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Viktor von Weizsäcker

Deutscher Mediziner

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Viktor Weizsäcker, ab 1916 Freiherr von Weizsäcker (* 21. April 1886 in Stuttgart; † 8. Januar 1957 in Heidelberg), war ein deutscher Mediziner. Er war Neurologe, befasste sich mit Themen der Sozialmedizin und gilt als ein Begründer der psychosomatischen Medizin und der modernen medizinischen Anthropologie. Mit Viktor Emil von Gebsattel, Jürg Zutt (1893–1980), Ludwig Binswanger und Dieter Wyss gilt er als Vertreter der existential-anthropologischen Theorie der Psychotherapie.

Viktor Weizsäcker wurde am 21. April 1886 in Stuttgart geboren. Sein Vater, Karl von Weizsäcker, entstammte dem pfälzisch-württembergischen Geschlecht Weizsäcker. Sein Bruder war Ernst von Weizsäcker, Bundespräsident Richard von Weizsäcker war sein Neffe.

1916 wurde sein Vater, der bereits 1897 mit dem Amt des Ministerialdirektors den persönlichen Adel erhalten hatte, mit seiner ganzen Familie von König Wilhelm II. von Württemberg mit der Verleihung des erblichen Adels in den Freiherrnstand erhoben.

1920 heiratete Viktor von Weizsäcker Olympia Curtius (1887–1979), die Tochter von Friedrich Curtius und Schwester des Romanisten Ernst Robert Curtius.

Aus seiner Ehe mit Olympia Curtius stammen die Kinder Robert Karl Ernst (* 1921; vermisst 1942), Ulrike Gerda (1923–1948), Eckhard (1925–1945) und Cora (1929–2009), die mit dem Physiker Siegfried Penselin (1927–2014) verheiratet war.

Studium, Habilitation, Militär, 1904–1918

1904 machte Viktor Weizsäcker Abitur am humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart und begann Medizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Dort war er Mitglied der den süddeutschen Liberalismus prägenden Tübinger Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia.

Später studierte er noch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

1908 lernte er seinen Kommilitonen Arthur Kronfeld kennen, der ihn zusammen mit seinem Freund Otto Meyerhof für die Philosophie von Leonard Nelson und Jakob Friedrich Fries zu interessieren suchte und wahrscheinlich auch mit den Schriften Freuds bekannt machte.

Gemeinsame Vorlesungsbesuche bei Wilhelm Windelband bis hin zu persönlichen Kontakten mit Hans Driesch und anderen Philosophen in Heidelberg wie Hans Ehrenberg sind der reale Hintergrund für die „Versuchung, die Medizin zu verlassen und – Philosoph zu werden“, von der er später berichtete. Doch blieb er seinem Interesse für die Medizin treu und promovierte am 28. Juni 1910 bei dem Internisten Paul Morawitz mit einer Arbeit über die Blutgeschwindigkeit.

In dieser Zeit ließ er sich wie Meyerhof in der Klinik Ludolf von Krehls von Otto Warburg für die Physiologie des Herzens interessieren. Wie sie habilitierte er sich über den Energiestoffwechsel.

Im Ersten Weltkrieg war Viktor von Weizsäcker zunächst bei Verdun im Einsatz und später mit Ludolf von Krehl für die Inspektion von Feldlazaretten zuständig.

Universitätsklinik Heidelberg – Forschung, 1920–1940

Ab 1920 leitete Weizsäcker die neurologische Abteilung an der Krehl’schen Klinik in Heidelberg. 1926 (nach Angabe in seinem autobiografischen Werk Natur und Geist. 1928, S. 61) besuchte er Sigmund Freud und Max Scheler. Diese Besuche hatten eine zentrale Bedeutung für sein weiteres Schaffen. Im selben Jahr erschien seine Schrift Stücke einer medizinischen Anthropologie in der von Martin Buber und Joseph Wittig herausgegebenen Zeitschrift Die Kreatur, bei der er von 1926 bis 1930 Mitherausgeber war.

1932 formulierte er seine Ideen zum Gestaltkreis, mit dem er die Einheit von Wahrnehmung und Bewegung theoretisch darzustellen suchte. Weizsäckers Ziel war die Einführung des Subjekts in die Medizin, der vielzitierte erste Satz des Gestaltkreises lautete: „Um Lebendes zu erforschen, muss man sich am Leben beteiligen.“ Er arbeitete mit Marianne Fuchs, förderte ihre Arbeit und lieferte für die von Fuchs entwickelte tiefenpsychologische Körperpsychotherapie Funktionelle Entspannung mit seiner Publikation Der Gestaltkreis die theoretische Basis.

Im Jahr 1933 stand Viktor von Weizsäcker dem Nationalsozialismus nicht konsequent ablehnend gegenüber. In einem Vortrag „Ärztliche Aufgaben“, den er im Dezember 1933 an der Universität Freiburg auf Einladung des Rektors Martin Heidegger hielt, der bereits 1932 die NSDAP gewählt hatte und ihr am 1. Mai 1933 beigetreten war, gab er laut Udo Benzenhöfer ein „deutliches Signal seiner Übereinstimmung mit dem Nationalsozialismus“ und sprach in einigen Passagen „den Nationalsozialisten zumindest teilweise das Wort“. Allerdings stellte er nach Benzenhöfer trotz formaler Einverständniserklärung mit dem Führerprinzip die Freiheit des Einzelnen eindeutig über die Freiheit des Kollektivs:

„Jeder Führer muß wissen, und der wahre Führer weiß es, daß es an ihm liegt, dem Einzelnen zu befreiender Entfaltung zu helfen. Darin und in nichts anderem beruht die Tüchtigkeit und Kraft eines Führers. Hier ist die Wurzel der Gemeinschaft.“

Der Vortrag erschien 1934 in der nationalsozialistisch ausgerichteten Zeitschrift Volk im Werden.

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