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Venus Express (abgekürzt VEX) war eine Raumsonde der ESA, die am 9. November 2005 mit einer Sojus-FG/Fregat-Rakete vom kasachischen Baikonur aus gestartet wurde. Sie trat nach 153 Tagen Reisezeit am 11. April 2006 in eine Umlaufbahn um den Planeten Venus ein und sendete Daten bis zum Ende der Mission am 28. November 2014 vor dem erwarteten Verglühen in der Venusatmosphäre. Die Raumsonde war, nach etwa 20 erfolgreichen sowjetischen und US-amerikanischen Missionen seit den 1960er Jahren, die erste europäische Mission zur Venus.
Venus Express entstand aus dem Aufruf der ESA, das Ingenieursmodell von Mars Express wieder zu verwenden (2003). Durch die Verwertung schon existierender Teile, auch wissenschaftlicher Instrumente (von den Sonden Mars Express und Rosetta), war Venus Express eine relativ preiswerte Raumsonde verglichen mit ähnlichen Missionen. Nach einer Bauzeit von nur drei Jahren konnte EADS Astrium die Sonde fertigstellen. Der 1270 kg schwere Orbiter führt 93 kg Nutzlast und 570 kg Treibstoff mit sich. Ein sichtbarer Unterschied zur Schwestersonde waren die viel kleiner ausgelegten Solarpaneele. Da die Sonneneinstrahlung bei der Venus höher ist als beim Mars, wurde die Solarzellenfläche verkleinert und kleine Spiegel gegen Überhitzung zwischen den Solarmodulen eingesetzt. Die Mission sollte 220 Millionen Euro kosten, davon 82,4 Millionen Euro für den Sondenkörper.
Wichtigstes Ziel der Mission war die Erforschung der Atmosphäre der Venus mit ihrer rund 20 km dicken und dichten Wolkendecke. Aus den Untersuchungen ergeben sich die Wissenschaftler Rückschlüsse und Erkenntnisse auf die zukünftige Entwicklung des Klimas der Erde. Im Vordergrund standen zudem Fragen zu den Prozessen im komplexen Wolkensystem der Venus, der Rolle des Treibhauseffekts bei der Klimabildung, den Ursachen für die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre, dem Vorhandensein von Wasser und vermuteter seismischer und vulkanischer Aktivität. Die Primärmission im Venusorbit war für 486 Tage ausgelegt, für genau zwei Rotationen der Venus gegenüber den Sternen, was gut vier Venustagen (relativ zur Sonne) entspricht. Es gab mehrere Verlängerungen durch die ESA: Im Februar 2007 bis zum Mai 2009, am 10. Februar 2009 bis zum 31. Dezember 2009, am 2. Oktober 2009 bis zum 31. Dezember 2012 und im Juni 2013 abschließend bis 2015. Venus Express umrundete den Planeten auf einer elliptischen Umlaufbahn in einer Entfernung von zunächst 250 bis 66.000 km. Im Jahr 2008 wurde die Perizentrums-Flughöhe auf 185 km verringert. Im Juni/Juli 2014 wurde sie per Aerobraking vorübergehend weiter bis auf 130–135 km reduziert und am 26. Juli für den Rest der Mission durch Triebwerkszündung wieder auf 400 km angehoben. Seit 28. November 2014 konnte nur noch bruchstückhaft mit der Sonde kommuniziert werden.
Venus Express bestand aus einem fast kubischen (1,4 m × 1,65 m × 1,7 m) Zentralkörper. Die Sonde führte zu Missionsbeginn in zwei 267-Liter-Tanks insgesamt 570 kg Treibstoffe mit sich. Der Tankdruck wird durch einen 35,5 kg schweren Heliumdrucktank erreicht. Das Haupttriebwerk hat 400 N Schub. Weitere acht kleinere Triebwerke à 10 N Schub an jeder Ecke werden für kleinere Kurskorrekturen gebraucht. Alle Triebwerke verbrennen die Treibstoffkombination Stickstofftetroxid und MMH. Die räumliche Orientierung wird durch verschiedene Sensoren, Gyroskope und Accelerometer bestimmt und durch vier Schwungräder à 12 Nms verändert.
Die Sendeleistung betrug 5 Watt im S-Band und 65 Watt im X-Band. Die Datenrate zur Erde betrug zwischen 19 und 228 kbit/s und von der Erde bis zu 2000 bit/s. Man erwartete minimal (bei größter Entfernung zur Erde) 500 Megabyte Daten während der täglichen acht Stunden Kontakt zur Erde. Dies ist vergleichbar mit der Datenmenge, die Mars Express liefert. Bei größter Annäherung sollten es 5 Gigabyte pro Tag sein. Man rechnete mit durchschnittlich 2 GByte/Tag. Als Datenspeicher dient ein RAM von 12 Gigabit (1,5 Gigabyte) Größe.
Das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESOC) der ESA in Darmstadt steuerte die Mission.
