Der Verfassungskonvent der Vereinigten Staaten (englisch Constitutional Convention oder Philadelphia Convention) tagte vom 25. Mai bis 17. September 1787 im Pennsylvania State House in Philadelphia und entwarf die Verfassung der Vereinigten Staaten.
Die dreizehn ehemaligen Kolonien, die sich 1776 zu den Vereinigten Staaten zusammengeschlossen und für unabhängig erklärt hatten, bildeten zunächst einen losen Staatenbund. Dessen Regierungssystem mit dem Konföderationskongress als zentralem Organ erwies sich jedoch als wenig effektiv. Der Kongress beauftragte den Verfassungskonvent ursprünglich nur damit, die Konföderationsartikel zu reformieren, auf denen die Regierung der jungen USA bis dahin beruhte. Delegierten wie James Madison aus Virginia oder Alexander Hamilton aus New York war jedoch klar, dass eine völlig neue Verfassung erforderlich sein würde. Zum Vorsitzenden wählte die Versammlung George Washington aus Virginia, den ehemaligen kommandierenden General der Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783), der eine starke Zentralregierung befürwortete.
Es wurden mehrere Verfassungsmodelle vorgeschlagen und diskutiert, darunter James Madisons Virginia-Plan und William Patersons New-Jersey-Plan. Weitgehend einig waren sich die Delegierten von Beginn an, dass die neue Bundesregierung nach den Grundsätzen der Gewaltenteilung aus Legislative, Exekutive und Judikative gestaltet werden sollte. Auch über deren Aufgaben war man sich weitgehend einig. Intensiv und gegensätzlich debattiert wurden dagegen folgende Fragen:
Zusammensetzung und Wahlverfahren des Senats als gesetzgebendes Oberhaus im Zweikammersystem des Kongresses;
Festlegung der „proportionalen Repräsentation“ auf der Grundlage der Fläche oder der Bevölkerungszahl eines Bundesstaates, Einbeziehung der Sklaven in die Bevölkerungszahl;
Ausübung der Exekutivgewalt durch ein Komitee aus drei Personen oder durch eine einzige oberste Führungskraft, den Präsidenten;
Wahlverfahren, Amtszeit, Anzahl der Amtszeiten des Präsidenten; mögliche Gründe für ein Amtsenthebungsverfahren;
Wahl der Richter durch die Legislative oder Exekutive;
Regelung bezüglich geflüchteter Sklaven sowie die Zulässigkeit einer Abschaffung des Sklavenhandels.
Mitte Juli war im Connecticut-Kompromiss soweit Einigkeit erzielt worden, dass am 24. Juli 1787 ein Committee of Detail beauftragt wurde, einen ersten ausformulierten Verfassungsentwurf zu erstellen. Bis dieser vorlag, vertagte sich der Konvent. Ab dem 6. August wurden weitere Detailfragen debattiert, bis Anfang September ein Committee on Style die endgültige Fassung aufsetzen konnte, die auf Pergament festgehalten wurde. Sie wurde am 17. September 1787 vom Konvent verabschiedet und von 39 seiner 55 Delegierten unterschrieben. Bis Ende 1788 ratifizierten die meisten Staaten die neue Verfassung, die am 4. März 1789 in Kraft trat.
Schwäche des Konföderationskongresses
1787 lebten ca. 4 Millionen Menschen auf dem Gebiet der 13 unabhängigen Staaten. Grundlage der gemeinsamen Regierung waren die vom Zweiten Kontinentalkongress aufgestellten Articles of Confederation and Perpetual Union, die 1776 vorgeschlagen, 1778 im Kontinentalkongress verabschiedet, jedoch erst 1781 von allen Staaten ratifiziert worden waren. Es wurde schnell deutlich, dass der Konföderationskongress unfähig war, die zwischen einzelnen Staaten aufkommenden Konflikte zu schlichten. Gemäß Artikel 13 der Konföderationsartikel konnten diese nur einstimmig verändert werden, was jedem einzelnen Staat ein Vetorecht zugestand. Da der Konföderationskongress selbst keine Steuern erheben durfte und keine Möglichkeit besaß, Zahlungsansprüche gegenüber den Staaten einzufordern, war sein politischer Handlungsspielraum schmal.
