Viktor II., auch Victor II. (* um 1020; † 28. Juli 1057 in Arezzo), war als Gebhard I. Bischof von Eichstätt von 1042 bis 1057 und amtierte von 1055 bis zu seinem Tod als Papst. Er entstammt einem südwestdeutschen Adelsgeschlecht und gilt aufgrund seiner verwandtschaftlich begründeten Stellung in der salischen Reichskirche als „deutscher Papst“.
Über die Herkunft und die Jugend Gebhards ist wenig bekannt. Sein Geburtsjahr wird nicht überliefert, kann jedoch etwa auf das Jahr 1020 datiert werden, da er zum Zeitpunkt seiner Bischofserhebung 1042 offenbar nur wenige Jahre jünger als der 25-jährige König Heinrich III. war. Es steht fest, dass Gebhards Eltern Hartwig und Biliza hießen und die Familie einem alemannischen Adelsgeschlecht entstammte, welches mit dem salischen Königshaus entfernt verwandt war. Sein Vater Hartwig war ein Bruder des Gotebold, der erst als Domherr zu Eichstätt und später als Patriarch von Aquileia bekannt wurde; seine Mutter Biliza gehörte offenbar dem welfischen Hause an. Die Klärung der genauen Herkunft der Familie ist erst in neuerer Zeit vollständig gelungen.
Nach seiner Kindheit schlug Gebhard eine geistliche Laufbahn ein und absolvierte eine Ausbildung zum Domkanoniker unter seinem Stiefonkel Bischof Gebhard III. von Regensburg, einem Halbonkel Konrads II. Trotz seiner entfernten Verwandtschaft mit dem Kaiser war Gebhards rasanter politischer Aufstieg in keiner Weise vorbestimmt; schließlich wurde der junge Kleriker nicht am königlichen Hof, sondern in der Regensburger Domschule erzogen. Seine Karrierechancen waren vielmehr erschwert, da die salischen Herrscher ihre geistlichen Berater traditionell fast ausschließlich aus dem Kreise ihrer geistlichen Hofkapelle auswählten. Über die Gründe, die Gebhard überhaupt für ein Bischofsamt in Frage kommen ließen, geben die Quellen nur wenig Aufschluss. Vermutlich erwies er sich als ein hochbegabter Schüler, der sich somit als enger Vertrauter Gebhards III. von Regensburg für mögliche höhere Ämter empfehlen konnte.
Wirken als Bischof Gebhard I. von Eichstätt
Der politische Aufstieg Gebhards bis 1050
Nachdem im Jahre 1042 durch den Tod Gezmanns das Bistum Eichstätt vakant geworden war, versuchte der Regensburger Bischof Gebhard III. maßgeblichen Einfluss auf die Neubesetzung des Amtes zu nehmen. Als bedeutender militärischer Anführer in den Kämpfen gegen die Ungarn war er für Kaiser Heinrich III. ein wichtiger und einflussreicher politischer Ratgeber. Gebhard III. schlug zunächst den Regensburger Dompropst Kuno vor, doch der Kaiser lehnte Kuno umgehend ab. Um Gebhard III. nicht zu verärgern, gestattete Heinrich III. ihm, einen weiteren Vorschlag aus dem Kreise seines Domkapitels zu machen.
Sein zweites Votum fiel auf den jungen Gebhard, den Heinrich III. – nach Beratung mit anderen Bischöfen – am Weihnachtsfest des Jahres 1042 in Goslar akzeptierte. Diese Designation ist in vielfacher Hinsicht ungewöhnlich: Offenbar hatte Gebhard bei seiner Bischofserhebung das kanonische Alter noch nicht erreicht, denn er war nur wenig älter als 20 Jahre. Ebenso ist auffällig, dass Gebhard vor dieser Wahl weder Kontakte zum Bistum Eichstätt noch zu Heinrich III. gehabt hatte und der Kaiser ihn wohl zu diesem Zeitpunkt nicht einmal kannte.
Bereits kurze Zeit nach seiner Erhebung zum Bischof von Eichstätt entwickelte sich Gebhard zu einem unentbehrlichen Berater für Kaiser Heinrich III. Der weltliche Herrscher griff sowohl in politischen, rechtlichen als auch in kirchlichen Angelegenheiten zunehmend auf die Ratschläge des jungen Geistlichen zurück, der sich als „absolut zuverlässiger Vertrauensmann“ erwies. Der anonyme Schreiber des Klosters Herrieden betont in besonderem Maße die Tugendhaftigkeit und das geistliche und weltliche Wissen des Bischofs, das ihn vor den anderen Reichsfürsten auszeichnete.
