Das Verkehrsmuseum Nürnberg ist das Museum der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH. Es betreibt zwei Außenstellen in Koblenz-Lützel (DB Museum Koblenz) und Halle (Saale) (DB Museum Halle). Das Verkehrsmuseum gehört zu den ältesten technikgeschichtlichen Museen in Europa und ist das älteste im deutschsprachigen Raum. Es ist ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur.
Im Hauptgebäude befindet sich auch das Museum für Kommunikation Nürnberg.
Königlich Bayerische Staatseisenbahnen
Die Anfänge des Museums waren bescheiden: In München richteten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen 1882 ein kleines Museum für bayerische Eisenbahngeschichte ein. Es war zunächst nur für Bahnbeschäftigte zugänglich, ab 1885 wurde es für das allgemeine Publikum geöffnet – jeden Mittwochnachmittag von Mai bis Oktober. Zunächst wurden nur Modelle im Maßstab 1:10 ausgestellt. Diese Modelle entsprachen in Aussehen und Funktion dem Original. Dieser Weg wurde nach dem Umzug nach Nürnberg weiter beschritten.
Der geschichtsbewusste Nürnberger Bürgermeister Georg von Schuh konnte die eisenbahnhistorische Sammlung von München nach Nürnberg holen. Als ersten Standort überließ er der Bahnverwaltung unentgeltlich einen leerstehenden Ausstellungspavillon im Bereich der heutigen Norishalle am Marientorgraben. Am 1. Oktober 1899 wurde das Königlich Bayerische Eisenbahnmuseum in Nürnberg eröffnet.
1901 erfolgte die Umbenennung in Königlich Bayerisches Verkehrsmuseum, da eine neue Abteilung für Post und Telegrafie eröffnet wurde. Die Verbindung von Bahn- und Postmuseum spiegelt die damaligen staatlichen Verwaltungsstrukturen. In Bayern unterstanden die Eisenbahn sowie das Post- und Telegrafenwesen auch nach der Reichsgründung von 1871 als Reservatrecht weiterhin dem bayerischen Staat und wurden von einem Ministerium gemeinschaftlich verwaltet.
Das stetig wachsende Museum benötigte schon bald mehr Platz. Die Stadt Nürnberg half abermals, indem sie der Bahn unentgeltlich einen Bauplatz an der Lessingstraße überließ und einen Teil der Baukosten für das neue Museumsgebäude übernahm. 1911 wurde dafür ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Der erste Spatenstich erfolgte im Sommer 1914. Kurz darauf unterbrach der Erste Weltkrieg die Bauarbeiten.
1920 wurden die beiden Museumsabteilungen getrennt und unterschiedlichen Behörden zugeordnet, die Eisenbahnabteilung dem für die Deutsche Reichsbahn zuständigen Reichsverkehrsministerium, die Post- und Telegrafenabteilung dem Reichspostministerium. Beide Museen weiteten ihre Sammlung nun von der bayerischen auf die gesamtdeutsche Entwicklung aus.
Das neue Gebäude an der Lessingstraße wurde erst 1925 fertiggestellt und wies nun eine für die 1920er Jahre völlig veraltete Architektur auf. Der Neubau verfügte über 8000 m² Ausstellungsfläche, 6650 m² für die Bahn und 1350 m² für die Post und Telegrafie. Zum 22. April 1925 eröffnete das Museum. Dazu erschien ein Museumsführer und eine Festnummer der Zeitschrift Das Bayerland. Museumsleiter war in der Zeit der Weimarer Republik Oskar Böttinger.
1935 bekam das Museum im Zuge der Festveranstaltung 100 Jahre Deutsche Eisenbahnen mit dem Nachbau des ersten in Deutschland gefahrenen Zuges, dem „Adler“, und einigen zugehörigen Wagen der ersten, zweiten und dritten Klasse, ein besonderes Schaustück.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurde das Museum geschlossen. Das Gebäude in der Lessingstraße erhielt bei Luftangriffen zwischen 1943 und 1945 mehrmals schwere Treffer. In den letzten Kriegstagen kam es zu Plünderungen.
