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Vilnius

Hauptstadt von Litauen

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Vilnius [ˈvʲɪlʲɲʊs] , deutsch Wilna (polnisch , belarussisch Вільня Wilnja, jiddisch ווילנע Wilne, russisch Вильнюс Wilnjus, früher Ви́льна Wilna), ist seit 1918 die Hauptstadt Litauens. Mit rd. 611.000 Einwohnern (Stand 2025) ist Vilnius die größte Stadt der drei Staaten des Baltikums. Als eine Stadt (litauisch miestas) ist sie zugleich das Zentrum der Stadtgemeinde Vilnius (litauisch miesto savivaldybė), die auch die Stadt Grigiškės umfasst.

Vilnius ist Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Vilnius und mit der 1579 gegründeten Universität Vilnius eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Vilnius war von Anfang an eine baltische Gründung und wurde im Gegensatz zu den Hauptstädten der baltischen Nachbarländer, Riga in Lettland und Tallinn in Estland nie vom Deutschen Orden kontrolliert. Als Wilno entwickelte sich die Hauptstadt Litauens zum Zentrum eines ausgedehnten Großreiches, das auf dem Höhepunkt seiner Macht um 1618 als Polen-Litauen zeitweise von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.

Vilnius/Wilno galt seit seiner Gründung als eine der liberalsten Städte Europas, die im Lauf ihrer Geschichte u. a. den verfolgten Juden aus Mitteleuropa und Russland Schutz bot. Als „Jerusalem des Nordens“ wurde Vilnius zu einem Zentrum der jüdischen Kultur und Aufklärung. Um 1900 stellten Litauer nur einen kleinen Teil der Bevölkerung (2 %), nach Juden (41 %), Polen (30 %) und Russen (20 %). Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit verlor die Stadt die Mehrheit ihrer Bewohner: die jüdische Bevölkerung wurde fast vollständig im Holocaust vernichtet; ein Teil der Polen wurde während der ersten sowjetischen Okkupation (1940/41) nach Sibirien deportiert, die große Mehrheit der restlichen polnischen Einwohner nach dem Krieg von der Sowjetunion nach Polen umgesiedelt. Zum Ausgleich wurden vor allem Litauer, auch Russen und Belarussen hier angesiedelt, wodurch sich die ethnische und soziale Struktur der Stadt völlig veränderte.

Ab dem 16. Jahrhundert schufen italienische Baumeister zahlreiche barocke Bauwerke in der Stadt. Die Altstadt von Vilnius zählt zu den größten in Osteuropa und wurde 1994 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Aufgrund der über 50 Kirchen der Stadt trägt Vilnius auch den Beinamen „Rom des Ostens“.

Entsprechend ihres multiethnischen und multikulturellen Charakters ist die Stadt unter verschiedenen Namen bekannt. Europäische Landkarten und Beschreibungen verwendeten vom 14. bis ins 20. Jahrhundert den Namen Wilna oder Vilna. Die ältesten belegten Formen aus dem 14. Jahrhundert lauten vor die Wilne, ante Vilnam oder ähnlich. Im Litauischen heißt sie Vilnius, und dieser – erstmals um 1600 belegte – Name setzt sich in der Gegenwart allmählich auch in anderen Sprachen durch.

Der Name der Stadt ist von jenem des Flüsschens Vilnia (oft in der Verkleinerungsform Vilnelė genannt) abgeleitet, das – unweit des historischen Stadtkerns auf dem Gediminas-Berg – in die Neris mündet. Die litauischen Wörter vilnìs und vilnelė bedeuten „Welle“ bzw. „kleine Welle“. Ein alternativer Name der Neris ist zudem *Velija, belegt um 1230 als Велья. Der Name des kleineren Zuflusses war ursprünglich eine Diminutivbildung zu diesem Namen.

Der Asteroid des inneren Hauptgürtels (3072) Vilnius ist nach der Stadt benannt.

