Vanuatu ([vɑːnʊˈɑːtuː] bislama Ripablik Blong Vanuatu, von austronesisch: vanua, dt. „Hafen“, „Heimat“) ist ein souveräner Inselstaat im Südpazifik.
Der aus 83 Inseln – bzw. Inselgruppen – bestehende Inselstaat ging 1980 aus dem seit 1906 bestehenden britisch-französischen Kondominium Neue Hebriden hervor und hatte im Jahr 2019 300.000 Einwohner.
Geografie und Naturkatastrophen
Das Inselgebiet von Vanuatu erstreckt sich über 1300 km des Südpazifiks und zählt zu Melanesien. Zum Staat gehören 83 Inseln (davon 67 bewohnt), meist vulkanischen Ursprungs, welche überwiegend zur Inselgruppe der Neuen Hebriden zählen. Weiterhin gehören die Banks- und die Torresinseln zu Vanuatu. Die Inseln Vanuatus liegen auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde.
Nur wenige dieser vanuatuischen Inseln haben eine Größe, die sie bedeutend macht. Die größten Inseln sind Espiritu Santo (3955,5 km²) und Malakula (2041,3 km²). Der höchste Punkt auf Vanuatu ist der Tabwemasana (Tabwémasana) mit 1879 m auf der Insel Espíritu Santo.
Bemerkenswert ist der aktive Vulkan Yasur auf der Insel Tanna sowie der Lombenben auf der Insel Ambae, der im November 2005 Aktivität zeigte. Immer wieder erschüttern Erdbeben die Inseln, so auch 1999 und 2002. Letzteres richtete in der Hauptstadt Port Vila erheblichen Schaden an. Beide Erdbeben hatten jeweils einen Tsunami zur Folge.
Vanuatu steht auf Platz 1 der Liste der durch Katastrophen besonders gefährdeten Staaten, dem Weltrisikobericht. Fast jährlich ereignen sich Erdbeben, alle 10 Jahre wird mit einem schweren Beben gerechnet. Auch ist mit dem Yasur ein Vulkan aktiv. Die akutesten Bedrohungen gehen von den jährlichen tropischen Stürmen bzw. Zyklonen aus, zuletzt 2020 durch den Zyklon Harold, der zu schweren Zerstörungen führte. Mittel- bis langfristig bestehen Risiken durch den Anstieg des Meeresspiegels.
Zwischen dem 14. und 15. März 2015 wütete in Vanuatu der Zyklon Pam, der weite Teile Vanuatus zerstörte, weswegen die Regierung am 15. März 2015 den nationalen Notstand ausrief. Der Zyklon war mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h einer der stärksten je gemessenen Zyklone. In der Hauptstadt Port Vila wurden 90 % aller Gebäude zerstört oder stark beschädigt.
Der Zyklon wird als die schwerste Katastrophe in der Geschichte von Vanuatu bezeichnet.
Laut Angaben der Vereinten Nationen kamen mindestens 24 Menschen durch den Zyklon ums Leben, 3300 Menschen wurden obdachlos. Präsident Baldwin Lonsdale gab dem Klimawandel eine Mitschuld am Ausmaß der Zerstörung.
Ein Erdbeben der Stärke 7,3 ereignete sich am 17. Dezember 2024 um 14:47 Uhr (Ortszeit) 30 km westlich von Port Vila in einer Tiefe von 57 km. Es wurde von 14 Toten und 265 Verletzten sowie schweren Schäden bei der Telekommunikationsinfrastruktur, bei über 700 Gebäuden und 45 Schulen berichtet. Insbesondere betroffen waren das Zentralkrankenhaus und die Bürogebäude, in denen die Botschaften der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Neuseelands beherbergt sind. Auch mehrere Brücken in Port Vila wurden beschädigt. Die vom 18. Dezember bis 18. Januar geplanten Parlamentswahlen wurden auf den 16. Januar 2025 verschoben. Auch einen Monat nach dem Erdbeben blieb der Central Business District von Port Vila wegen Einsturzgefahr weiterhin abgeriegelt.
Um Erdbeben und Tsunamis besser vorhersagen zu können, wird bis 2026 zwischen Vanuatu und Neukaledonien weltweit erstmals ein „smart cable“ verlegt. Dieses Mehrzweck-Seekabel ist mit Sensoren ausgestattet, sodass es neben der Telekommunikation auch Messdaten in Echtzeit zu solchen sich anbahnenden Naturkatastrophen übermitteln kann.
Vanuatu hat 300.000 Einwohner (2019), Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 3,8, die der Region „kleine Inselstaaten im Pazifik“ betrug 3,3. Die Lebenserwartung der Einwohner Vanuatus ab der Geburt lag 2020 bei 70,3 Jahren (Frauen: 72,4, Männer: 68,5). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 19,5 Jahren.
Etwa 98,5 % der Bevölkerung sind Melanesier.
72,6 % der Bevölkerung geben als Muttersprache eine der 110 Sprachen Vanuatus an. Mit dieser Menge an Sprachen hat Vanuatu die höchste Sprachendichte (Sprachen pro Einwohner) der Welt. Alle diese Sprachen zählen zum melanesischen Zweig der ozeanischen Sprachgruppe. Bislama, eine in der britisch-französischen Kolonialzeit entstandene Kreolsprache, wird von knapp 23,1 % als erste Muttersprache angegeben; tatsächlich stellt es aber die tägliche Sprache der Einwohner des Inselstaates dar. Neben Bislama gelten auch Englisch und Französisch als Amtssprachen, werden aber kaum noch aktiv gesprochen: Englisch wird von 1,9 % der Einwohner, Französisch von 1,4 % gesprochen. Andere Sprachen werden von 0,3 % der Gesamtbevölkerung gesprochen.
Einwohner ohne gemeinsame Sprache verständigten sich früher über Zeichnungen, die in den Sand gezeichnet wurden. Rituelle Sandzeichnungen, die aus einer durchgehenden Linie bestehen, wurden 2003 von der UNESCO als Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
31,4 % der Bevölkerung gehören der presbyterianischen Kirche an und 13,4 % der anglikanischen Kirche. 13,1 % der Einwohner sind römisch-katholisch, 10,8 % sind Siebenten-Tags-Adventisten und 13,8 % gehören einer anderen christlichen Konfession an. Daneben gibt es noch etliche einheimische Glaubensrichtungen, zu denen sich aber nur noch 5,6 % der Gesamtbevölkerung bekennen. Die bedeutendsten sind Cargo-Kulte wie die John-Frum-Bewegung und die Prinz-Philip-Bewegung. (Alle demografischen Angaben sind auf dem Stand von 2006.)
26 % der über 15-Jährigen sind Analphabeten. Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2019 3,4 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2021 23,2 pro 1000 Lebendgeburten.