Venezuela (amtlich Bolivarische Republik Venezuela, spanisch República Bolivariana de Venezuela [venezolanische Aussprache reˈpuβlika βoliβaˈɾjana ðe βeneˈswela]) ist ein Staat im Norden von Südamerika. Er grenzt im Süden an Brasilien, im Westen an Kolumbien, im Osten an Guyana und im Norden an die Karibik. Im Land leben etwa 28,5 Millionen Menschen, davon rund 5 Millionen in der Metropolregion der Hauptstadt Caracas.
Venezuela wurde 1811 von Spanien unabhängig. Seit der Bolivarischen Revolution von 1999 besteht im Land ein Präsidialsystem, seit 2007 unter Herrschaft der Partei PSUV. Von 2013 bis zu seiner Entführung durch die USA am 3. Januar 2026 wurde Venezuela vom Parteivorsitzenden Nicolás Maduro regiert. Während seiner Regierungszeit beherrschte er das Land zunehmend autoritär. In den ersten Jahren kam es noch zu mehreren politischen Protestbewegungen im Land, die von Regierungstruppen gewaltsam niedergeschlagen wurden. Seit etwa 2017 gilt Venezuela eindeutig als (Einparteien-)Diktatur: Viele demokratische Prinzipien wie z. B. Meinungsfreiheit und freie Wahlen sind weitestgehend abgeschafft, und es kommt regelmäßig zu schweren Verletzungen der Menschenrechte durch Regierungsinstitutionen. Venezuelas Regime isolierte das Land zunehmend vom Westen, während es in anderen autoritär regierten Staaten wie China, Russland und Iran Verbündete fand.
Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Die venezolanische Wirtschaft ist fast vollständig vom Erdölexport abhängig. Durch dirigistische Wirtschaftspolitik, geringere Erdölproduktion, Verfall des Ölpreises und internationale Sanktionen brach die Wirtschaftsleistung seit 2014 unter dem Regime Maduros ein. Die Armutsquote stieg ab 2014 über 50 Prozent und bis Ende 2018 auf 90 Prozent, was die größtenteils durch den Erdölboom der 2000er Jahre ermöglichte Armutsbekämpfung wieder rückgängig machte. Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation haben in den letzten Jahren (bis Dezember 2025) mindestens 8 Millionen Menschen Venezuela als Flüchtlinge verlassen. Die Dunkelziffer der venezolanischen Diaspora dürfte aufgrund der langen Einwanderungsgeschichte nach Venezuela dennoch deutlich höher liegen, da viele Menschen dadurch eine weitere Staatsbürgerschaft besitzen.
Über den Ursprung des Namens „Venezuela“ gibt es zwei Theorien: Manche schreiben ihn Amerigo Vespucci zu, der zusammen mit Alonso de Ojeda 1499 eine Expedition entlang der nordwestlichen Küste führte (heute bekannt als der Golf von Venezuela). Als sie die Guajira-Halbinsel erreichten, beobachtete die Mannschaft die Pfahlbauten (palafitos), die die Añu über dem Wasser errichtet hatten. Diese erinnerten Vespucci an die Stadt Venedig (italienisch Venezia) und infolgedessen wurde die Region als „Klein-Venedig“ bezeichnet und Venezziola resp. Veneziola oder Venezuola genannt, was dann zu spanisch Venezuela wurde. Andererseits sagt der spanische Konquistador und Geograph Martín Fernández de Enciso, Mitglied derselben Mannschaft, in seiner Schrift „Suma de Geografía“ (1519), dass die Bevölkerung dieser Region einen flachen Felsen bewohnte und „Veneciuela“ genannt wurde.
Venezuela hat eine etwa 2800 km lange Küste. Von der Gesamtfläche sind etwa 39 % bewaldet, 20 % bestehen aus Wiesen- und Weideland, 4 % machen Felder und Ackerland aus. Es grenzt an drei Staaten: im Osten an Guyana mit 743 km Grenze, im Süden liegt Brasilien mit 1819 km Grenze und im Westen Kolumbien mit 2050 km Grenze. Die gesamte Länge der Landesgrenzen Venezuelas beträgt 4612 Kilometer.
Venezuela lässt sich in fünf geografische Großräume einteilen: die Anden, die sich in einem breiten Ost-West-Bogen von der kolumbianischen Grenze entlang des Karibischen Meeres nach Osten erstrecken; die Orinoco-Ebenen (Llanos) im Zentrum; die Maracaibo-Tiefländer um den dortigen Brackwassersee im Nordwesten sowie das Bergland von Guayana im Südosten. Dazu kommen die venezolanischen Karibikinseln. Venezuela ist das sechstgrößte Land Südamerikas. Es ist landschaftlich sehr vielfältig; den stärksten Kontrast bilden die Dünenlandschaften am Isthmus von Coro und die Sümpfe des Delta Amacuro, beziehungsweise die schneebedeckten Berge der Cordillera de Mérida und die weiten Ebenen im Herzen des Landes.
