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Vilfredo Pareto

Italienischer Ingenieur, Ökonom und Soziologe

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Vilfredo Frederico Damaso Pareto (seit 1882 zusätzlich: Marchese di Parigi), gebürtig Wilfried Fritz Pareto; * 15. Juli 1848 in Paris; † 19. August 1923 in Céligny, Kanton Genf war ein schweizerischer Ingenieur, Ökonom und Soziologe italienisch-französischer Herkunft. Als führender Vertreter der Lausanner Schule und Begründer der Wohlfahrtsökonomie gilt er als Klassiker der Wirtschaftswissenschaft und als Soziologe gemeinsam mit Gaetano Mosca und Robert Michels als Klassiker der Elitesoziologie. Zudem entwarf er eine soziologische Handlungstheorie, die besonders irrationale Elemente enthält. Ihm wird eine Nähe zum frühen italienischen Faschismus nachgesagt.

Laut Gottfried Eisermann sind in der Geburtsurkunde Paretos die Vornamen Fritz Wilfried dokumentiert. Diese Vornamen stünden auch auf dem Deckblatt der Dissertationsschrift Paretos. Warum seine Eltern ihm die deutschen Vornamen gaben, sei eines der ungeklärten Rätsel im Leben Paretos.

Der Vater Raffaele Pareto Marchese di Parigi (1812–1882), ein Ingenieur aus Genua, lebte als Republikaner und Gegner des Hauses Savoyen seit den 1830er Jahren im Pariser Exil. Den Adelstitel Marchese, der nach dem Tode des Vaters auf Vilfredo Pareto überging, der ihn jedoch nicht verwendete, hatte Napoleon dem Großvater verliehen. Die Mutter, Marie Pareto Marchesa di Parigi, geborene Metenier (1816–1889), war Französin und stammte aus einfachen sozialen Verhältnissen. Das Kind wuchs zweisprachig (Italienisch, Französisch) auf.

1852 konnte die Familie wegen einer Amnestie nach Genua zurückkehren, zog dann mehrfach um, weil wegen der beruflichen Karriere des Vaters – erst als Französischlehrer, dann als Professor und schließlich als Ministerialbeamter – Ortswechsel notwendig wurden.

1859 begann Pareto seine schulische Ausbildung am Istituto Tecnico Leardi, Sezione fisico-matematica, in Casale Monferrato, an dem sein Vater Professor war. Er setzte den Schulbesuch in Florenz und Turin fort, wo er 1864 die Licenza di Maturità erhielt. Bis 1867 folgte ein Studium der Mathematik und Physik an der Universität Turin, das 1867 mit der Licenza in scienza matematiche e fisiche abgeschlossen wurde. Darauf folgte, ebenfalls in Turin und unterbrochen durch kurzen Wehrdienst, ein Ingenieursstudium, das Pareto 1870 mit Promotion beendete.

Von 1870 bis 1873 war Pareto Eisenbahnangestellter als Ingenieur in Florenz. 1873 begann Paretos Karriere als leitender Angestellter in der Wirtschaft, erst als Signore Incaricato der Eisenwarenfirma Società dell’Industria del Ferro in San Giovanni Valdarno und dann von 1880 bis 1890 (nach Namensänderung der Firma in Società delle Ferriere Italiane) als deren Generaldirektor. Nach seinem freiwilligen Ausscheiden aus der Geschäftsführung blieb er bis 1892 Berater der Firma.

Gemäß der Online-Biografie 50 Klassiker der Soziologie hatte er 1880 und 1882 in zwei verschiedenen Wahlkreisen der Toskana erfolglos für die Camera dei deputati kandidiert. Nach anderen Quellen verzichtete er nach dem ersten Misserfolg auf eine weitere Kandidatur zur italienischen Abgeordnetenkammer, sei aber von 1877 bis 1881 Mitglied des Gemeinderates San Giovanni Valdarno gewesen.

1893 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Lausanne an und wurde damit Nachfolger des Begründers der neuen mathematischen Ökonomie, Léon Walras. 1911 wurde er emeritiert, hatte sich aber bereits 1906 von seinen Lehrverpflichtungen befreien lassen, um sich ganz der Arbeit an seiner Allgemeinen Soziologie widmen zu können.

