Im Rahmen des Venera-Programms (auch Wenera, russisch Венера „Venus“) wurden zwischen 1961 und 1983 von der Sowjetunion mehrere Raumsonden zur Venus gestartet. Mit Venera 7 gelang am 15. Dezember 1970 die erste weiche Landung einer menschengemachten Sonde auf einem fremden Planeten.
Im Startfenster 1961 plante die Sowjetunion, zwei Sonden Richtung Venus zu starten. Lange Zeit vermutete man im Westen, dass die Sonden eine kleine Landekapsel an Bord hatten, die auf der Venus landen sollte und darauf ausgelegt war, in einem Ozean (dessen Vorhandensein man auf der Venus vermutete) schwimmen zu können. Diese Vermutung wurde durch die Mitnahme von sowjetischen Emblemen wie bei den Lunik-Sonden genährt. Die Sonden führten keinen Lander mit, sondern sollten wahrscheinlich einen harten Aufschlag auf der Venus-Oberfläche versuchen.
Sputnik 7 startete am 4. Februar 1961. Die Sonde verließ wegen des Versagens der Oberstufe der Molnija-Trägerrakete die Erdumlaufbahn nicht. Die Sonde hatte in der Umlaufbahn zusammen mit der Oberstufe der Rakete (die nicht abgetrennt wurde) eine Masse von 6483 kg.
Venera 1 startete am 12. Februar 1961 und verließ die Erdumlaufbahn. Allerdings brach der Kontakt zu der Sonde bereits am 19. Februar 1961 in 2 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde ab. Die stumme Sonde flog am 20. Mai 1961 in 100.000 km Entfernung an der Venus vorbei, womit sie das erste vom Menschen erzeugte Objekt war, das in die Nähe der Venus kam. Die Sonde wog 643,5 kg.
Da die zum Start verwendete Molnija-Trägerrakete noch wenig erprobt war, hatte man 1962 gleich drei Sonden gestartet. Für zwei dieser drei Sonden war eine Landung und für eine ein Vorbeiflug an der Venus geplant. Die Masse der Sonden betrug jeweils rund 890 kg. Die Sonden stammten aus dem Projekt 2-MV, bei dem man einen gemeinsamen Bus für eine Mars- oder Venussonde entwickelte. Dieser Bus konnte dann entweder eine Landekapsel oder ein Instrumentenpaket mitführen.
Sputnik 19, Sputnik 20 und Sputnik 21 starteten am 25. August bzw. 1. September und 12. September 1962, doch kam wegen des Versagens der Trägerrakete keine über die Erdumlaufbahn hinaus.
Sputnik 19 und Sputnik 20 waren Landesonden, Sputnik 21 dagegen eine Vorbeiflugsonde. Technische Einzelheiten wurden nicht veröffentlicht, doch wegen des gemeinsamen Busses dürfte der Aufbau baugleich mit Mars 1 gewesen sein.
Im Jahr 1965 wurden wiederum verschiedene Sondenpaare auf den Weg geschickt: „Venera 2“ und „Kosmos 96“ waren Vorbeiflugsonden, „Venera 3“ sollte eine Landesonde ausklinken, die dann auf der Planetenoberfläche landen sollte. Obwohl nur „Venera 2“ und „Venera 3“ teilweise erfolgreich arbeiteten, stellte das Jahr 1966 dennoch den sowjetischen Durchbruch zur Venus dar. Die USA waren der Sowjetunion aber schon zuvorgekommen: Der erste erfolgreiche Venusvorbeiflug mit erfolgreicher Datenübertragung zur Erde fand am 14. Dezember 1962 durch Mariner 2 statt.
Der Bus der Sonden war baugleich mit dem von Zond 1 bis Zond 3. Man plante einen gemeinsamen Bus für Sonden zu Mars und Venus. Während die Venus-Sonden in das Venera-Programm eingegliedert wurden, hat man die Marssonden bis auf eine nie gestartet. Stattdessen wurden sie als Zond 1 bis Zond 3 gestartet. Das Zond-Programm stand allgemein für interplanetare Sonden, deren wahre Natur die Sowjetunion nicht preisgeben wollte.
