VIVA Deutschland war ein deutscher Fernsehsender mit Sitz zunächst in Köln, ab 2005 in Berlin, der hauptsächlich Musikvideos sendete. Laut Eigendarstellung war der Sender ein „Jugend- und Musiksender für Pop und Fun“. VIVA ging 1993 in Köln als Musikfernsehsender auf Sendung und war anfangs sehr erfolgreich. Seit 2005 waren alle VIVA-Sender in Europa über die VIVA Media GmbH im Besitz des amerikanischen Medienkonzerns Viacom. VIVA Deutschland wurde am 31. Dezember 2018 eingestellt.
Sendestart und die ersten Jahre
Die Idee für das Senderkonzept ging auf eine Initiatoren-GmbH aus Christoph Post, Jörg A. Hoppe, Helge Sasse und Ex-MTV-Chef Michael Oplesch zurück. Hoppe schlug als Arbeitstitel „VIVA“ vor, das sei eine Abkürzung von „Videoverwertungsanstalt“. Dieter Gorny, Mitgründer und seit Sendestart einziger Geschäftsführer bis zur Übernahme durch Viacom, widersprach dieser weitläufigen Auffassung jedoch: Es handele sich um ein erst nachträglich entstandenes Backronym. Obwohl zuvor eine RTL-Sendung und eine Frauenzeitschrift bei Gruner + Jahr unter dem Namen gescheitert waren, entschied man sich für ihn.
VIVA ging am 1. Dezember 1993 als zweiter Musiksender Deutschlands auf Sendung, nachdem der erste Sender Musicbox 1988 in Tele 5 umgewandelt wurde und die zunächst noch musikdominierten Sendestrecken schrittweise zurückgefahren wurden. In diese Lücke stieß VIVA vor. Das Sendestudio befand sich in den angemieteten Räumen von Bertelsmanns VOX-Studios in Köln-Ossendorf. Ursprünglich wurde VIVA vom Medienriesen Time Warner gestartet, um die deutschen Geschäfte seines Unternehmens Warner Music Group anzukurbeln. Die Bertelsmann Music Group (BMG) lehnte eine Einladung, an VIVA teilzunehmen, ab, da man mögliche Repressalien seitens des Konkurrenten MTV Europe befürchtete und nicht der Überzeugung war, dass sich ein deutschsprachiger Musiksender gegen MTV durchsetzen könne. Die Time-Warner-Führungskräfte Tom McGrath und Peter Bogner ließen sich jedoch davon nicht irritieren und gründeten zusammen mit ihren Konkurrenten Sony, PolyGram und EMI Music sowie dem Medienmanager Michael Oplesch (VIVA GF, MTV GF, MME GF), den Produzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, den Gründern des TV-Produktionsunternehmens Me, Myself & Eye (MME), Christoph Post, Jörg A. Hoppe und Marcus O. Rosenmüller, und dem Medienanwalt Helge Sasse die Viva Medien GmbH. Da die internationalen Elektronikkonzerne nicht ohne einen medienerfahrenen deutschen Partner starten wollten, nahmen sie Frank Otto in die Gesellschaft auf. Zu den ersten VJs zählten die damals noch unbekannten Moderatoren Stefan Raab und Heike Makatsch, die nach ihrer Zeit bei VIVA zu erfolgreichen Film- und Fernsehpersönlichkeiten in Deutschland aufstiegen.
VIVA sollte von Anfang an eine Art Gegenpol zu MTV Europe sein, das bis dahin vornehmlich Videos englischsprachiger Künstler zeigte. „MTV sei verletzlich, da es nur in Englisch sende, weder in Deutschland lizenziert sei, noch irgend jemand aus Europa gehöre“, hieß es in einem Time-Warner-Konzeptpapier. „Während MTV auf eine Diät angloamerikanischer Videoclips setze, solle Viva 40 Prozent und mehr deutsche Musik bringen“, analysierte Time-Warner-Stratege Peter Bogner seinerzeit. So wurde von Anfang an auf ein deutschsprachiges Sendekonzept Wert gelegt, das mit deutschen Künstlern das Monopol von MTV brechen sollte. Der erste Geschäftsführer der VIVA Medien GmbH Michael Oplesch wurde noch kurz vor dem Start durch den ausgebildeten Lehrer und Ex-Leiter des Rockbüros NRW sowie Popkomm-Manager Dieter Gorny abgelöst, der den Sender bis zur Übernahme durch MTV (am 14. Januar 2005) führte.
