburg richtigen Zeichen- und Kunstunterricht. Malerei gehörte theoretisch und praktisch zum Unterrichtsplan und hatte mit vier Wochenstunden einen hohen Stellenwert. Sein Lehrer war ein in Frankreich erfolgreicher Maler von Landschaften und Bauernleben, Constant Cornelis Huijsmans. Vincent machte dort als Jugendlicher seine erste Zeichnung von zwei Bauern, die auf einer Schaufel lehnen. Es bleibt festzuhalten, dass Vincent auf der Schule den wichtigsten holländischen Maler der Avantgarde zum Lehrer hatte, der ihm die Art zu sehen und zu malen beibrachte, an die Vincent später anknüpfte, denn in Paris tat er sich mit den Nachfolgern dieser „Schule“ zusammen. Trotz guter Noten, insbesondere in den Fremdsprachen, verließ er diese Schule bereits im März 1868 während seines zweiten Schuljahres aus unbekanntem Grund. Angesichts der prekären finanziellen Verhältnisse des Vaters und der Geburt eines sechsten Kindes reichten vermutlich die Mittel nicht mehr. Er war alt genug, um einen finanziellen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten, wie es damals für den ältesten Sohn selbstverständlich war.
Die folgenden 15 Monate verbrachte er bei seinen Eltern; womit er sich dort beschäftigte, ist nicht belegt. Im Juli 1869 begann er nach einem Beschluss des Familienrats eine Ausbildung in der Den Haager Filiale der Kunsthandlung Goupil & Cie, der sein Onkel Cent als Teilhaber angehörte, weil dieser aus gesundheitlichen Gründen die Firma nicht mehr allein führen konnte. Der Onkel hielt seine schützende Hand über den Neffen. Während seiner Zeit bei Goupil begann im September 1872 die lebenslange Korrespondenz zwischen Vincent und seinem Bruder Theo, der ab 1873 bei einer anderen Filiale Goupils in Brüssel angestellt war.
Berufssuche: Verkäufer, Lehrer, Prediger, Maler
Goupil war ein bedeutendes Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Hauptstädten. Vincent van Gogh lernte dort die etablierte Kunst kennen und beurteilen. Sein Hauptinteresse galt der zeitgenössischen Kunst. In einem Brief an Theo empfahl er ihm mehrere Dutzend moderne Maler seiner Zeit, die er besonders gut fand.
Hier wie auch an seinen späteren Aufenthaltsorten besuchte er sein Leben lang eifrig die örtlichen Museen. Nach dem Ende seiner Ausbildung wurde er im Sommer 1873 in die Londoner Filiale versetzt, was einen Aufstieg bedeutete. Vincent setzte sich dort intensiv mit den britischen Malern auseinander. Er besuchte das British Museum und die National Gallery, wo er unter anderem mit den Werken von François Millet und Jules Breton in Kontakt kam. Das Wissen, das er sich in den sechs Jahren als Händler erwarb, machte ihn überlegen und in vielen Auseinandersetzungen mit Malern auch überheblich. Lange bevor er mit dem Malen anfing, wusste er, welche Malerei wegführend war. Sein Ringen ging darum, technisch dazu in die Lage zu kommen, diese Vorstellungen umzusetzen. Immer wieder klagte er bis zum Ende darüber, seinen eigenen Ansprüchen nicht zu genügen.
Fern von seinen Verwandten fühlte sich Vincent van Gogh einsam. In seiner Freizeit machte er lange Wanderungen durch die Stadt und ihre Umgebung, wobei er auch Zeichnungen anfertigte. In diese Zeit fiel eine unglückliche Liebe zur Tochter seiner Vermieterin. Die Enttäuschung über die Zurückweisung durch die junge Frau hatte er noch Jahre später nicht verwunden. Während eines Urlaubs bei den Eltern im Sommer 1874 fiel diesen seine Niedergeschlagenheit auf. Um ihn aus den Londoner Verhältnissen zu lösen, wurde beschlossen, ihn nach Paris in die andere Filiale von Goupil versetzen zu lassen. Von Januar bis April 1875 wohnte van Gogh noch einmal kurzzeitig in London, um dann endgültig nach Paris zu ziehen.