An diesem Tag

Van Morrison

Nordirischer Musiker, Sänger und Komponist

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Sir Van Morrison, OBE (* 31. August 1945 in Belfast; eigentlich George Ivan Morrison) ist ein nordirischer Musiker, Sänger und Komponist.

George Ivan Morrison wurde 1945 in East Belfast in eine Familie von Freidenkern geboren. Sein Vater war Atheist; er besaß eine umfangreiche Plattensammlung amerikanischer Country- und Bluesmusik, darunter Leadbelly, Jimmie Rodgers, Hank Williams, Gene Autry, Sister Rosetta Tharpe, Mahalia Jackson, Howlin’ Wolf, Muddy Waters, John Lee Hooker und Ray Charles.

Als Zwölfjähriger gründete Morrison 1957 seine erste Band, The Sputniks, in der er sang sowie Gitarre und Mundharmonika spielte. Von dort wechselte er zur Bluesband Midnight Special, danach zur Rock-’n’-Roll-Band Thunderbolts. Schließlich landete er bei den Monarchs, einer professionellen, neunköpfigen Showband, die bei Veranstaltungen auftrat und Anfang der 1960er Jahre auch durch Deutschland tourte, wo sie vor GIs auftraten.

Nach einem Bericht der Zeitschrift Sounds hatte Morrison mit 16 Jahren die Schule verlassen, um Berufsmusiker zu werden. Mit den Monarchs trat er in Deutschland unter anderem im Odeonkeller in Heidelberg, im Storyville in Frankfurt am Main und in Hamburg auf. In Deutschland entstand auch seine erste Schallplatte, nach seiner Erinnerung „ein echt schlimmer Song“ mit einer „phantastischen Begleitmusik“, eingespielt vor allem wegen des Sessionhonorars. Zudem besetzte ihn ein Regisseur als Jazzmusiker in einem deutschen Spielfilm.

Im Jahre 1964 wurde Van Morrison Frontmann der Rockband Them, die eine Reihe von Hits hatte, unter anderem Gloria, Here Comes the Night und It’s All Over Now, Baby Blue, die Coverversion eines Bob-Dylan-Songs. Nachdem er bei Them ausgeschieden war, bot ihm der Musikproduzent Bert Berns aus New York, der bereits Them produziert hatte und an deren ersten Hits beteiligt gewesen war, einen Vertrag für eine Solokarriere an. Mit Studiomusikern nahm Morrison 1967 ein Album auf, das mit Brown Eyed Girl einen Hit enthielt. Er selbst war mit der Platte unzufrieden. Die Firma habe ihm künstlerische Freiheit versprochen, sich daran aber nicht gehalten, und er habe das Ergebnis „eigentlich gar nicht für ein Album“ gehalten. Aufgrund schwerer Konflikte mit Berns und dessen Tod an einem Herzinfarkt, sah sich Morrison gezwungen, die Plattenfirma zu wechseln. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit dessen Witwe musste er weitere Songs für Bang einspielen, die erst 2017 offiziell veröffentlicht wurden und als The Revenge Album bekannt wurden. Noch 25 Jahre später klagte er über die „Haie“ im Musikgeschäft. Bis zu dem 2005 erschienenen Album Magic Time kochte dieses Thema in vielen seiner Songs immer wieder hoch.

Bei Warner Brothers hatte man ihn eigentlich als Single-Künstler unter Vertrag genommen, ließ ihn aber gewähren. Innerhalb von nur drei Tagen nahm Morrison 1968 mit Jazzmusikern das stilistisch ungewöhnliche Album Astral Weeks auf. Es entstand eine bis dahin kaum gehörte Fusion von Folk, Blues und Jazz. Das Album verkaufte sich eher mäßig, gilt aber heute vielen als sein bestes Album und wird regelmäßig von Kritikern als eines der besten Alben überhaupt bezeichnet. So erreichte es Platz 19 in der Auswahl der 500 besten Alben aller Zeiten des Rolling Stone, die britische Musikzeitschrift Mojo führte es 1995 auf Platz 2 der 100 besten Alben und das Magazin Uncut auf Platz 3 der 200 besten Alben.

Das darauf folgende Album Moondance enthält mit dem Titelsong einen von Van Morrisons Klassikern. Über drei Jahrzehnte hinweg hat er diesen Song in zahlreichen Konzerten gespielt und immer wieder neu arrangiert.

Im Jahre 1967 heiratete er die Schauspielerin und das Ex-Model Janet Planet (bekannt als Janet Rigsbee, heute Janet Morrison Minto), mit der zusammen er eine 1970 geborene Tochter hat, die später ebenfalls Singer-Songwriterin wurde. 1973 wurde die Ehe geschieden.

