Ursula Gertrud von der Leyen [ˈʊʁzula ˈɡɛʁtʁuːt fɔn deːɐ̯ ˈlaɪən] ( geborene Albrecht; * 8. Oktober 1958 in Ixelles/Elsene, Belgien) ist eine deutsche Politikerin (CDU). Seit Dezember 2019 ist sie Präsidentin der Europäischen Kommission.
Zuvor war von der Leyen von 2003 bis 2005 niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, von 2005 bis 2009 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von 2009 bis 2013 Bundesministerin für Arbeit und Soziales und von 2013 bis 2019 Bundesministerin der Verteidigung. Von November 2010 bis November 2019 war sie zudem eine der fünf stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU.
Ursula von der Leyen stammt aus der Familie Albrecht und wuchs bis 1971 in Brüssel, anschließend in Ilten bei Hannover auf. Sie ist die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (1930–2014) und dessen Ehefrau Heidi Adele, geborene Stromeyer (1927–2002). Ernst Albrecht war bis 1971 für die EG tätig, zuletzt als Generaldirektor. In dieser Zeit besuchte Ursula von der Leyen die Europäische Schule in Uccle.
Ursula von der Leyen hat fünf Brüder, darunter Hans-Holger Albrecht, ehemaliger Chef des Musikstreaming-Dienstes Deezer, und Donatus Albrecht, ehemaliges Vorstandsmitglied der Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Von ihren beiden älteren Brüdern bekam sie aufgrund deren Wunsches während der Schwangerschaft ihrer Mutter, eine kleine Schwester namens Rosa zu bekommen, den Spitznamen Röschen. Der Spitzname blieb auch in der aktiven politischen Zeit erhalten. Als sie in Brüssel lebten, starb ihre kleine Schwester Benita-Eva mit elf Jahren an Krebs. Sie erinnerte sich später „an die enorme Hilflosigkeit meiner Eltern“ in Anbetracht des Krebsleidens, was sie 2019 als einen ihrer Beweggründe anführte, dass ihre EU-Kommission „im Kampf gegen den Krebs die Führung übernehmen“ solle.
Von der Leyen ist seit 1986 mit dem Medizin-Professor und Unternehmer Heiko von der Leyen verheiratet. Das Paar hat sieben Kinder (geboren zwischen 1987 und 1999). Die Familie lebt seit 2007 in Burgdorf-Beinhorn (Region Hannover) auf dem Anwesen ihres im Dezember 2014 verstorbenen Vaters.
Sie ist Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche.
Ihre US-amerikanische Urgroßmutter Mary Ladson Robertson (1883–1960) stammte aus Charleston und war eine Nachfahrin von James Ladson und James H. Ladson. Der Dirigent George Alexander Albrecht war ihr Onkel.
Freundschaft mit Angela Merkel
Ursula von der Leyen ist eine enge Freundin der Altbundeskanzlerin Angela Merkel, mit der sie regelmäßig telefonischen Kontakt hält. Diese vertraute Beziehung, die über viele Jahre hinweg gewachsen ist, entwickelte sich während ihrer langjährigen gemeinsamen politischen Laufbahn. Von der Leyen diente 14 Jahre lang unter ihrer Kanzlerschaft in drei Ministerämtern.
Merkel schlug von der Leyen 2019 der EU als neue Vorsitzende der Europäischen Kommission vor (siehe unten); sie wurde gewählt und zog nach Brüssel.
Nach dem Abitur am Gymnasium Lehrte studierte sie von 1976 bis 1977 Archäologie. 1977 wechselte sie zur Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Münster. 1978 besuchte von der Leyen unter dem (an ihre Urgroßmutter angelehnten) Pseudonym Rose Ladson die London School of Economics and Political Science (LSE). Hintergrund war, dass das Landeskriminalamt eine konkrete Gefährdung für ihren Vater und dessen Familie durch die RAF sah, die eine größere Sympathisantenszene an der Göttinger Universität hatte.
1980 nahm sie schließlich ein Medizinstudium an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf, das sie 1987 mit dem Staatsexamen und ihrer Approbation als Ärztin abschloss. Anschließend war sie Assistenzärztin an der Frauenklinik der MHH. 1991 wurde sie zur Dr. med. promoviert.
