Vera Turán Sós (* 11. September 1930 in Budapest; † 22. März 2023) war eine ungarische Mathematikerin, die sich vor allem mit Graphentheorie, Kombinatorik und Zahlentheorie beschäftigte.
Nach Abschluss des Gymnasiums, auf dem sie von Tibor Gallai unterrichtet worden war, studierte Sós an der Loránd-Eötvös-Universität bei Paul Erdős und Alfréd Rényi, mit denen sie auch eng zusammenarbeitete. Nach ihrer Habilitation war sie Professorin an der Universität Budapest und ab 1987 Forschungsprofessorin am Institut für Mathematik der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Alfréd-Rényi-Institut). Vera Sós war seit 1952 mit dem Mathematiker Pál Turán (1910–1976) verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hatte.
1957 bewies sie den „Drei-Abstands-Satz“ nach einer Vermutung von Hugo Steinhaus: Man betrachte die ersten
ganzzahligen Vielfachen einer irrationalen Zahl modulo 1. Die im Einheitsintervall durch die Punkte gebildeten Streckenabschnitte haben höchstens drei verschiedene Längen.
Zu ihren Doktoranden gehörte László Babai (1975, gemeinsam mit Pál Turán). 2002 gab sie mit anderen eine Auswahl der Arbeiten von Paul Erdős heraus.
1985 wurde sie korrespondierendes und 1990 Vollmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Sie war ab 1995 auch korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2013 wurde sie zum Mitglied der Academia Europaea gewählt.
Vera Sós verstarb am 22. März 2023 im Alter von 92 Jahren.
Gábor Halász, László Lovász, Dezső Miklós, Tamás Szőnyi (Hrsg.): Sets, Graphs and Numbers. A birthday salute to Vera T. Sós and András Hajnal (= Colloquia Mathematica Societatis János Bolyai. 60). North-Holland, Amsterdam u. a. 1992, ISBN 0-444-98681-2.
als Herausgeberin mit Paul Erdős, Alfréd Rényi: Combinatorial theory and its Applications (= Colloquia Mathematica Societatis János Bolyai. 4). 3 Bände. North Holland, Amsterdam u. a. 1970, ISBN 0-7204-2037-7 (Konferenz in Balatonfüred, August 1969).
als Herausgeberin mit László Lovász: Algebraic methods in graph theory (= Colloquia Mathematica Societatis János Bolyai. 25). 2 Bände. North Holland, Amsterdam u. a. 1981, ISBN 0-444-85442-8 (Konferenz in Szeged, August 1978).
als Herausgeberin mit Ervin Győri: Recent trends in Combinatorics. The legacy of Paul Erdős. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2001, ISBN 0-521-80170-2 (Konferenz in Mátraháza, Oktober 1995).
Literatur von und über Vera T. Sós im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Vera Turán Sós. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).
Ungarischer Zeitungsbericht zum 75. Geburtstag (Memento vom 11. Dezember 2008 im Internet Archive). In: Népszabadság, 9. September 2005.
Interview, ungarisch (Memento vom 11. Juni 2008 im Internet Archive). In: Természet Világa, Juli 2000.
László Lovász über Vera Sós (niederländisch, PDF), Dezember 2007.
Vera T. Sós im Mathematics Genealogy Project (englisch) Vorlage:MathGenealogyProject/Wartung/id verwendet
Vera Turán Sós in der Datenbank zbMATH