Uwe Hans Heinz Timm (* 30. März 1940 in Hamburg) ist ein deutscher Schriftsteller. Er schreibt Prosa, Lyrik, Essays, Hörspiele und Drehbücher.
Zu seinen Werken gehören der Debütroman Heißer Sommer (1974) über die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre, die Novelle Die Entdeckung der Currywurst (1993) sowie die autobiografischen Erzählungen Am Beispiel meines Bruders (2003) über seinen Bruder im Zweiten Weltkrieg und Der Freund und der Fremde (2005) über Benno Ohnesorg. Für das Kinderbuch Rennschwein Rudi Rüssel (1989) erhielt Timm den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Uwe Timm, drittes Kind des Ehepaares Hans und Anna Timm, wurde während des Zweiten Weltkrieges im Alter von drei Jahren (1943) gemeinsam mit seiner Mutter zu Verwandten nach Coburg evakuiert. Im Spätsommer 1945 kehrten sie nach Hamburg zurück, wo sein aus dem Krieg heimgekehrter Vater eine Kürschnerei eröffnete. Als Schulkind litt Timm unter einer Leseschwäche. Ein Deutschlehrer und dessen Leseauftrag Kon-Tiki führten eine Wende herbei: „Bis dahin habe ich immer stockend und falsch betont gelesen, doch plötzlich hörte ich die Stimme des Erzählers und nahm die Sprache geradezu körperlich wahr. Von da an las ich wie ein Weltmeister alles, was ich kriegen konnte.“
Im Anschluss an den Besuch der Volksschule absolvierte Uwe Timm eine Kürschnerlehre in der Firma Levermann. Nach Abschluss der Lehre übernahm er 1958 das hoch verschuldete Pelzgeschäft seines kurz zuvor verstorbenen Vaters († 1. September 1958). Seinen Werdegang als Kürschner schilderte er in seinem 2023 erschienenen Werk „Alle meine Geister“. Nach der Sanierung des Geschäftes besuchte Timm ab 1961 das Braunschweig-Kolleg. Hier lernte er Benno Ohnesorg kennen. Dieser war Herausgeber der Zeitschrift teils-teils. In der Nr. 1 – weitere Nummern folgten nicht – erschienen Timms erste Gedichte.
Das Kolleg beendete Uwe Timm am 5. März 1963 mit dem Abitur. Gemeinsam mit seiner Freundin Jutta Kosjek – sie wurde im Mai 1964 die Mutter seiner ersten Tochter Katharina – ging Timm nach München, um an der Ludwig-Maximilians-Universität die Fächer Philosophie und Germanistik zu studieren. Seine akademischen Lehrer waren der Philosoph Max Müller (Schüler Martin Heideggers), der Mediävist Hugo Kuhn und der Germanist Walter Müller-Seidel.
1966 setzte Timm sein Studium bei Raymond Aron und Jean Wahl an der Sorbonne in Paris fort. Hier lernte er Alice Dermigny und den Mathematiker Diederich Hinrichsen kennen. Gemeinsam mit Hinrichsen schrieb er ein Theaterstück, für das sie jedoch keinen Verlag fanden. In Paris erreichte Timm im Juni 1967 die Nachricht vom Tod seines Freundes Benno Ohnesorg.
Im September 1967 kehrte Uwe Timm nach München zurück. Dort war er von 1967 bis 1969 im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) politisch tätig. Er schrieb Agitprop-Lyrik und Straßentheaterstücke und beteiligte sich an der Besetzung der Münchener Universität. Während der Proteste im Jahr 1968 wohnte er einige Monate in Hamburg. Er nahm Kontakt zum Autorenkollektiv Hamburg linksliterarisch auf, dem u. a. die Schriftsteller Klaus Kuhnke, Peter Schütt und Uwe Wandrey angehörten.
Im November 1969 heiratete Uwe Timm die in Villa Gesell (Argentinien) aufgewachsene, spätere Übersetzerin Dagmar Ploetz, mit der er drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, hat. Ein Zweitstudium der Soziologie und Volkswirtschaft, das er 1970 begonnen hatte, gab er 1972 wieder auf. 1971 wurde er mit der Dissertation Das Problem der Absurdität bei Albert Camus zum Dr. phil. promoviert.
Seitdem arbeitet Timm als freier Schriftsteller. 1971/1972 gründete er die »Wortgruppe München« und war Mitherausgeber der Zeitschrift Literarische Hefte. Von 1972 bis 1981 wirkte er – in den ersten Jahren gemeinsam mit Uwe Friesel, Richard Hey, Gerd Fuchs und Hannelies Taschau – als Herausgeber der AutorenEdition im Bertelsmann-Verlag. Nach deren Auflösung wechselte Uwe Timm zum Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln.
1973 wurde Uwe Timm Mitglied der DKP. Mit deren Zielen konnte er sich aber nicht vollständig identifizieren, so dass er 1981 seinen Austritt erklärte, u. a. wegen der unkritischen Haltung der Partei gegenüber der DDR. Im selben Jahr siedelte er für zwei Jahre nach Rom über. Uwe Timm lebte in den 1980er Jahren in Herrsching am Ammersee und wohnt derzeit mit seiner Familie in München und Berlin.
Dreimal wurde Timm als writer in residence an Universitäten des englischsprachigen Raums berufen:
1997: Washington University in St. Louis.
1999 hielt er im Rahmen der Reihe »New Literature from Europe« eine Lesung im Library of Congress der Vereinigten Staaten.
In Deutschland hielt Uwe Timm folgende Poetikvorlesungen:
Wintersemester 1991/92: Paderborner Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller (erschienen im Band Erzählen und kein Ende)
2005: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Sommersemester 2009: Frankfurter Poetik-Vorlesungen an der Universität Frankfurt (erschienen im Band Von Anfang und Ende).
2018: Tübinger Poetik-Dozentur gemeinsam mit Frank Witzel