Nach einer reichen Erbschaft zog er 1900 in eine Villa in Céligny. Dort starb er am 19. August 1923 an Herzversagen.

Pareto war zweimal verheiratet, seit 1889 mit Alessandrina „Dina“ Bakounine (1860–1940) und seit 1923 mit Jeanne Régis (1879–1948), mit der er seit 1906 zusammenlebte. Nach Paretos Tod stritten die beiden Frauen um Erbe und Adelstitel, was zur vollständigen Vernichtung des schriftlichen Nachlasses Paretos führte.

Verhältnis Paretos zum Faschismus

In seinem letzten Lebensjahr wurden Pareto von Benito Mussolini zwei Ehrungen angetragen: Erst wurde er zum Vertreter Italiens in der Kommission für Abrüstung im Völkerbund ernannt, dann wurde ihm der Titel des Senators auf Lebenszeit angeboten. Auf beide Ansinnen, so Maurizio Bach, reagierte er mit „vornehmer Zurückhaltung“.

Bach nennt Paretos Verhältnis zum italienischen Faschismus „ambivalent“. Bestimmte Aspekte seiner politischen Doktrin, die deutliche Züge eines „antidemokratischen Elitismus“ trage, hätten zur Legitimation der Machteroberung Mussolinis beigetragen. Anfangs habe Pareto Mussolini wegen dessen Charisma ein gewisses Wohlwollen entgegengebracht. In seinen letzten Stellungnahmen, wenige Monate nach dem Marsch auf Rom, überwiege aber eine gewisse Skepsis gegenüber der auf Beseitigung der parlamentarischen Demokratie angelegten Politik des späteren „Duce“. Der einstige Sympathisant sei so am Ende seines Lebens zu einem der prominentesten Kritiker des Faschismus im liberal-konservativen Lager geworden.

Paretos wissenschaftliches Lebenswerk besteht aus seinen früheren theoretischen Arbeiten zur Volkswirtschaftslehre und seinen Schriften zur Soziologie, dessen Hauptwerk 1916 als Trattato di sociologia generale in zwei Bänden erschien.

Von der Ökonomie zur Soziologie

Neben seiner kaufmännischen Geschäftstätigkeit betrieb Pareto ein autodidaktisches Studium der Wirtschaftswissenschaft und wurde zum überzeugten Verfechter der neoklassische Schule. Wirtschaftspolitisch vertrat er vehement liberale Auffassungen und hielt staatliche Interventionen in die Wirtschaft für schädlich, weil sie nicht den Prinzipien wirtschaftlicher Vernunft folgen. Diese theoretischen Grundannahmen kollidierten mit seiner Lebenserfahrung. Als Manager in der Eisenindustrie stieß er auf erhebliche interne und externe Widerstände, als er versuchte das Unternehmen auf den Wettbewerb am Markt auszurichten, statt auf staatliche Protektionsmaßnahmen zu setzen. Bei seinem erfolglosen Versuch ein Parlamentsmandat in der Deputiertenkammer zu gewinnen, gewann er die Überzeugung, dass sich eine rein an ökonomischer Rationalität orientierte Politik nicht durchsetzen lässt. Daher zog er sich aus praktisch-ökonomischen und praktisch-politischen Aktivitäten zurück und konzentrierte sich auf die theoretische Wirtschaftswissenschaft, hielt Vorträge und publizierte in Fachzeitschriften. 1893 wurde er dann auf den Lehrstuhl in Lausanne berufen.

Richard Münch betont, dass Paretos ökonomische Schriften zum Kanon der modernen Volkswirtschaftslehre gehören. Noch heute seien sein Gesetz der Einkommensverteilung und das Pareto-Optimum bedeutsam. Daraus abgeleitet, ist das Pareto-Prinzip, das häufig für Projekt- und Zeitmanagement zur Hilfe gezogen wird, um wichtige Arbeitspakete zu erkennen und schnelle Fortschritte bei hinreichend guten Ergebnissen zu erzielen.

In den Jahren seiner wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Publizistik wurde für Pareto immer deutlicher, dass ökonomische Modelle zwar zu vollkommener analytischen Schärfe und Perfektion gelangt waren, sich damit aber auch immer weiter von der gelebten Realität entfernt hatten. Um solche Realität beschreiben zu können, wandte er sich zunehmend der Ausarbeitung einer allgemeinen Soziologie zu.

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