Das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) ist ein Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), mit dem deutlich höhere Datenübertragungsraten (bis zu 42 Mbit/s mit HSPA+, sonst max. 384 kbit/s) als mit dem Mobilfunkstandard der zweiten Generation (2G), dem GSM-Standard (bis zu 220 kbit/s bei EDGE, sonst max. 55 kbit/s bei GPRS), möglich waren.
UMTS wurde von den neueren Standards Long Term Evolution (LTE, 3.9G), Long-Term-Evolution-Advanced (LTE+/LTE-A, 4G) und 5G abgelöst. In vielen Ländern wurde, mit Anfang der 2020er Jahre beginnend, bestehende UMTS-Netze abgeschaltet. In Deutschland war das Ende 2021 der Fall, in Österreich Mitte 2025. In der Schweiz ist die Abschaltung Ende 2025 vorgesehen.
Die ITU hatte UMTS für IMT-2000 ausgewählt; es ist einer der Standards der dritten Generation für Mobilfunk.
UMTS umfasst erweiterte multimediale Dienste sowie satelliten- und erdgestützte Sendeanlagen. Folgende Dienste konnten über UMTS angeboten werden:
Zwischenmenschliche Kommunikation (Audio- und Videotelefonie)
Nachrichtendienste (Unified Messaging, Video-Sprach-Mail, Chat)
Informationsverteilung (Internetzugang → z. B. World-Wide-Web-Browsen, Informationsdienste, öffentliche Dienste)
Standortbezogene Dienste (persönliche Navigation, Fahrerunterstützung)
Geschäftsdienste (Prozessmanagement, Mobilität in geschlossenen Räumen)
Massendienste (Bankdienste, E-Commerce, Überwachung, Beratungsdienste)
Rückkanal für mobiles interaktives Fernsehen, IP-Datacast, DVB-H
Im Oktober 2008 gab es 230 3G-Netze in 100 Ländern mit über 400 Millionen Teilnehmern, 300 Millionen nutzten UMTS, und von diesen verwendeten 60 Millionen HSPA (High Speed Packet Access).
Teilnehmerstärkstes Land in Europa war Italien: Allein H3G, Vodafone Italia und Telecom Italia hatten zusammen fast 20 Millionen 3G-Teilnehmer. Für Deutschland meldete der Branchenverband BITKOM Ende 2008 15,9 Millionen UMTS-Kunden und Ende 2011 fast 29 Millionen (35 % mehr als im Vorjahr). Deutschlandweit waren Mitte 2010 netzbetreiberübergreifend gut 70 % der Standorte, an denen ein Mobilfunknetz verfügbar ist, mit 3G (UMTS oder HSDPA) versorgt. In Österreich gab es Ende 2008 3.344.000 genutzte 3G-SIM-Karten, davon 812.700 Verträge für breitbandiges mobiles Internet per UMTS.
Nach übereinstimmenden Medienberichten zeigte der Hacker Tobias Engel im Dezember 2014, dass die Kommunikation über den als sicher geltenden Mobilfunkstandard UMTS ohne großen technischen Aufwand abgehört, mitgelesen und manipuliert werden kann. Dies war aufgrund der Sicherheitsmängel des Signalling System 7, welches von UMTS (und auch dessen Vorgänger GSM) genutzt wird, relativ einfach möglich. Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber arbeiteten nach eigenen Angaben daraufhin an Möglichkeiten, die genutzten Lücken zu schließen, konnten diese jedoch bis zur Abschaltung von UMTS im Jahr 2021 nur partiell schließen. Dessen Nachfolger LTE-Advanced und 5G nutzen SS7 nicht mehr und weisen daher dieser Sicherheitsmängel auch nicht mehr auf.
Durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Juli/August 2000 nahm die Bundesrepublik Deutschland 98,8 Milliarden DM (entspricht etwa 50 Milliarden Euro) ein. Das veranlasste den damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel zu dem Ausspruch, UMTS stehe für „Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden“. Die Ausgaben der Unternehmen für die ersteigerten Lizenzen waren in Deutschland absolut betrachtet (nicht pro Einwohner) international am höchsten.
Es wurden sechs Lizenzen zu je etwa 16 Milliarden DM an die folgenden Mobilfunkanbieter vergeben: DeTeMobil, Mannesmann Mobilfunk, MobilCom Multimedia GmbH, Auditorium Investments Germany S.à.r.l. (ursprünglich ein Konsortium aus der E-Plus-Konzernmutter KPN durch E-Plus und NTT DOCOMO sowie Hutchison Whampoa, später umfirmiert in E-plus 3G Luxemburg S.à.r.l.), VIAG Interkom und Group 3G (ein Konsortium aus der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera).
Die Lizenzen wurden am 6. Oktober 2000 erteilt. Zwei Lizenzen wurden später aufgegeben: Ende 2003 gab die MobilCom Multimedia GmbH ihre Lizenz aus freien Stücken zurück an die RegTP und verzichtete damit auf die Ausübung der Lizenz- und Frequenznutzungsrechte; im Oktober 2002 verlor Group 3G mit dem Ausstieg aus dem deutschen Markt ihre Lizenz, da diese nicht an Dritte weiterverkauft werden durfte.
Die hohen Kosten und das geringe Angebot nutzbarer Datendienste waren einer der Hauptgründe für den schleppenden Durchbruch von UMTS im Massenmarkt: Die Unternehmen begründeten ihre unattraktiv hohen Gebühren mit den immensen Lizenzkosten, die Kunden nahmen die Angebote nur sehr zögerlich an und die Aktionäre beklagten fallende Unternehmenswerte. Im Rückblick hat das hohe Versteigerungsergebnis dem Mobilfunkmarkt geschadet. Ein an sich gewollter Wettbewerb kam durch die Auktion effektiv nicht zustande, da kleinere Mobilfunkunternehmen durch die hohen Einstiegspreise am Markteintritt gehindert wurden; große Unternehmen verloren durch die sofort fällige Lizenzgebühr die notwendige Liquidität für einen zügigen Netzausbau und Firmenwerte gingen durch die Unveräußerbarkeit einer nicht mehr benötigten UMTS-Lizenz verloren. Zudem sprach sich schnell im Markt herum, dass ein guter UMTS-Empfang nur in wenigen Ballungsräumen gesichert war, aber abseits davon in ländlichen Gegenden die Datendienste nicht oder nur schleppend nutzbar waren, bedingt durch die geringen Reichweiten der hochfrequenten Dienste. In Deutschland gab es 2003 erste Probeläufe für einige wenige Firmenkunden, die zudem auch nur Datenkarten nutzen konnten. Seit 2004 war UMTS in Deutschland kommerziell verfügbar und im Laufe der Folgejahre gab es auch entsprechende Mobiltelefone in ausreichender Stückzahl.