Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ist der 1924 gegründete Dachverband von 68 traditionell ausgerichteten Narrenzünften der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Räumlich befinden sich die Narrenzünfte in den Regierungsbezirken Freiburg, Tübingen, Stuttgart (alle Baden-Württemberg), Schwaben (Bayern) sowie in vier Kantonen der deutschsprachigen Schweiz. Die VSAN vertritt über 70.000 aktive Narren.
Von der Jahrhundertwende bis Ersten Weltkrieg gab es einen Aufschwung von Ortsfastnachten im schwäbisch-alemannischen Raum. Nachdem die Fasnet 1914 noch vor Kriegsausbruch normal stattfinden konnte, ruhten ab 1915 die fastnächtlichen Aktivitäten, was sich bis in die ersten Nachkriegsjahre zog. Ab 1920 haben in vielen Orten Kriegsheimkehrer darum gebeten, die alten Traditionen auch im Gedenken an die gefallenen Kameraden wieder pflegen zu dürfen. Durch instabile politische Verhältnisse in der Weimarer Republik erteilten die badische und die württembergische Regierung keine Genehmigungen für Fastnachtsveranstaltungen. Im Jahr 1922 gab es für nachweislich historische Narrenzünfte erste Lockerungen, die 1923 bereits wieder zurückgenommen wurden. In dieser Zeit gründeten sich daraufhin auch zahlreiche Narrenzünfte in der Region. Zu dieser Zeit kamen Bedenken auf, dass die traditionelle Fastnacht dauerhaft um ihren Bestand fürchten muss. Daraufhin versammelten sich verschiedene Trägergruppen zu Sondierungen.
Infolgedessen wurde die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte am 16. November 1924 als erster Dachverband der schwäbisch-alemannischen Fastnacht im Stiftskeller in Villingen als „Vereinigung badischer und württembergischer althistorischer Narrenzünfte“ gegründet. Gründungsmitglieder waren 13 Narrenzünfte und -vereine aus Bräunlingen, Donaueschingen, Elzach, Haslach, Hüfingen, Laufenburg, Oberndorf, Offenburg (Althistorische Narrenzunft Offenburg), Rottweil, Schramberg, Stockach, Villingen und Waldshut. Die Gründung erfolgte zunächst unter dem Arbeitstitel Gauverband badischer und württembergischer Narrenzünfte; der Name Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte wurde erst auf der Hauptversammlung am 30. November 1930 in Oberndorf beschlossen. Erster Präsident der Vereinigung war Benjamin Grüninger aus Villingen, der bereits 1927 verstarb. Sein Nachfolger wurde Albert Fischer, der ebenfalls Mitglied der Narrozunft Villingen war.
Erste Jahre und erste Narrentreffen (1925–1932)
Bereits 1925 konnte die Vereinigung beim Ministerium des Innern in Karlsruhe erreichen, dass die Mitgliedszünfte wieder Genehmigungen für ihre Fastnacht erhielten. Im darauffolgenden Jahr wurde am 5. Dezember eine ordentliche Mitgliederversammlung in Villingen abgehalten und eine Satzung festgelegt. Zum damaligen Zeitpunkt gab es 21 Mitgliedszünfte.
Beim Oberbadischen Narrentreffen am 20. Januar 1928 in der Stadthalle in Freiburg nahmen viele Mitgliedszünfte der Vereinigung teil. Daraufhin beschloss die Hauptversammlung am 25. November, jährlich ein Narrentreffen zu veranstalten. Dieses fand am 12. und 13. Januar 1929 in Villingen erstmals unter freiem Himmel statt. Bereits Ende des Jahres 1929 zählte die Vereinigung 32 Mitgliedszünfte. Erneut war ein Protest gegen ein Fastnachtsverbot beim Präsidium des Badischen Landtags erfolgreich.
Am 1. und 2. Februar 1930 fand das zweite Narrentreffen in Rottweil statt. Bei der Hauptversammlung am 30. November 1930 erhielt die VSAN ihren heutigen Namen Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte.
Nachdem 1931 kein Narrentreffen stattgefunden hatte, beschloss die Hauptversammlung am 15. November 1931, dass Narrentreffen nur noch alle zwei Jahre stattfinden sollen.
VSAN während des Nationalsozialismus (1933–1945)
Am 4. und 5. Februar 1933 fand das Narrentreffen in Stockach statt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 hatte auch Folgen für die Vereinigung. Ab 1934 nannte sich der Präsident Führer; die Vereinigung trat der Reichskulturkammer der NSDAP bei.
Dennoch wuchs die VSAN und zählte beim Narrentreffen am 2. und 3. Februar 1935 in Offenburg bereits 35 Mitgliedszünfte. Bereits am 1. und 2. Februar 1936 fand ein weiteres Narrentreffen in Oberndorf statt. Präsident Albert Fischer protestierte gegen die Übernahme von Fastnachtsveranstaltungen durch die NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF).
1937 fand ein von den Nationalsozialisten organisierter Karnevalskongress in München statt, an dem auch Albert Fischer als Vorsitzender der Vereinigung teilnahm. Die Vereinigung wurde im Nachhinein in den neu gegründeten Bund Deutscher Karneval aufgenommen. Im selben Jahr wurde innerhalb der Vereinigung eine Erhebung durchgeführt, für welche Mitgliedszünfte in ihrem Ort eine historisch gewachsene Fastnacht bestand. Etliche Zünfte wurden dabei in die Kategorie der nicht historischen Zünfte eingeordnet. Die darunter fallenden Zünfte aus Freiburg und aus Breisach traten deshalb aus der Vereinigung aus und gründeten den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON).
Bei der Hauptversammlung 1937 einigten sich die Mitgliedszünfte auf die Grußformel „Narri Narro“, um den eigentlich vorgeschriebenen Hitlergruß umgehen zu können.
Am 6. Februar 1938 fand ein Narrentreffen in Überlingen statt. Zudem stand die VSAN zunehmend unter Druck, da alle 47 Mitgliedszünfte als Einzelmitglieder in den Bund Deutscher Karneval eintreten sollten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Tätigkeit der Vereinigung und ihrer Mitgliedszünfte weitgehend eingestellt.
Nachkriegszeit und Neugründung (1945–1949)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ab 1946 mit Genehmigung der Militärverwaltungen in der französischen Besatzungszone einzelne Narrenzünfte wieder gegründet.
Im Juni 1947 wurden 44 Zünfte von Albert Fischer dazu aufgefordert, sich mit den französischen Dienststellen zu verständigen und sich neu zu formieren. Am 10. Juli 1947 wurde ein Rundschreiben an die Zünfte und am 20. August ein Antrag an die französische Militärregierung zur Wiedergründung der VSAN verschickt. Letzterer wurde am 9. September 1947 genehmigt. Am 13. Oktober 1947 wurde die Wiedergründung der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte auf einer Versammlung in Villingen beschlossen. Albert Fischer wurde wiederum zum ersten Vorstand gewählt. Am 24. April 1948 erhielt die Vereinigung alemannischer Narrenzünfte die endgültige Zulassung durch die französische Militärregierung. Das Wort „schwäbisch“ wurde aus dem Vereinsnamen ausgeschlossen, da die Zulassung sich nur auf das Land Baden beschränkte.
Am 16. Januar 1949 wurde das 25-jährige Bestehen der Vereinigung in Villingen gefeiert.