Die Vorbeiflugsonden trugen verschiedene Spektrometer und ein Kamerasystem mit, welches Aufnahmen beim Vorbeiflug machen sollte. Der Lander sollte längere Zeit auf der Oberfläche verweilen und war dazu mit Solarzellen ausgerüstet. Er verfügte über meteorologische Sensoren und Instrumente zur Untersuchung der Atmosphäre.
Venera 2 startete am 12. November 1965. Die 963 kg schwere Sonde flog am 27. Februar 1966 in 24.000 km Entfernung an der Venus vorbei, die Verbindung brach aber kurz vor dem Vorbeiflug ab, so dass man keine Daten erhalten hat. Ursache war eine Überhitzung der Sonde.
Venera 3, gestartet am 16. November 1965 hatte bei ihrem Vorbeiflug an der Venus am 1. März 1966 aus dem gleichen Grund keinen Kontakt mehr zur Bodenstation, doch klinkte die Sonde automatisch ihre Landesonde aus, die aber in der Atmosphäre der Venus teilweise verglühte und hart auf der Oberfläche aufschlug. Sie war damit das erste vom Menschen erzeugte Objekt, das die Oberfläche der Venus erreichte. Die Gesamtmasse der Sonde betrug 960 kg.
Kosmos 96 blieb nach dem Start am 23. November 1965 im Erdorbit. Die Sonde war wahrscheinlich mit „Venera 3“ baugleich.
Die beiden Sonden von 1967 waren weiterentwickelte Modelle von „Venera 3“ und „Kosmos 96“. „Venera 4“ war die erste vollständig geglückte Venus-Mission der Sowjetunion, obgleich sie die Venusoberfläche nicht erreichte, da der hohe Druck der Venusatmosphäre nur unzureichend bekannt war. Trotzdem arbeitete die Sonde über die komplette geplante Zeit und konnte wichtige Daten über die Atmosphäre der Venus liefern.
Venera 4 startete am 12. Juni 1967. Die Transfersonde trennte am 18. Oktober 1967 an der Venus einen Lander ab, der 96 Minuten lang bis in 24,96 km Höhe erfolgreich Daten übertrug, bis die Batterien erschöpft waren (anvisierte Betriebszeit war 100 Minuten). Da der Atmosphärendruck höher als vermutet war, stieg die Sonde langsamer ab und konnte in der geplanten Betriebszeit die Oberfläche nicht erreichen. Die letzten Messdaten zeigten 25 km über der Oberfläche eine Temperatur von 270 °C und einen Druck von 22 bar. Die Gesamtmasse der Sonde betrug 1106 kg.
Kosmos 167 kam am 17. Juni 1967 nicht über die Erdumlaufbahn hinaus. Die Sonde war baugleich mit „Venera 4“.
1969 gelang zum ersten Mal ein Doppelstart der Sowjetunion zur Venus. Die beiden Sonden waren ähnlich der erfolgreichen „Venera 4“, hatten aber auf einen etwas höheren Außendruck von 25 bar ausgelegte Landekapseln. Doch auch dies war nicht ausreichend, so dass die beiden Sonden den Venusboden nicht intakt erreichten. Verbessert hatte man das Fallschirmsystem, so dass die Sonden nun schneller durch die Atmosphäre gelangten; außerdem wurde die Batteriekapazität erhöht. Trotzdem gelten beide Sonden als Erfolg, denn sie lieferten wie geplant – während des Abstiegs an einem Fallschirm hängend – Daten über die Atmosphäre. Die Masse der Sonden betrug jeweils 1130 kg, wobei 405 kg auf den Lander entfielen.
Venera 5 startete am 5. Januar 1969 und setzte am 16. Mai 1969 eine Landesonde ab. Mit dieser Landesonde konnte bis in eine Höhe von 18 km über der Venusoberfläche 53 Minuten lang Kontakt gehalten werden, bis sie vom Atmosphärendruck zerdrückt wurde.