Helga Ursula „Uschi“ Glas (* 2. März 1944 in Landau an der Isar) ist eine deutsche Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Sie wurde 1966 als Apanatschi in dem Western Winnetou und das Halbblut Apanatschi bekannt und erlebte ihren Durchbruch zum Leinwandstar 1968 in der Hauptrolle in der zeitkritischen Filmkomödie Zur Sache, Schätzchen der Filmemacherin May Spils. Sie trat auch als Sängerin in Erscheinung.
Ab den 1970er Jahren wurde Glas zu einer beliebten Hauptdarstellerin populärer deutscher Fernsehserien wie Polizeiinspektion 1, Unsere schönsten Jahre, Zwei Münchner in Hamburg und Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg. In den 2010er Jahren wirkte sie in einer komödiantischen Nebenrolle in mehreren der erfolgreichen Fack ju Göhte-Filme mit. Insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren spielte sie auch Theater. Glas erhielt zahlreiche Auszeichnungen, ist Gründerin des wohltätigen Vereins Brotzeit und auch darüber hinaus sozialpolitisch engagiert.
Uschi Glas wurde 1944 in Landau als jüngstes von vier Kindern des Angestellten Christian Glas und seiner Frau Josefine Kratzer geboren und wuchs dort mit zwei Schwestern und einem Bruder in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater arbeitete bei dem Autohersteller Hans Glas GmbH, war aber mit dem Firmeninhaber nicht verwandt. 2025 beauftragte Glas einen Genealogen, um mehr über ihre Familiengeschichte herauszufinden; dabei kam heraus, dass ihr Vater seit 1931 Mitglied der NSDAP und ab 1944 in der Waffen-SS gewesen war.
Im konservativen Milieu ihrer Heimatstadt erlebte Glas als Schulkind Ausgrenzung, da sie, so erzählte sie später, aus einer sozialdemokratischen evangelischen Familie stammte. 1960 schloss sie die Realschule in Landau mit der mittleren Reife ab. Nach einer Anstellung als Buchhalterin bei dem Unternehmen Maschinen-Bayer in Dingolfing ließ sich Glas 1964 in München nieder, wo sie als Sekretärin in der Anwaltskanzlei Rolf Bossis und bei einem Fuhrunternehmen arbeitete.
Bei einem Empfang zur Premiere des Kinofilms Das Liebeskarussell lernte Glas den Produzenten Horst Wendlandt kennen. Dieser zeigte Interesse an ihr und gab ihr 1965 in Der unheimliche Mönch eine kleine Filmrolle (noch unter dem Namen Ursula Glas). Da sie überzeugte, erhielt sie Schauspielunterricht bei Anne-Marie Hanschke und durfte bald erste Hauptrollen spielen wie in der Karl-May-Verfilmung Winnetou und das Halbblut Apanatschi. Darin wurde sie noch von Marion Hartmann synchronisiert.
Ihren Durchbruch hatte Glas 1968 an der Seite von Werner Enke in der Rolle der Barbara in der Filmkomödie Zur Sache, Schätzchen, in der sie einen – unvollendeten – Striptease zeigt. In der Filmreihe Die Lümmel von der ersten Bank, die im selben Jahr startete, spielte sie die Schwester des von Hansi Kraus dargestellten Lehrerschrecks Pepe Nietnagel. Glas übernahm in weiteren Kinofilmen die weibliche Hauptrolle, mehrmals an der Seite des populären Schlagersängers Roy Black. 1969 hatte sie in Düsseldorf ihr Debüt am Theater in dem Bühnenstück Unsere liebste Freundin.
Glas war in fünf Edgar-Wallace-Filmen zu sehen. Danach trat sie immer öfter in Fernsehserien auf, so 1973 in der Krimiserie Der Kommissar, und bald stand sie selbst im Mittelpunkt von Serien wie Polizeiinspektion 1 (ab 1977) und Unsere schönsten Jahre (ab 1983). 1986 sollte sie Filmpartnerin von Christian Quadflieg in der Fernsehserie Der Landarzt werden, doch verließ sie die Produktion wegen ihrer Schwangerschaft kurz nach Beginn der Dreharbeiten.
Ab 1989 war sie an der Seite von Elmar Wepper in der Fernsehserie Zwei Münchner in Hamburg zu sehen. Für die ab 1993 erschienene Filmreihe Tierärztin Christine, in der sie die Titelrolle spielte, schrieb sie auch das Drehbuch. Weitere Erfolgsserien waren Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg (ab 1994, mit Glas als Kiesgrubenbesitzerin) und Sylvia – Eine Klasse für sich (ab 1998, mit ihr als Lehrerin) sowie Zwei am großen See (ab 2004, mit Glas in der Rolle der Antonia Berger).
