An diesem Tag

Vergil

Römischer Dichter

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Publius Vergilius Maro, deutsch gewöhnlich Vergil, spätantik und mittellateinisch Virgilius und später im Deutschen auch Virgil (* 15. Oktober 70 v. Chr. bei Mantua; † 21. September 19 v. Chr. in Brindisi), war ein römischer Dichter und Epiker, der während der Zeit der Römischen Bürgerkriege und des Prinzipats des Octavian (ab 27 v. Chr. Augustus) lebte. Er gilt als wichtigster Autor der klassischen römischen Antike und ist ein Klassiker der lateinischen Schullektüre. Neben Horaz und Lucius Varius Rufus, mit denen zusammen er zum Kreis des Gaius Maecenas gehörte, sowie den Elegikern Gaius Cornelius Gallus, Properz und Tibull dürfte Vergil bereits unter Zeitgenossen zu den bekanntesten Dichtern der „augusteischen Literatur“ gezählt haben. Seine Werke, die Eclogae (auch Bucolica), die Georgica und die Aeneis und deren Gedanken revolutionierten die lateinische Dichtung und sind kurz nach seinem Tode immer wieder abgeschrieben, herausgegeben, kommentiert und intertextuell verarbeitet worden.

Das Epos Aeneis liefert den Gründungsmythos bzw. die Vorgeschichte zur Gründung der Stadt Rom unter Verarbeitung der mythologischen Stoffe aus den homerischen Epen Ilias und Odyssee. Die Aeneis löste damit die Annales des Quintus Ennius quasi als römisches Nationalepos ab.

So vielfältig und so spektakulär die Legendenbildungen um die Vita des eher zurückgezogen lebenden Dichters Vergil bereits zu seinen Lebzeiten waren (und dann besonders in den spätantiken Viten), so wenig Gesichertes ist von seinem Leben bekannt. Zahlreiche Rückschlüsse auf Vergils Leben stammen aus Andeutungen in seinen eigenen Werken. Diese losen Fakten jedoch im Lichte seiner Werke zu interpretieren wäre ein Zirkelschluss. Aus der Spätantike sind eine Reihe von Vergilviten erhalten, darunter kleinere Passagen im Vergilkommentar des Grammatikers Maurus Servius Honoratus und die Vita Donati, die in ihren Angaben auf die Vita Vergili des römischen Archivars Gaius Suetonius Tranquillus und einige weitere gemeinsame Quellen, die nicht mehr erhalten sind, zurückgehen könnte. Das Grabepigramm an der Via Puteolana zwischen Neapel und Puteoli, ein elegisches Distichon, das Vergils Leben und Werk gleichermaßen bedenkt, betont eindrücklich die gesamtitalischen Verdienste des Dichters:

Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc

Parthenope; cecini pascua, rura, duces.

Mantua brachte mich hervor, Kalabrien raffte mich hinweg, nun birgt mich

Neapel. Ich besang Weiden, Felder, Herrscher.

Die Stationen seiner Werke, die er in mehr oder weniger gesicherter zeitlicher Abfolge schrieb, geben zugleich die Stationen seines Lebens wieder, die sich über ganz Italien erstrecken. Während er die Kindheit und Jugend im Norden (Mantua und Poebene) verbrachte und im Süden Italiens starb, wirkte und wirkt er weiter im Herzen Italiens, in seinem Wohnsitz Neapel.

Vergil führte die lateinische Sprache zu einer neuen Blüte. Er schrieb wie sein Vorgänger Quintus Ennius ein Epos mit über 12.000 Versen, wobei er in den Gestaltungsprinzipien der Tradition der alexandrinischen und neoterischen Dichtung folgte. Als poeta doctus („gelehrter Dichter“) arbeitete er cum lima („mit der Feile“) an seinen Werken und übersäte sie mit Anspielungen auf seine Vorgänger. Quintilian berichtet nach Aussagen des Lucius Varius Rufus, Vergil habe nur wenige Verse am Tag geschrieben, die er meist morgens verfasste, um sie am Nachmittag durchzusehen und am Abend wieder zusammenzustreichen. Er war in den unterschiedlichen philosophischen Lehren ebenso versiert wie in der Mythologie und den literarischen Gattungen, in denen seine Vorgänger geschrieben hatten.

Vergils Werke boten zahlreichen späteren Strömungen aus Kunst und Literatur Vorlagen und einen reichen Ideenfundus. Ein berühmtes Beispiel ist der 69. Vers der zehnten Ekloge Omnia vincit amor, et nos cedamus amori, den Vergil zum Andenken an das Werk seines Freundes Gaius Cornelius Gallus schrieb und den sich Minnesänger des 13. und 14. Jahrhunderts zum Wahlspruch nahmen.

Vergil wurde als Sohn der Magia Polla und des Töpfers Vergilius Maro auf einem Landgut bei Mantua in Norditalien geboren. Die Lokalisierung seines Geburtsorts ist umstritten. Sie liegt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im früheren Pietole, wo keine Funde auf ein Landgut oder einen Besitz der Familie hindeuten. Gewöhnlich wird das Dorf Andes bei Mantua genannt. Die nahe Verbindung zum Landleben und zur bäuerlichen Welt wird später immer wieder sein Werk beeinflussen.