Teile des Museums waren ab 1953 wiedereröffnet, aber erst in den 1960er Jahren wieder alle Räume zugänglich. Im ehemaligen „Schmuckhof“ wurde der „Adlersaal“ eingerichtet. Hier wurde der Nachbau präsentiert, auf einem Gleisstück die Lokomotive mit Tender, gegenüberliegend je ein Wagen der ersten und dritten Klasse. Die Exponate waren auf Pilzschienen mit sogenannten Chairs mit Pflasterung gemäß der ersten Oberbauausführung von 1835 zu sehen.
Organisatorisch unterstand die Bahnabteilung des Museums der Bundesbahndirektion Nürnberg. Im ersten Jahr wurden knapp 18.000 Besucher gezählt. 1969 lag die Zahl der Besucher bei mehr als 90.000.
1973 wurde ein von Alois Wünsche-Mitterecker 1954 für die Schalterhalle des (damals) neuen Empfangsgebäudes des Würzburger Hauptbahnhofs geschaffenes monumentales Wandbild im Foyer zum Vortragssaal angebracht. Es zeigt beherrschend eine Dampflokomotive, deren Inneres teilweise wie in einer technischen Zeichnung dargestellt ist. Die Lokomotive wird von mehreren Arbeiter-Figuren umgeben, die bei Tätigkeiten im Bereich der Bahn und der Schwerindustrie zu sehen sind. Die Kritik an dem Kunstwerk war in Würzburg vehement: Die Lokalpresse sprach von „Fratzengemälde“ und „Hohngebilden“ und störte sich an der Modernen Kunst. Die Deutsche Bundesbahn ließ das Bild deshalb bereits 1958 wieder abnehmen – angeblich weil sich durch Erschütterungen des Bahnverkehrs Platten gelöst hätten. Das Wandbild wurde im Verkehrsmuseum allerdings verändert montiert, weil weniger Platz zur Verfügung steht als in Würzburg. Die Lokomotive wird vollständig gezeigt, allerdings nur ein Teil der sie ehemals umgebenden Figuren. Farbliche Veränderungen wurden vorgenommen und das Bild füllt alle Wände des Raums, statt – wie ehemals in Würzburg – eine einzige große Fläche einzunehmen.
In den Jahren vor 1985 erhielt das Museum im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung 150 Jahre Deutsche Eisenbahnen eine umfassende Neugestaltung und Erweiterung. Auch die zweite Fahrzeughalle kam hinzu. Der auch historisch sehr interessierte damalige Präsident der Bundesbahndirektion Nürnberg, Horst Weigelt, arbeitete an der neuen Konzeption mit. Das Museum wurde am 7. Dezember 1984 vom damaligen Bundesverkehrsminister Werner Dollinger eingeweiht.
Auch in der Folgezeit wurde das Museum weiter ausgebaut, 1986 um „Die Reichsbahn unter der NS-Diktatur“ ergänzt, 1987 die Ausstellung zur Deutschen Bundesbahn neu eröffnet. 1991–1993 kam das Freigelände mit dem alten Rangierstellwerk 7 des Nürnberger Rangierbahnhofs (Baujahr 1909) hinzu, 1993 wurde das ehemalige Stellwerk 2 von Nürnberg Hauptbahnhof in das Freigelände integriert.
Deutsche Bahn / Deutsche Bahn Stiftung
Am 1. Juli 1996 übernahm die Deutsche Bahn AG das Museum vom Bundeseisenbahnvermögen zum symbolischen Kaufpreis von einer Mark. Gleichzeitig übernahm Jürgen Franzke, zuvor Leiter des Museums Industriekultur in Nürnberg, nun die Leitung des DB-Museums. Die DB AG plante zu diesem Zeitpunkt, bis zum 100-jährigen Jubiläum des Museums sechs Millionen DM in das Museum zu investieren.