Die Vestmannaeyjar (deutsch: Westmännerinseln) sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs 10 bis 30 Kilometer südlich der isländischen Küste, die aus 14 Inseln, 30 Schären und 30 Felsen bestehen.
Das Gebiet, das sich in der isländischen Region Suðurland befindet, bildet die Gemeinde Vestmannaeyjabær mit 4523 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023).
Das Landnahmebuch berichtet von den beiden befreundeten Clanoberhäuptern Ingólfur Arnarson und Hjörleifur Hróðmarsson, die laut dieser Quelle zu den ersten Siedlern Islands gehörten. Demnach siedelte sich Hjörleifur zunächst auf dem Mýrdalssandur in der Nähe des Inselberges Hjörleifshöfði an. Er wurde aber kurz darauf von zwei seiner irischen Sklaven erschlagen. Diese nahmen ein Boot und flüchteten nach Westen an der Küste entlang und dort zu Inseln, die sie da im Meer liegen sahen. Ingólfur verfolgte die Sklaven und fand sie auf der größten der Inseln, der heutigen Insel Heimaey, während sie beim Essen saßen. Einige tötete er auf der Stelle, andere konnten auf die umgebenden Klippen entkommen.
Da nun die norwegischen Siedler die Leute von den Britischen Inseln als Vestmenn (deutsch: „Leute aus dem Westen“) bezeichneten, heißen die Inseln seither Vestmannaeyjar.
Allerdings haben Historiker diese Geschichte in Zweifel gezogen und wandten ein, dass der Begriff Vestmenn im Altisländischen im Gegenteil Leute nordischen, also wikingischen Ursprungs bezeichnete, die sich auf den Britischen Inseln niedergelassen hatten. Dies könnte in diesem Zusammenhang darauf schließen lassen, dass die Westmännerinseln schon vor der eigentlichen Besiedelung ab und zu von Wikingern etwa aus Norwegen als vorübergehender Aufenthaltsort, z. B. auf Fischereiexkursionen, benutzt wurden.
Geografie: Die Inselkette der Vestmannaeyjar
Es handelt sich um eine vulkanische Inselkette im Süden Islands mit eigenem Vulkansystem, die sich südlich des Eyjafjallajökull in südwestliche Richtung in den Atlantik hinaus erstreckt.
Das großenteils submarine Vulkansystem misst in der Länge etwa 38 km, in der Breite 30 km – was auch in etwa der Länge und Breite der Inselkette entspricht.
Die Inselkette umfasst je nach Autor 15 bis 18 Inseln und etwa 30 Schären.
Heimaey [ˈhɛi̯maɛi̯] stellt mit einer Fläche von 14,5 km² die mit Abstand größte und als einzige ständig bewohnte Insel dar. Auf ihr befindet sich die Stadt Vestmannaeyjar (gleichnamig zur Inselgruppe).
Bei Surtsey handelt es sich um die zweitgrößte Insel mit einer Fläche von 1,41 km² (2004), die 1963 bei einem Vulkanausbruch entstanden ist und etwa 15 km südwestlich von Heimaey liegt.
Kleinere Inseln sind Elliðaey mit einer Fläche von 0,45 km², Bjarnarey mit einer Fläche von 0,32 km², Álfsey mit einer Fläche von 0,25 km², Suðurey mit einer Fläche von 0,20 km², Brandur und Hellisey mit einer Fläche von je 0,1 km², Súlnasker mit einer Fläche von 0,03 km², Geldungur mit einer Fläche von 0,02 km², Geirfuglasker (deutsch „Riesenalk-Schäre“) mit einer Fläche von 0,02 km².
Die Inseln Hani (deutsch: „Hahn“), Hæna (deutsch: „Henne“) und Hrauney sowie die Schäre Grasleysa werden Smáeyjar (Kleininseln) genannt. Surtsey ist die südlichste und Elliðaey die nördlichste Insel. Im Nordwesten vorgelagert sind die Untiefen um Þrídrangar, an denen der Schifffahrtsweg nach Heimaey vorbeiführt.
Das Vulkansystem der Vestmannaeyjar
Die Westmännerinseln sind Teil eines eigenständigen, nach ihnen benannten Vulkansystems.
Das mit ihnen verbundene und hauptsächlich submarine Vulkansystem umfasst eine Fläche von etwa 30 × 40 km im Atlantik vor der südisländischen Küste mit Inseln und submarinen vulkanischen Erscheinungsformen wie Kratern und submarinen Lavafeldern, die z. B. bei Stóra-Hraun bekannte Untiefen bilden.
Das Vulkansystem bildet das südliche Ende der östlichen Vulkanzone von Island (in der englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur: EVZ – Eastern Volcanic Zone).
Die ältesten Gesteine sind ca. 70.000 bis 100.000 Jahre alt, woraus sich das Alter des Vulkansystems erschließen lässt. Es gehört damit zu den jüngsten in Island.