Zeitgenössische Hinweise auf Vergils Jugendjahre und seine Ausbildung finden sich fast ausschließlich in seinen eigenen Werken. Die meisten Fakten stammen erst von Sueton. Nach diesem erhielt Vergil die Toga virilis zum Eintritt ins Mannesalter mit 15 Jahren. Er weilte zu dieser Zeit in Cremona in einer Rhetorenschule. Eine umstrittene Frage ist, welche Rolle das Catalepton, ein ehemals Vergil zugeschriebenes Gedichtcorpus, das möglicherweise in die frühe Kaiserzeit datiert, hierbei spielt. Die dortigen Epigramme V und VIII berichten von Vergils Abfahrt von Cremona (V) zum Landgut des Epikureers Siro (VIII) in der Nähe von Neapel. Den Epigrammen zufolge wendete er sich zu dieser Zeit von der Rhetorik ab und der Dichtung zu (den Carmina). Die Echtheit des gesamten Gedichtcorpus ist zwar umstritten, sie datieren jedoch früher als die Aufzeichnungen Suetons. Diese erwähnen zusätzlich zu Vergils Ausbildung in Cremona einen Aufenthalt in Mailand und anschließend 53 v. Chr. die direkte Übersiedlung nach Rom. Sueton zufolge hat Vergil erst in dieser Zeit das Catalepton verfasst und außerdem Mathematik und Medizin studiert.

Jenseits seiner frühen Zuwendung zur Dichtung scheint Vergil rhetorisch unbegabt gewesen zu sein. Neben der Beschwerde über den drögen Redestoff im Catalepton überlieferte Ovid eine praefatio aus den Controversiae des Rhetoriklehrers Seneca maior, der Vergil als unbegabten Prosaiker und Redner darstellt. Sueton zufolge übte Vergil sich nach den Angaben eines Melissus einmal als Redner vor Gericht und sprach dort sehr langsam, fast wie ein Ungebildeter.

Zu Beginn der 40er Jahre des 1. Jahrhunderts v. Chr. weilte Vergil in Rom und Neapel, von wo aus er sein frühestes Werk, die Eklogen verfasste. Es ist möglich, dass er zu dieser Zeit engere Verbindungen zu neoterischen Dichterkreisen aufbaute, fast sicher kann eine Freundschaft mit den elegischen Dichtern Sextus Propertius und Cornelius Gallus gelten. Erst in den Eklogen tauchen weitere Bekanntschaften Vergils auf, die Genaueres über seine Stellung als Dichter in Rom verraten. Die sechste Ekloge nennt Varius Rufus und Gaius Helvius Cinna als großartige Dichter und Vorbilder. Die dritte Ekloge nennt Vergils damaligen Gönner Gaius Asinius Pollio.

In der Folge der Politik des zweiten Triumvirats führte Octavian, der spätere princeps, 40 v. Chr. Landenteignungen durch, die die Veteranen aus den Bürgerkriegen gegen die Republikaner entschädigen sollten. Vergils Familie in Mantua war von diesen Enteignungen betroffen. Die erste Ekloge thematisiert die Betroffenheit von einer solchen Vertreibung. Wie problematisch jedoch der Bezug der Eklogen auf Vergils Erlebnisse um die Landenteignungen ist, zeigt die neunte Ekloge. Hier erhält ein Dichter für seine Verdienste sein enteignetes Land zurück. Dafür, dass Octavian Vergils Familie das Land zurückerstattet habe, fehlt jedoch jede weitere Quelle, zumal der Dichter in derselben Ekloge Mantua betrauert, wohin er danach nie wieder zurückkehrte (Mantua, vae miserae nimium vicina Cremonae). Die letzte Erwähnung Mantuas findet sich in den Georgica.

Vergil gehörte in den 30er Jahren zu einem Dichterkreis um den Kunstförderer Gaius Maecenas, einem Offizier Octavians. Horaz erwähnt ihn neben Plotius Tucca und Varius Rufus in seinen Satiren. Varius und Vergil hätten ihn bei Maecenas vorgeschlagen. Die Dichter begleiteten Maecenas oft auf Reisen und zu politischen Anlässen. Zur Übereinkunft der beiden Triumvirn Marcus Antonius und Octavian reisten sie zusammen mit Maecenas nach Brundisium, sie wurden zu Rezitationen in sein Haus am Esquilin geladen oder machten Ausflüge zu seiner Villa in Capua. Vergil schrieb zu dieser Zeit an den Georgica, seiner Schrift über den Landbau, die Maecenas gewidmet ist. In diese Zeit fällt auch Octavians Sieg in der Schlacht bei Actium 31 v. Chr. Dieser empfing im ersten Buch der Georgica eine außerordentliche Ehrung von Vergil und einen Lobpreis auf seine Göttlichkeit. Im dritten Buch der Georgica erwähnt der Dichter, ein Epos für die ruhmvollen Taten Octavians zu schreiben. Ob dies im direkten Zusammenhang mit der bald nach 35 v. Chr. begonnenen Aeneis steht, also die Absicht des Autors wiedergibt, ist durch fehlende Quellen nicht zu entscheiden.

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