Venus Express nutzte Instrumente, die für Mars Express und für die Kometenmission Rosetta entwickelt wurden. Dadurch konnten die Kosten dieser anspruchsvollen Mission gering gehalten werden. Die Gesamtmasse der Instrumente war 93 kg. Venus Express führte keine Landekapsel mit. Die Instrumentierung bestand aus sechs aktiven und einem passiven Instrument. Die Instrumente konnten mit einer Genauigkeit von 0,04 Grad auf einen Punkt auf der Planetenoberfläche ausgerichtet werden.
ASPERA (Analyzer of Space Plasmas and Energetic Atoms), ursprünglich für Mars Express entwickelt und für Venus Express modifiziert, soll unter anderem den Einfluss des Sonnenwinds auf die Venus-Atmosphäre untersuchen.
MAG, eine Weiterentwicklung des Rosetta-Magnetometers ROMAP, wird nach einem schwachen Magnetfeld der Venus suchen sowie den Einfluss der Venus auf das interplanetare Magnetfeld erforschen.
Das PFS (planetares Fourier-Spektrometer), eine Weiterentwicklung des bereits auf Mars Express benutzten PFS, wird die Venus-Atmosphäre bezüglich Zusammensetzung, Temperaturverteilung und Zirkulation untersuchen.
SPICAV (Spectroscopy for Investigation of Characteristics of the Atmosphere of Venus) ist ein abbildendes Spektrometer für den ultravioletten und infraroten Bereich. Es entstand aus dem Mars-Express-Experiment SPICAM, das für den Einsatz auf Venus Express mit einem dritten, von Belgien gestellten IR-Kanal ausgestattet wurde. SPICAVs Aufgabe ist die Untersuchung der Venus-Atmosphäre.
VeRa (Venus Express Radio Science) ist ein passives Experiment, das die Atmosphäre und Oberfläche der Venus untersucht, indem es durch die Venus-Atmosphäre Signale zur Erde sendet. Aus den Fluktuationen der auf der Erde empfangenen Signale lassen sich Rückschlüsse auf die Atmosphäre ziehen.
VIRTIS (Frankreich/Italien/Deutschland)
VIRTIS (Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer), ursprünglich für Rosetta entwickelt, bildet die Venus im infraroten Bereich ab. Es besitzt 120 Spektralkanäle, von denen jedoch nur drei genutzt werden sollen. Während die dichte Atmosphäre der Venus die Beobachtung unterhalb von 70 km im sichtbaren Bereich des Lichts unmöglich macht, lässt sich mit IR ähnlich wie bei dem Saturnmond Titan tiefer schauen, in mindestens einem der drei schmalen Bänder sogar bis zum Boden. VIRTIS soll so die untere Atmosphäre erforschen und u. a. auch nach Anzeichen für Vulkanismus und seismischen Wellen suchen.
VMC (Venus Monitoring Camera) ist das einzige Venus-Express-Experiment, das neu entwickelt wurde. Es soll die Venus im ultravioletten, sichtbaren und infraroten Bereich abbilden und u. a. die Wolkenbewegung untersuchen. Die Bilder in vier Spektralbereichen werden simultan gewonnen und nutzen jeweils einen Teil der Chipfläche des CCD-Sensors. So beträgt das Gesichtsfeld 17,5 Grad und die Auflösung 0,74 mrad (entsprechend ≈ 405 Pixels pro Bild). Dies sind 185 m aus 250 km Höhe. Bei größter Entfernung von der Venus sinkt die Auflösung auf 45 km. Im Apozentrum passt die gesamte Venus in das Gesichtsfeld. Die Kamera wird im Apozentrum alle 30 Minuten ein Bild machen; insgesamt 20 Stück. In der Nähe des Planeten wird die Frequenz gesteigert und jede Minute ein Bild gemacht, sodass pro Orbit 80 Bilder gemacht werden.
Der Start von Venus Express war für den 26. Oktober 2005 angesetzt, das Startfenster war vom 26. Oktober bis zum 23. November offen. Der Start musste jedoch am 21. Oktober auf Anfang November verschoben werden, da man Verunreinigungen innerhalb der Nutzlastverkleidung mit der bereits montierten Fregat-Oberstufe und der Raumsonde fand. Als Ursache stellte sich ein Problem mit der Thermalisolierung der Fregat-Oberstufe heraus, deren Teile auf der Raumsonde gefunden wurden. Die Raumsonde konnte aber schnell und problemlos gereinigt werden, so dass man am 31. Oktober den Start auf den 9. November 2005 um 03:33:34 Uhr UTC festlegte. Der Start verlief wie geplant, 96 Minuten nach dem Abheben trennte sich die Sonde von der Fregat-Oberstufe und begann den Weg zur Venus. Nach zwei Bahnkorrekturen und dem Test aller Komponenten konnte die erste Missionsphase (als LEOP bezeichnet) Mitte November 2005 erfolgreich abgeschlossen werden.