Am 1. Dezember 1993 nahm VIVA den Sendebetrieb in Köln auf. Die Studios befanden sich die meisten Jahre in Köln-Mülheim, im gleichen Gebäude mit Brainpool. Das erste (und 2018 auch letzte) gespielte Musikvideo war Zu geil für diese Welt der Fantastischen Vier. Das Profil des Senders wurde maßgeblich von Rudi Dolezal und Hannes Rossacher (DoRo Produktion) definiert. 1994 konnte zum ersten Mal (laut eigenen Angaben) die Marktführerschaft errungen werden. Nach dem Wiedereintritt von MTV in das Free-TV verlor VIVA zwischenzeitlich die Oberhand. Ab Mitte 2004 lag VIVA bei den Zuschauerzahlen in der werberelevanten Zielgruppe aber wieder leicht in Führung.
Seit 1995 vergab der Sender den Musikpreis Comet.
Am 21. März 1995 wurde der Ableger VIVA Zwei ins Leben gerufen. Das Hauptaugenmerk von VIVA Zwei lag auf einem alternativeren Musikstil, vornehmlich Alternative Rock und Metal, aber auch Alternative Hip-Hop und elektronischer Musik. Da es jedoch nicht gelang, VIVA Zwei profitabel zu betreiben, und der Sender stets Verluste machte, wurde er am 7. Januar 2002 durch VIVA Plus ersetzt.
Ab dem Jahr 2000 setzte VIVA mit seinem Konzept stark auf europäische Expansion mit Tochtersendern in der Schweiz, Österreich und Polen. Dazu kamen diverse Beteiligungen an anderen Sendern.
2003 geriet VIVA in die Kritik, als bekannt wurde, dass bei der Rotation der Musikvideos heimlich Plätze für das Plattenunternehmen Universal reserviert wurden, das dadurch seine Titel besser positionieren wollte.
Bereits 2002 gab es Pläne einer Übernahme, wobei auch der US-amerikanische Medienkonzern Viacom unter den Bietern war. Anteilseigner wurde schließlich jedoch AOL Time Warner.
Nachdem bekannt geworden war, dass AOL Time Warner seine Sparte Warner Music verkauft hatte, stand auch der Verkauf von VIVA zur Disposition. Unter den Bietern befanden sich Viacom, ProSiebenSat.1 und die RTL Group.
Am 24. Juni 2004 wurde schließlich bekannt, dass VIVA von dem amerikanischen Medienkonzern Viacom übernommen wurde, zu dem auch die internationale MTV Group gehört. Der Kaufpreis lag bei gut 310 Millionen Euro.
Seit Januar 2005 war Viacom alleiniger Anteilseigner und übernahm die komplette Führung bei VIVA. Die Folgejahre waren durch eine Ausdünnung des Eigenproduktionsanteils im Programm zugunsten eingekaufter Ware gekennzeichnet, zudem erfolgten Massenentlassungen. Das Format VIVA Live! war als letztes regelmäßiges Liveprogramm bis 2011 auf Sendung, ehe auch dieses verschwand.
Ebenfalls im Jahr 2005 wurde der Sender von der zuständigen Landesmedienanstalt verwarnt, da anstatt der maximal erlaubten 12 Minuten Werbung pro Stunde mehr als 18 Minuten lang Werbung gezeigt wurde.
VIVA verlegte im März 2005 seinen Sitz von Köln-Mülheim nach Berlin.
Am 14. Januar 2007 wurde der Sendebetrieb von VIVA Plus eingestellt und der Sendeplatz durch Comedy Central ersetzt. Das Hauptformat von VIVA Plus, Get the Clip, wurde auf VIVA übertragen und ab dem 15. Januar 2007 täglich mehrmals ausgestrahlt, bis die Sendung am 19. Februar 2014 auch dort eingestellt wurde. Zudem gab es Spezialausgaben des Programms, und ein Teil der Call-in-Sendungen, die auf VIVA Plus ausgestrahlt wurden, waren anfangs ebenfalls auf VIVA zu sehen.
Ab dem 1. Januar 2011 um 3:00 Uhr war VIVA mit einem neuen Senderauftritt, neuem Senderlogo und neuem Design zu sehen. Dies hing damit zusammen, dass der Schwestersender MTV nur noch via Pay-TV zu empfangen war und einige MTV-Formate nun – meist als Wiederholungen – bei VIVA zu sehen waren. Auch diesmal war das erste gespielte Musikvideo Zu geil für diese Welt von den Fantastischen Vier. VIVA wurde dabei als Senderfenster für jegliche Inhalte von Viacom positioniert. Zu sehen waren auch Sendungen, die sich ursprünglich nur bei Nick, Comedy Central oder vormals MTV im Programm befanden.