Von 1569 bis 1795 war Vilnius die Hauptstadt des litauischen Großfürstentums in der polnisch-litauischen Adelsrepublik Abiejų Tautų Respublika (Polen-Litauen bzw. Republik Zweier Nationen).

Durch die Dritte Teilung Polens bzw. Litauens verloren beide vollständig ihre Unabhängigkeit und Vilnius seinen bisherigen Status als Hauptstadt, den die Stadt – abgesehen von schnell wechselnden Hauptstadtfunktionen in den Jahren von 1918 bis 1922 – erst 1945 wieder erhielt. Mit der bei der Teilung erfolgten Einverleibung in das Russische Zarenreich wurde Vilnius 1795 der Sitz der Verwaltung des Litauischen Generalgouvernements (Lietuvos Generalgubernatorija). Von 1830 bis zu dessen Auflösung 1912 war die Stadt der Sitz der Verwaltung des Vilniuser Generalgouvernements (Vilniaus Generalgubernatorija). Innerhalb der beiden Generalgouvernements war Vilnius zugleich der Sitz der Verwaltung des umgebenden Gouvernements, unter anderem des Gouvernements Wilna. Die Namen der Gouvernements, zu denen Vilnius gehörte, und deren Zuschnitt wurden mehrfach geändert.

Nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Litauens (siehe ↑ Unabhängigkeit seit 1918) wurde Vilnius die litauische Hauptstadt. Als die Rote Armee im Litauisch-Sowjetischen Krieg gegen den jungen Staat vorrückte, dessen Südosten besetzte und dort am 16. Dezember 1918 die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik proklamierte, wurde Vilnius deren Hauptstadt und am 27. Februar 1919 die Hauptstadt der Litauisch–Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik, in der die kurzlebige Litauische Sozialistische Sowjetrepublik aufgegangen war. Knapp zwei Monate später, in den Tagen vom 19. bis zum 21. April 1919, befreiten polnische Truppen Vilnius von der sowjetischen Besetzung.

Seit dem 12. Oktober 1920 war Vilnius die Hauptstadt von Litwa Środkowa (deutsch: Mittellitauen), eines polnischen Marionettenstaates, der sich am 20. Februar 1922 der Republik Polen anschloss.

Von 1922 bis 1945 war Vilnius keine Hauptstadt eines litauischen Staates, sondern erneut ein Verwaltungssitz unterhalb der staatlichen Ebene, diesmal in Polen und in der Sowjetunion bzw. unter deutscher Besetzung. Im Einzelnen war Vilnius

von 1922 bis 1939 die Hauptstadt der gleichnamigen Wojewodschaft in der II Rzeczpospolita (Zweite Polnische Republik)

nach der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion von 1940 bis 1941 die Hauptstadt der zweiten Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik (litauisch: Lietuvos TSR; Litauische SSR)

nach der Besetzung Litauens durch das Deutsche Reich von 1941 bis 1945 der Hauptort von Wilna-Land im Reichskommissariat Ostland

nach der erneuten Besetzung Litauens durch die Sowjetunion von 1945 bis 1990 wiederum die Hauptstadt der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik

Die Stadt liegt in einer bewaldeten Hügellandschaft im Südosten Litauens an der Mündung der Vilnia in die Neris rund 40 km von der belarussischen Grenze entfernt. Nördlich von Vilnius im Dorf Purnuškės befindet sich der geographische Mittelpunkt Europas.

Das Klima in Vilnius ist gemäßigt kontinental. In den meist kurzen warmen Sommern wurden Spitzenwerte von über 35 °C gemessen. Die Tiefstwerte im Winter lagen unter −37 °C. Wärmster Sommermonat ist der Juli, kältester Wintermonat ist der Januar. Die Jahresniederschlagsmenge lag in den Jahren 1961 bis 1990 im Jahresmittel bei 683 Millimeter pro Jahr. Die Monatsdaten können dem Klimadiagramm entnommen werden.

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