Aufkommende Konflikte zwischen Einzelstaaten
Nachdem im Revolutionskrieg (1775–1783) die Unabhängigkeit gesichert worden war, entwickelten sich die Interessen der einzelnen Staaten in unterschiedliche Richtungen, Streitigkeiten kamen auf: Maryland und Virginia stritten um ihre Grenze am Potomac River. Als Rhode Island Steuern auf den Durchgangsverkehr über die Boston Post Road erhob, schlug James Madison vor, dass die Regierungen der Einzelstaaten Bevollmächtigte für den Binnenhandel ernennen sollten, welche ein einheitliches Handelswesen prüfen sollten. Ein weiterer Anlass zu Reformforderungen war Shays’ Rebellion in Massachusetts, ein von 1786 bis 1787 andauernder, gewaltsam ausgetragener Konflikt um Steuerschulden. In diesem Zusammenhang kam die Forderung nach einer Bundesarmee auf, die den Frieden aufrechterhalten sollte und die Union auch nach außen verteidigen könnte.
Scheitern der Außen- und Handelspolitik
Als bedeutendstes Motiv für die notwendigen Reformen der Föderation wird das Fiasko der Außenpolitik während der Krisenzeit vor der Verfassung angesehen, das nach Globe (2020) „bei den amerikanischen Eliten ein Gefühl von verletzter Ehre erwachsen ließ“.
Die Declaration of Independence hatte als Ziele der amerikanischen Revolution eine unabhängige republikanische Ordnung in den Einzelstaaten verkündet sowie gleichermaßen friedliche Handelsbeziehungen mit der Außenwelt gemäß den Grundsätzen des Völkerrechts. Ziele und Befugnisse der Zentralregierung waren in den Konföderationsartikeln auch schon entsprechend ausgeführt. Es zeigte sich aber, dass die Institutionen der Konföderation weder über hinreichende politische Autorität im Inneren noch über militärische Stärke nach außen hin verfügten. Darüber hinaus erlaubte es der Zustand der Unionsfinanzen nicht, anderen Ländern gegenüber als kreditwürdiger Schuldner aufzutreten.
Da der Kongress bei seinen Entscheidungen weder Rechte noch Sanktionsmöglichkeiten besaß, war das Bündnis der 13 Staaten in seiner bestehenden Ordnung nicht effizient handlungsfähig. Der Kontinentalkongress durfte keine eigenen Steuern erheben und war finanziell auf die Beiträge der Mitgliedsstaaten angewiesen. Die Zolleinnahmen als wichtigste Einnahmequelle blieben bei den Einzelstaaten, so dass die Union nicht über ausreichende eigene Geldmittel verfügte. Der Kongress konnte die Anleihen nicht bedienen, die zur Finanzierung des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs nötig gewesen waren. Die Union durfte keine eigenen Truppen aufstellen und hätte sie auch nicht unterhalten können. Im Bedarfsfall sollten die Bundesstaaten Geld und Truppen stellen – es blieb ihnen überlassen, ob sie dies auch tun würden. Somit blieb die Union zu schwach aufgestellt, um ihre Interessen gegenüber den großen Kolonialmächten durchzusetzen, die immer noch auf dem nordamerikanischen Kontinent präsent waren: Britisches Militär hielt entgegen den Vereinbarungen des Vertrags von Paris (1783) immer noch Forts an der Westgrenze besetzt; begründet wurde dies mit der militärischen Schwäche der Union. Spanien blockierte ungehindert die für den freien Warenverkehr wichtige Schifffahrt auf dem Mississippi. Hamilton beklagte im Federalist Nr. 22, dass der Präsident des britischen Board of Trade in einer Parlamentsdebatte um die zukünftigen Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten geraten habe abzuwarten „ob das amerikanische Regierungssystem zu mehr innerer Geschlossenheit finde oder nicht“.