In seiner neuen Rolle suchte er die Nähe zum Kaiser und zog als Mitglied des Hofstaates durch das Reich. Im Zuge der Italien-Reise Heinrichs III. nahm er 1046 an den Synoden von Sutri und Pavia teil, auf denen der salische Herrscher die Kirchenreform weiter vorantrieb. Zudem war er im selben Jahr bei der Papsterhebung Bischof Suitgers von Bamberg in Rom zugegen und begleitete den Kaiser bei dessen Besuchen in Regensburg, Nürnberg und Augsburg. Ebenso wohnte Gebhard der Synode von Mainz bei, die Papst Leo IX. und Heinrich III. im Jahre 1049 zur Bekämpfung von Simonie und Priesterehe abhielten.
Für sein Bischofsamt blieb als ständiges Mitglied des Hofstaates offensichtlich wenig Zeit, da er sich insgesamt viel häufiger am kaiserlichen Hof als in seinem Bistum aufhielt. Außer einer Intervention zugunsten des Klosters Niederaltaich sind keine bedeutenden bischöflichen Handlungen urkundlich überliefert. Ganz offensichtlich maß Gebhard seinen politischen Ambitionen deutlich mehr Bedeutung bei als dem kirchlichen Dienst.
Wachsender Einfluss auf die Reichspolitik – Der Weg zum Papstamt
Politische Fähigkeiten, Reformwille und Nähe zum Kaiser zeichneten Gebhard aus, so dass er etwa um 1050 zum maßgeblichen Berater Heinrichs III. aufstieg. Er entwickelte sich zum Hauptratgeber der Krone und war dem Kaiser in Macht und Einfluss fast ebenbürtig.
Gebhards gewachsene politische Stellung zeigte sich besonders, als er Heinrich III. im Jahr 1053 an einer Unterstützung Papst Leos IX. im Kampf gegen die Normannen hinderte. Ohne den Beistand des Kaisers erlitten die päpstlichen Truppen in der Schlacht von Civitate eine vernichtende Niederlage, nach der Leo IX. in Gefangenschaft geriet. Offenbar war Gebhard ein entschiedener Gegner der Normannenpolitik des Papstes. Die Beweggründe des Bischofs für seine Haltung liegen im Dunkeln. Möglicherweise maß er den Unruhen in Bayern eine höhere Bedeutung zu, die mit der Absetzung des Herzogs Konrad I. von Bayern durch Heinrich III. vorerst ihren Höhepunkt fanden. Das Herzogtum wurde den beiden unmündigen Söhnen des Kaisers – zuerst Heinrich IV. und nach dessen Wahl zum König seinem jüngeren Bruder Konrad – übertragen. Als deren Vormund wurde an Weihnachten 1053 Gebhard von Eichstätt eingesetzt, dem als Regent die Stabilisierung Bayerns oblag. So führte er zum Beispiel einen erfolgreichen Feldzug gegen die Grafen von Scheyern, die an den Auseinandersetzungen maßgeblich beteiligt waren. Faktisch bewirkte jenes politische Amt eine erhebliche Machtsteigerung des Bischofs.
Der steile Aufstieg Gebhards ist insofern erstaunlich, als Eichstätt eigentlich als ein relativ unwichtiges Bistum galt. Die starke Einbindung in die Reichspolitik hatte jedoch zur Folge, dass er sein Bischofsamt zunehmend vernachlässigen musste. Er beschränkte sich vor allem auf die Förderung der Domschule, deren Schüler er Malereien anfertigen und diese in der neu errichteten Kapelle aushängen ließ. Ferner beabsichtigte er einen Neuaufbau der von Bischof Herbert hinterlassenen Domruine, konnte ihn jedoch zu Lebzeiten nicht mehr vollenden. Es steht fest, dass die häufige Abwesenheit des Bischofs für die Entwicklung Eichstätts nicht förderlich war. Dementsprechend sind offenbar die bedeutenden Gebiete- und Rechteschenkungen, die der Kaiser dem Bistum in den Jahren 1053 und 1055 zusicherte, als Entschädigungen anzusehen.
Nach dem Tod Leos IX. im April 1054 wurde der Heilige Stuhl vakant. Gemeinsam mit einer römischen Gesandtschaft unter dem Vorsitz des Diakons Hildebrand – des späteren Papstes Gregor VII. – beriet sich Heinrich III. auf einem Hoftag in Mainz über die Neubesetzung. Der Kaiser nutzte sein Designationsrecht und schlug im September 1054 Gebhard als Nachfolger Leos IX. vor. Von dieser Praxis hatte er bereits bei der Wahl der deutschen Päpste Clemens II., Damasus II. und Leo IX. Gebrauch gemacht. Gebhards politische Fähigkeiten und sein enges Verhältnis zum Herrscher qualifizierten ihn offenbar zum idealen Kandidaten für den Salier.
Bemerkenswerterweise knüpfte Gebhard jedoch Bedingungen an die Annahme des Amtes und erbat sich Bedenkzeit. Er forderte von Heinrich III. nicht nur die Rückgabe von Kirchengütern, sondern auch die Beibehaltung seines Bistums. Dies war eine durchaus übliche Praxis, hatten doch seine deutschen Vorgänger im Papstamt ebenfalls ihre Heimatbistümer behalten dürfen.