An diesem Tag

Vierter Koalitionskrieg

Krieg Preußens und Russlands gegen Frankreich unter Napoléon, 1806–1807

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Der Vierte Koalitionskrieg, auch Dritter Napoleonischer Krieg oder Feldzug gegen Preußen fand in den Jahren 1806 und 1807 zwischen Frankreich und den mit ihm verbündeten Staaten wie den Mitgliedern des Rheinbundes auf der einen Seite und im Wesentlichen Preußen und Russland auf der anderen Seite statt. Der alte preußische Staat brach nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 zusammen. Der Hof floh nach Ostpreußen. Die Hauptlast des Krieges lag nunmehr bei Russland. Nach der entscheidenden Niederlage gegen Napoleon in der Schlacht bei Friedland beendete der Frieden von Tilsit den Krieg. Preußen verlor dabei fast die Hälfte seines Gebietes, musste hohe Kriegsentschädigungen leisten und sank auf den Status eines minder mächtigen Staates herab. Dagegen befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Der Dritte Koalitionskrieg endete mit dem Ausscheiden Österreichs aus dem Bündnis im Diktatfrieden von Pressburg. Vor allem Großbritannien und Russland setzten den Krieg fort. Verbunden war der Friede für Österreich mit Gebietsverlusten in Italien, der Bildung des Rheinbundes und der damit zusammenhängenden Auflösung des Heiligen Römischen Reiches. Preußen hatte sich seit dem Ersten Koalitionskrieg von den antifranzösischen Koalitionen ferngehalten. Im Dritten Koalitionskrieg hatte das Land aber ein Bündnis mit Russland geschlossen und stand kurz vor dem Kriegseintritt, als die Koalition auseinanderbrach. Preußen musste den Vertrag von Schönbrunn vom 15. Dezember 1805 mit Frankreich unterzeichnen. In der Hoffnung, die Bedingungen zu eigenen Gunsten noch zu verbessern, ratifizierte es den Vertrag nicht. Stattdessen musste es das Traktat von Paris vom 15. Februar 1806 akzeptieren. Darin war zwar nicht mehr von einer Defensiv- und Offensivallianz mit Frankreich die Rede, aber die materiellen Bedingungen für Preußen waren härter. Es hatte Kleve und Neuchâtel mit Valengin abzutreten. Ohne Entschädigung fiel das Fürstentum Ansbach an das Königreich Bayern. Preußen hatte das mit Großbritannien in Personalunion verbundene Kurfürstentum Hannover zu übernehmen und die Häfen für die Engländer zu verschließen. Auch hatte es die Integrität des Osmanischen Reiches mit zu gewährleisten, was die Gefahr eines Konfliktes mit Russland bedeutete. Das Ziel Napoleons war, dass Preußen und England sich als Feinde gegenüberstünden. Tatsächlich kam es nach dem Pariser Traktat zur Kriegserklärung von Großbritannien an Preußen. Noch vor der offiziellen Kriegserklärung wurden preußische Schiffe in britischen Häfen festgesetzt oder auf See aufgebracht. Auf Druck von England erklärte auch Schweden Preußen den Krieg.

In Großbritannien verstarb Premierminister Pitt. Ihm folgte Grenville, dessen Regierung sich gegenüber Frankreich kompromissbereiter zeigte. Daraufhin bot Napoleon Großbritannien die Rückgabe von Hannover für einen Friedensschluss an. Zwar kam es nicht dazu, aber dieses Vorgehen verstärkte in Preußen das Misstrauen gegenüber Napoleon. Die preußische Regierung musste auch die Gründung des Großherzogtums Berg aus teilweise ehemaligen preußischen Gebieten im westlichen Deutschland zur Kenntnis nehmen. Dadurch wurde die preußische Politik nach Osten abgedrängt. Die Gründung des Rheinbundes führte ebenfalls zu einer Verschlechterung der Beziehung zu Frankreich, bedeutete dies doch das Ende des Plans, einen norddeutschen Bund unter preußischer Führung zu gründen. Preußen begann Fühlung mit Russland aufzunehmen. Alexander I. sagte zu, alles zu tun, um die Integrität und Unabhängigkeit Preußens zu schützen, wenn das Land im Gegenzug der russischen Politik gegenüber dem Osmanischen Reich nicht entgegenstehen würde. Russland vermittelte daraufhin erfolgreich zwischen Preußen und Schweden.