Mit einer besonders großen Artenvielfalt und Biodiversität, ausgesprochen vielen endemischen Arten, Gattungen und Familien von Pflanzen und Tieren sowie vielfältigen Ökosystemen wird Venezuela zu den Megadiversitätsländern der Erde gerechnet. In Venezuela gibt es etwa 105 Schutzgebiete, die etwa 26 Prozent der kontinentalen, marinen und insularen Oberfläche des Landes bedecken. In Venezuela gibt es heute 43 Nationalparks (siehe Liste der Nationalparks in Venezuela) und 36 Naturdenkmäler. 62,9 Prozent (2007) der Landesfläche sind als geschützt ausgewiesen. Venezuela verfügt somit (gegenüber zum Beispiel Brasilien mit 18,5 Prozent) über den höchsten Prozentsatz an Naturschutzgebieten in Nord- und Südamerika.
Das Land kann in die folgenden vier großen Naturräume untergliedert werden:
Venezuelas Gebirge bestehen aus mehreren Gebirgszügen in nordwestlichen und nördlichen Bereichen sowie aus einem Gebirgshochland im Südosten. Der nordwestliche Gebirgszug wird als Venezolanischen Anden bezeichnet. Der nördliche Gebirgszug bildet das Venezolanische Küstengebirge. Diese beiden Gebirgszüge sind insbesondere wegen ihrer Seismizität und starken Erdbeben auffällig. Das große Gebirgshochland wird vom Bergland von Guayana repräsentiert.
Die Venezolanischen Anden bilden ein Gebirgssystem der nördlichsten Ausläufer der Anden. Sie gliedern sich in die größere, geradlinig von Südwesten nach Nordosten erstreckende Cordillera de Mérida und kleinere, leicht von Südwesten nach Nordosten verlaufende Sierra de Perijá. Zwischen beiden befindet sich das Maracaibo-Becken mit dem Maracaibo-See. Der Pico Bolívar in der Cordillera de Mérida ist mit 4981 Metern der höchste Berg Venezuelas. Die tektonische Entwicklung begann im Paläozoikum im Kambrium und setzt sich derzeit noch fort. In diesem Gebirgssystem entwickelten sich das Boconó-Verwerfungssystem und das Oca–Ancón-Verwerfungssystem, die mit Erdbeben-Aktivitäten verbunden sind.
Das Venezolanische Küstengebirge ist ein Gebirgszugssystem am nordwestlichen Kontinentalrand der Südamerikanischen Platte und dem südöstlichen Rand der Karibischen Platte, wo es eine natürliche Barriere zum Karibischen Meer bildet. Es schließt an die nordöstlichen Ausläufer der Cordillera de Mérida an. Der Pico Naiguatá im Nationalpark El Ávila ist mit 2765 m der höchste Berg des Venezolanischen Küstengebirges. Die tektonische Entwicklung begann etwa im Mesozoikum und setzt sich derzeit noch fort. Damit verbunden ist ein komplexes Verwerfungssystem, wie San-Sebastián-, El-Pilar-Verwerfungssystem, das für schwere Erdbeben verantwortlich ist, wie z. B. das Doppelerdbeben vom 24. Juni 2026, das große Schäden hervor rief und viele Tote und Verletzte forderte.
Das Hochland von Guayana, auch Bergland von Guayana genannt, ist eine Hochlandregion und bildet den nördlichen Bereich und den größten Bereich des Guayana-Schildes.
Das Hochland von Guayana erhebt sich im Südosten Venezuelas zwischen dem Nebenflusssystem des Orinocos und den westlich und nördlich angrenzenden Gebirgen. Es enthält mehrere schroffe Formationen unterschiedlicher Ausformungen, wie insbesondere Tafelberge, Tepuis genann, wie z. B. der Roraima im Nationalpark Canaima. Sie erheben sich meistens abrupt und steil aus einer überwiegend flachen Tiefebenen. Zudem entwickelten sich Savannen, von denen die Gran Sabana die größte ist. Die verschiedenen Tepuis zeichnen sich zudem durch eine einzigartige und eigentümliche Flora und Fauna auf ihren Hochplateaus aus, denn aufgrund der Isolation haben sich viele endemische Arten entwickelt. Von den Tafelbergen herab stürzt der höchste freifallende Wasserfall der Welt, der Salto Ángel mit einer Fallhöhe von 807 m. Die Tepuis und die Wasserfälle gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Nationalparks Canaima, der zum UNESCO-Naturwelterbe erklärt wurde. Die tektonische Entwicklung des Hochland von Guayanas erfolgte in verschiedenen Superkontinentzyklen zwischen etwa 2200 bis 1700 mya. Die ältesten geologischen Einheiten datieren zwischen dem Paläoarchaikum und dem Mesoproterozoikum.