In den erfolgreichsten deutschen Kinofilmen der Jahre 2013, 2015 und 2017, Fack ju Göthe, Fack ju Göhte 2 und Fack ju Göthe 3, verkörperte Glas in einer Nebenrolle eine suizidgefährdete ausgebrannte Lehrerin. Damit hat sie in zehn der 100 erfolgreichsten zwischen 1966 und 2017 produzierten deutschen Kinofilme mitgespielt. In dem Fernsehfilm Club der einsamen Herzen, der im Sommer 2018 gedreht wurde, spielten Glas, Hannelore Elsner und Jutta Speidel Jugendfreundinnen, die sich nach vielen Jahren wiedertreffen und gemeinsam ein Tanzcafé eröffnen wollen. 2020 und 2024 spielte sie in den Kinofilmen Max und die wilde 7 und Max und die Wilde 7: Die Geister-Oma die alternde Schauspielerin Vera, die sie optisch als Hommage an die Innenarchitektin und Modeikone Iris Apfel anlegte.
1970 versuchte sich Glas als Schlagersängerin: Mit dem Produzenten Giorgio Moroder nahm sie die Single Wenn dein Herz brennt, eine deutsche Fassung von Love Grows (Where My Rosemary Goes) von Edison Lighthouse, auf. 2002 veröffentlichte sie das Musikalbum Uschi Glas singt die schönsten Weihnachtslieder und 2003 Sonne, Mond und Sterne – Uschi Glas singt die schönsten deutschen Lieder. Im April 2024 nahm Glas kostümiert als „Tapsi, der Babylöwe“ an der ProSieben-Show The Masked Singer teil und belegte den siebten Platz.
1996 veröffentlichte Glas unter dem Titel Gesund, schlank und schön ein Kochbuch mit Rezepten für das ganze Jahr. 2004 erschien ihre Autobiografie, Mit einem Lächeln, und 2016 das Buch Herzenssache. Vom Glück, gebraucht zu werden.
Von 1966 bis Ende 1970 war der Filmproduzent Bobby Arnold Glas’ Lebenspartner, von 1971 bis 1973 Max Graf Lamberg und danach Bernd Tewaag, mit dem sie von 1981 bis Februar 2003 verheiratet war. Aus dieser Verbindung gingen drei Kinder hervor: der Filmproduzent Benjamin Tewaag (* 1976), ein 1982 geborener Sohn und Julia Tewaag (* 1986), die als Kind in der Fernsehreihe Tierärztin Christine an Glas’ Seite auftrat. Im Oktober 2005 heiratete Glas den Unternehmensberater Dieter Hermann, den sie bei einem Golfturnier kennengelernt hatte. Glas wohnt in München.
2009 gründete Uschi Glas zusammen mit ihrem Ehemann Dieter Hermann den Verein brotZeit e. V., der bundesweit kostenlos Frühstücke an Schulkinder ausgibt, und für den sie bis 2022 als Vorstandsmitglied und ab 2022 im Aufsichtsrat und durchgängig für dessen Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. Seit vielen Jahren ist sie zudem Schirmherrin der Deutschen Stiftung Patientenschutz.
Fast 20 Jahre lang setzte sie sich für die in den USA zum Tode verurteilte Debbie Milke ein. Glas pflegte engen Kontakt zu Milkes mittlerweile verstorbener Mutter, traf sich mit Milkes Anwälten und verschickte eine selbst produzierte DVD über den Fall an Freunde. Bei einer Münchner Sicherheitskonferenz ließ sie sich als Dinner-Tischdame von John McCain einschleusen – in der vergeblichen Hoffnung, den Senator aus Arizona für ihre Sache gewinnen zu können. Milke wurde 2013 aus der Haft entlassen.
Ferner engagiert Glas sich seit vielen Jahren aktiv im Kampf gegen Blutkrebs und unterstützt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei sowohl finanziell als auch mit ehrenamtlichem Engagement. Ebenso unterstützt sie die Felix Burda Stiftung bei einer Kampagne für Darmkrebsvorsorge und warb 2025 für die Osteoporose-Vorsorge bei älteren Menschen.
Glas engagierte sich auch für die Augsburger Benefiz-Fußballelf Datschiburger Kickers, die sich dem Fundraising für wohltätige Zwecke verschrieben hat. Für ihr jahrelanges Engagement und die Gründung von brotZeit erhielt sie 2009 gemeinsam mit Dieter Hermann von Kinderlachen den „Kind-Award“.
Wiederholt äußerte sie sich kritisch zu der Objektifizierung des weiblichen Körpers: „Was mir vorschwebt ist, dass die Frauen kämpferischer werden und mehr Selbstbewusstsein entwickeln, um sich eben nicht immerzu über ihren Körper definieren zu müssen.“ Sie berichtete auch über ein sogenanntes MeToo-Erlebnis, eine von ihr abgewehrte und öffentlich gemachte Belästigung, die sie in ihrem Schauspielerberuf erlebt habe. Sie tritt für Frauenförderung und soziale Chancengerechtigkeit ein und plädiert dafür, Mädchen früh genug und besser zu fördern. Weiterhin ist sie, wo es noch nötig sei, für eine Frauenquote („habe auch das Gefühl, dass es nicht anders funktioniert“) und für die Einrichtung von Kinderbetreuung in Firmen, damit auch junge Mütter die Chance bekämen, ihren Job vollumfänglich ausüben zu können.