Uwe Heinz Steimle (* 20. Juni 1963 in Dresden) ist ein deutscher Kabarettist und Schauspieler. Charakteristikum ist sein sächsischer Dialekt. Deutschlandweit bekannt wurde er als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der Fernsehreihe Polizeiruf 110. Steimle prägte 1992 den Begriff der Ostalgie. Mehrere seiner Aussagen werden als rechtspopulistisch und AfD-nah bewertet.
Steimle wuchs in Dresden-Trachau auf. Beide Elternteile waren Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Sein Vater war Berufsunteroffizier (zuletzt als Stabsfeldwebel) in der Panzertruppe der Nationalen Volksarmee, dann bei der Bundeswehr Pförtner; die Mutter arbeitete in einem volkseigenen Verpackungsbetrieb, im VEB Polypack Dresden. Beide Eltern starben 1992. Steimle betrieb in seiner Jugend Leistungssport (Bestleistung im 100-Meter-Lauf 11,2 Sekunden). Nach der Schule lernte er zunächst Industrieschmied im Edelstahlwerk Freital. Danach studierte er von 1985 bis 1989 an der Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig. Seinen NVA-Wehrdienst leistete Steimle im Pionierbaubataillon 12 (PiBB-12) in Merseburg, wo er eine Ausbildung zum Sprengpionier erhielt.
Steimle wurde 1989 Mitglied des Dresdner Kabaretts Herkuleskeule.
Der Begriff „Ostalgie“ geht auf Steimles gleichnamiges Programm von 1992 zurück und gelangte im Jahr darauf bei der Wahl zum Wort des Jahres auf Platz 9. Mit dem Leipziger Tom Pauls schuf er die Figuren „Günther Zieschong“ (von ihm selbst dargestellt) und „Ilse Bähnert“ (Pauls). Steimle und Pauls traten mit diesen Figuren im Programm Ostalgie auf, das für regionale Programme des MDR produziert wurde. Später entstand Steimles erstes Soloprojekt Günther allein zuhaus, in dem er „Zieschong“ allein auftreten ließ. Nach Uns fracht ja keener ließ Steimle in seinem Programm Mich fracht ja Eener beide Figuren mit neuen Texten nochmals lebendig werden. Steimle ist auch als Imitator Erich Honeckers bekannt; diese Parodie ist oft Zugabe bei seinen Auftritten.
Steimle war zwischen 2007 und 2010 mehrmals Gast in Kabarett-Sendungen Neues aus der Anstalt neben Urban Priol und Georg Schramm. Er wirkte außerdem an der Satire-Sendung Kanzleramt Pforte D im MDR als „Günter Zieschong“ mit.
Seit 2017 trat er in dem Programm Mir san Mir gemeinsam mit dem bayerischen Kabarettisten Helmut Schleich auf. Schleich beendete die Zusammenarbeit mit Steimle Ende Juli 2026 aufgrund von dessen Äußerungen bei der AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau (→ Kontroversen um Steimle). Daneben ist er auch mit mehreren Soloprogrammen auf zahlreichen Kabarettbühnen zu sehen, z. B. Heimatstunde und FeinKOST.
Von 1991 bis 1994 war er Mitglied des Staatsschauspiels Dresden. Weitere Engagements führten ihn auch nach Halle und Erfurt.
Von 1993 bis 2009 ermittelte Steimle als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der Fernsehreihe Polizeiruf 110. Bei insgesamt vier wechselnden Partnern war er mit 31 Folgen der zweitdienstälteste Polizeiruf-Kommissar der ARD.
Im Jahr 2005 erhielt Steimle gemeinsam mit Henry Hübchen und Autorin Beate Langmaack den Grimme-Preis für die Weiterentwicklung der Reihe. Der taz-Fernsehkritiker Rainer Braun zählte Steimle anlässlich der Absetzung des Hinrichs-Polizeirufs „zu den profiliertesten und vielseitigsten Vertretern seiner Zunft“.
Als 2008 der NDR das Ende des Ermittlerduos für das folgende Jahr ankündigte, protestierte Steimle dagegen, sprach von „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“ und zeigte sich überzeugt, aus „politischen Gründen“ und wegen „Aufmüpfigkeit“ „entfernt“ worden zu sein. Zuvor hatte er für die Partei Die Linke als Mitglied der Bundesversammlung Peter Sodann mitgewählt und sich oft über den „Polizeiruf“ beschwert. Der Sender begründete seine Entscheidung damit, dass der Schweriner Polizeiruf nach 15 Jahren einfach „auserzählt“ sei. Medien und selbst Steimles Polizeiruf-Partner Felix Eitner meinten, dass Steimle sich als Verschwörungsopfer hochstilisiere. Steimle hingegen forderte ein öffentliches Streitgespräch mit dem ARD-Programmdirektor Volker Herres und verlangte dafür den sonntäglichen Sendeplatz der ARD-Talkshow „Anne Will“. Herres bemerkte zu der Entscheidung, dass „Rollen enden, das ist normal, große Schauspieler bleiben“, und lobte Steimle als „bemerkenswerte[n] Darsteller“, dessen „Begabungen er sehr zu schätzen wisse“. Steimle behauptete, dass Herres ihn als „Querulant[en]“ bezeichnet habe, und verglich dies mit der Sprache des Nationalsozialismus bzw. der Ausdrucksweise eines NVA-Politoffiziers. Auch danach war Steimle noch in diversen Sendungen der ARD zu sehen.
Weitere Auftritte in Film und Fernsehen
Im Jahr 1988 trat Steimle in Thomas Langhoffs Verfilmung Der Aufstand der Fischer von St. Barbara neben Ulrich Thein erstmals vor eine Kamera. Im folgenden Jahr spielte er in Zwei schräge Vögel mit.
In Edgar Reitz’ Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende war Steimle außerdem 2004 in der Rolle des „Gunnar Brehme“ zu sehen. Im TV-Zweiteiler Das Konto von 2004 spielte er einen Killer. 2008 sah man ihn als Hauptdarsteller in der Fernsehkomödie Plötzlich Millionär.
2009 spielte Steimle im Film Liebe Mauer den Stasi-Oberleutnant Haack. 2011 verkörperte er in dem Kinofilm Sushi in Suhl, in dem die Geschichte des ersten japanischen Restaurants in der DDR verfilmt wurde, die Hauptfigur Rolf Anschütz.
Von 2013 bis 2019 präsentierte Steimle im MDR Steimles Welt. Dabei fuhr er mit einem Wartburg 312 gemeinsam mit Michael Seidel durchs Sendegebiet; mit Bürgern unterhielt er sich über ihre Geschichten vor und nach dem Zusammenbruch der DDR.
Im Jahr 2006 veröffentlichte er das Hörbuch Der Zauberer von Ost über das Grüne Gewölbe in Dresden. Es ist der erste Titel der gleichnamigen Reihe, in der 2007 das Hörbuch über die Geschichte des Dresdner Christstollens Hören Sie es riechen? und 2008 Hans Christian Andersens Bericht einer Reise in die Sächsische Schweiz, letzteres gelesen von Walter Niklaus, erschienen sind.
Darüber hinaus erschienen weitere Bücher mit satirischen Texten, die sich zumeist mit seiner Heimat, der aktuellen Politik sowie der Wiedervereinigung beschäftigen und auch als Hörbücher vorliegen.
Im Jahr 2009 wurde Steimle von der Linkspartei als Mitglied der Bundesversammlung benannt und vom Sächsischen Landtag gewählt. In dieser Funktion nahm er an der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2009 teil.