Van Morrison konnte mit Domino vom Album His Band and the Street Choir mittlere Hitparadenplätze verbuchen. Inzwischen hatte er sich mit seiner Familie in Woodstock, New York, angesiedelt – angeblich, um Bob Dylan nahe zu sein, der jedoch Distanz zu Morrison hielt. In dieser Zeit kam es zu einer kurzen Zusammenarbeit mit The Band: Für deren Album Cahoots schrieb er gemeinsam mit Robbie Robertson das Lied 4% Pantomime, nach Angaben von Sounds seine bis dahin einzige Arbeit für andere Musiker. Im Frühjahr 1971 zog Morrison mit seiner Familie weiter in das Marin County nördlich von San Francisco, weil er nach eigener Aussage schon immer nach Kalifornien hatte ziehen wollen. Das ländliche Leben schlug sich im Country-orientierten Album Tupelo Honey nieder, dessen Coverfotos auf seiner neuen Ranch entstanden. Auf Hard Nose the Highway setzte Morrison erstmals eine Rockgruppe mit Streicherbegleitung ein, das Caledonia Soul Orchestra, das 1973 eine erfolgreiche Tournee durch die USA und Europa absolvierte. Hans-Joachim Krüger schrieb in Sounds, Morrison habe auf Hard Nose the Highway die sanfte Song-Poesie und den lockeren Soul-Rock „gekonnt unter einem Hut vereint“. Was zu Zeiten von Astral Weeks vorrangig improvisiert geklungen habe, habe nun aber „vordergründig arrangierten Charakter“, Morrison werde „von der Perfektion des Caledonia Soul Orchesters“ kontrolliert. Dirigent und Co-Arrangeur war Morrisons langjähriger Freund, der Saxophonist Jack Schroer. Gemeinsam mit dem Pianisten Jef Labes war Schroer auch Koproduzent des Albums, das Morrison selbst produzierte und im Caledonia Studio in seinem Haus aufnahm. Die Musiker des Orchesters lebten teils an der Ostküste, teils in Kalifornien und reisten zu den Aufnahmen an. Im Sommer 1973 trat Morrison nach siebenjähriger Abwesenheit erstmals wieder in England auf, was Sounds als „triumphales Comeback“ beschrieb. Die Tournee führte anschließend durch die Niederlande, Schweden und Frankreich, und Morrison kündigte ein Live-Doppelalbum an. Ein Konzert aus dem Londoner Rainbow Theatre wurde zum ersten Mal in der Rockgeschichte simultan in Fernsehen und Radio übertragen; Teile davon finden sich auf dem Konzertalbum It’s Too Late to Stop Now. Dabei wurden nur minimale Eingriffe vorgenommen – und nicht im Studio nachgebessert oder verändert, wie es bei vielen anderen Künstlern üblich ist.

Nach längerem Aufenthalt in den USA kehrte Van Morrison nach Irland zurück, was sich auf der Platte Veedon Fleece von 1974 bemerkbar machte. Auf ihr dominiert eine keltisch-irische Stimmung.

Van Morrison fühlte sich ausgebrannt und legte eine dreijährige Pause ein, die nur von wenigen Auftritten unterbrochen war. So beteiligte er sich 1976 am Abschiedskonzert von The Band im Winterland Ballroom San Francisco mit einem Auftritt, der im Konzertfilm The Last Waltz festgehalten wurde. Dort kam er in Kontakt mit Dr. John alias Mac Rebennack und nahm mit ihm die Platte A Period of Transition auf, die jedoch auf wenig Resonanz stieß. Auch das nächste Werk, Wavelength, wurde von der Kritik sehr ambivalent beurteilt. Der Titel Kingdom Hall auf diesem Album verweist auf die Zugehörigkeit seiner Mutter zu den Zeugen Jehovas, deren Versammlungssäle „Königreichssaal“ genannt werden. Zum Ende des Jahrzehnts erschien Into the Music, wieder geprägt von einer irischen Grundstimmung. Die beiden Songs Bright Side of the Road und Full Force Gale eröffneten mit ihren religiösen Texten die Phase des christlichen Spiritualismus, die Morrison über ein Jahrzehnt lang beschäftigen sollte.

Den großen Erfolg von Into the Music konnte Morrison mit dem experimentelleren Album Common One nicht wiederholen. Ursprünglich waren die beiden Alben als Doppelalbum geplant gewesen.

Mit Beautiful Vision knüpfte Morrison erneut an seine frühen Werke an und wurde von der Kritik allgemein gelobt. Die Songs Vanlose Stairway, Northern Muse (Solid Ground) und Cleaning Windows daraus gehörten in den folgenden Jahrzehnten zu den meistgespielten Stücken in seinen Konzerten. Ein Auftritt in der Grugahalle in Essen am 4. April 1982 – Rockpalast Nacht, von der ARD europaweit im Fernsehen übertragen – steigerte Van Morrisons Bekanntheitsgrad in Europa.

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