Nach der Geburt von Zwillingen 1994, als sie bereits Mutter von drei Kindern war, führte sie ihre Facharztausbildung nicht fort. Von 1992 bis 1996 lebte sie mit ihrer Familie in Kalifornien, wo ihr Mann an der Stanford University beschäftigt war. Nach der Rückkehr nach Deutschland war sie von 1998 bis 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Friedrich Wilhelm Schwartz in der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig, wo sie 2001 mit einem Master of Public Health (MPH) graduierte.
2015 behauptete das Projekt VroniPlag Wiki, dass von der Leyens Dissertation aus dem Jahr 1990 in Teilen ein Plagiat sei. Auf 27 von 62 Seiten fänden sich Textübernahmen, die nicht als solche gekennzeichnet seien, was einem Anteil von 43,5 Prozent aller Seiten entspreche. Drei Seiten enthielten 50 bis 75 Prozent Fremdübernahmen und fünf Seiten mehr als 75 Prozent Plagiatstext. Ende August 2015 bat von der Leyen die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) durch eine „neutrale Ombudsstelle“ um eine Überprüfung ihrer Dissertation, die daraufhin nach einer Vorprüfung eine förmliche Untersuchung einleitete.
Der Senat entschied am 9. März 2016, dass von der Leyen ihren Grad behalten darf, da es sich um einen minderschweren Fall handele. Die Hochschuluntersuchungskommission stellte fest, dass 20 % der Arbeit fehlerhaft seien und sie Plagiate enthalte, aber nur an drei Stellen „schwere Fehler“ nachzuweisen seien. Christopher Baum, der Präsident der Hochschule, erklärte: „Im zentralen Ergebnisteil der Dissertation wurden keine Mängel festgestellt. […] Die Ergebnisse der Dissertation waren wissenschaftlich neu, valide und von praktischer Relevanz.“ Es wäre, so Baum, für die Doktorarbeit gar nicht nötig gewesen, eine neue wissenschaftliche Erkenntnis zu finden. Aber von der Leyen habe das geschafft. Sie hat Frauen in der Klinik beobachtet und herausgefunden, dass sich ein Bad auch auf Schwangere mit vorzeitigem Blasensprung positiv auswirkt. Zur Entstehungszeit der Doktorarbeit hatte es dagegen Bedenken gegeben – man fürchtete ein erhöhtes Infektionsrisiko für das Kind. Insbesondere habe es „kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten“ gegeben.
Die Entscheidung der MHH wurde in zahlreichen leitenden Medien kritisiert. Spiegel Online berichtete, dass nicht genannte Kritiker im Vorfeld die Unbefangenheit der Kommission infrage gestellt hatten, da von der Leyen der Vorsitzenden der Kommission aus dem Ehemaligenverein der Hochschule bekannt sei. Der Tagesspiegel zitierte Gerhard Dannemann, Professor für Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität mit der Auffassung, bei 32 festgestellten Plagiaten auf 62 Seiten ein systematisches Vorgehen pauschal zu verneinen und einen „wissenschaftlichen Kern“ der Arbeit von den Plagiaten abzuspalten, widerspreche geltendem Recht. Laut Spiegel Online kritisierte er, dass es gerade bei der medizinischen Arbeit von der Leyens besonders gefährlich sei, dass sie 23 Fehlverweise enthalte, bei denen die angegebenen Quellen die zitierten Inhalte gar nicht belegten.
Reinhard Müller kritisierte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die mangelnde Transparenz des Verfahrens. Die Neue Zürcher Zeitung kommentierte, der niedrige Standard der Dissertationen habe dazu geführt, „dass der Europäische Forschungsrat den deutschen «Dr. med.» nicht als vollwertigen Doktortitel anerkennt.“ Laut Stern kritisierte die Medizinprofessorin Ursula Gresser in einzelnen Punkten die Qualität der Dissertation und arbeitete anhand des „Negativbeispiels“ entsprechende Empfehlungen für ihre Doktoranden aus.
Von der Leyen selbst erklärte zu dem Ergebnis der Untersuchung, dass Teile ihrer Arbeit nicht den Ansprüchen genügten, die sie an sich selbst stelle.