In Preußen wuchs die Befürchtung, dass das Land zum Ziel der napoleonischen Hegemonialpolitik werden könnte. Bereits im Zusammenhang mit dem Vertrag von Schönbrunn hatte Prinz Louis Ferdinand geäußert: „Wir werden Krieg haben, und statt ihn mit Glanz zu führen, wie wir hätten tun sollen, wird die Last auf uns fallen.“ Nach dem Bekanntwerden des Angebots der Rückgabe Hannovers an Großbritannien wuchs in Preußen die Bereitschaft zum Krieg. Hatten sich noch während des Dritten Koalitionskrieges eine Kriegs- und eine Friedenspartei die Waage gehalten, setzte sich nun die Kriegspartei durch. Auch der bislang zögerliche König Friedrich Wilhelm III. war dazu nun bereit. Daraufhin kam es zu einem preußisch-russischen Bündnis. Dies war der Beginn der Vierten Koalition. Preußen begann Anfang August 1806 mit der Mobilisierung der Armee, hoffte aber immer noch, den Krieg vermeiden zu können. Auf französischer Seite nahm man anfangs die von Preußen ausgehende Gefahr nicht so recht ernst. Napoleon äußerte: „Der Gedanke, Preußen könnte sich allein mit mir einlassen, erscheint mir so lächerlich, dass er gar nicht in Betracht gezogen zu werden verdient.“

König Friedrich Wilhelm III. stand unter enormem Druck vieler Mitglieder seiner eigenen Umgebung, sich endlich für den Krieg gegen Frankreich zu entscheiden. Am 2. September 1806 erhielt der König eine Denkschrift, die seine bisherige Politik kritisierte und auf Krieg drängte. Unter den Unterzeichnern befanden sich Verwandte Friedrich Wilhelms wie Prinz Louis Ferdinand, die Brüder des Königs Heinrich und Wilhelm sowie der Prinz von Oranien. Sie warfen dem König vor, das Heilige Römische Reich im Stich gelassen und die Glaubwürdigkeit seines Ehrenwortes geopfert zu haben. Friedrich Wilhelm III. forderte die Mitglieder der Kriegspartei auf, die Hauptstadt zu verlassen und zu ihren Regimentern zurückzukehren.

Allerdings führten die vorsorglichen französischen Kriegsvorbereitungen zu einer unerwarteten Reaktion. Am 1. Oktober 1806 richtete der preußische König, dem der Vorwurf des Treuebruchs durch seine Verwandten keine Ruhe ließ, ein Ultimatum an Napoleon. Darin forderte er den Kaiser auf, den Neutralitätspakt einzuhalten, die preußischen Territorien am Niederrhein herauszugeben und die französischen Truppen hinter den Rhein zurückzuziehen. Dies war gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung. Napoleon antwortete mit einem aggressiven Brief, in dem er dem König von jedem Waffengang abriet und ihm ansonsten seine militärische Niederlage voraussagte.

Die preußische Armee orientierte sich noch immer an der ruhmreichen Vergangenheit unter Friedrich II. Tatsächlich aber war sie im Gegensatz zum potentiellen Gegner Frankreich inzwischen kriegsunerfahren. Auch fehlte es an guten Generälen. Ein beträchtlicher Teil der Armee, rund 33.000 Mann, zog nicht in den Krieg, sondern verblieb in den bis 1793 und 1795 polnisch gewesenen Gebieten, wo man einen Aufstand befürchtete. So zählte das preußische Feldheer rund 140.000 Mann. Verstärkungen kamen vom Kurfürstentum Sachsen (22.000 Mann) und von Sachsen-Weimar (1600 Mann). Der Oberbefehl lag beim Herzog von Braunschweig. Der König selbst begab sich zur Armee, was zu Unstimmigkeiten über die Befehlsgewalt führte. Napoleon verfügte noch aus dem Vorjahr über voll einsetzbare sechs Korps seiner Grande Armée, die in Süddeutschland zwischen Passau und Frankfurt am Main standen. Diese waren weniger zersplittert als die Preußen und waren auch zahlenmäßig überlegen. Sie zählten mit einem bayerischen Hilfskontingent zwischen 170.000–192.000 Mann.

Die Preußen warteten die Ankunft von russischen Unterstützungskräften nicht ab. Die Armee unter Hohenlohe-Ingelfingen und die Hauptarmee unter von Braunschweig sollten sich in Thüringen vereinigen. Napoleon reagierte rasch. Die französischen Armeen rückten in Richtung Thüringen vor, um der Vereinigung der preußischen Truppen zuvorzukommen.

Bei Schleiz kam es am 9. Oktober zu einem ersten Gefecht. Am 10. Oktober kam es zum Gefecht bei Saalfeld, in dem Prinz Louis Ferdinand getötet wurde. Damit war auch die Vereinigung der preußischen Truppen gescheitert. Nur vier Tage später griff Napoleon die preußischen Truppen unter Befehl von General Hohenlohe bei Jena an und schlug sie vernichtend. Marschall Davout besiegte am selben Tag die preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig bei Auerstedt. Die preußischen Truppen waren in Auflösung begriffen und flohen vor der sie verfolgenden gegnerischen Kavallerie. Die sächsischen Truppen kehrten in ihre Heimat zurück.

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