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Ungarn

Staat in Mitteleuropa

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Ungarn (ungarisch [ˈmɒɟɒrorsaːɡ]) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa. Das überwiegend im Pannonischen Becken gelegene und von der Donau durchflossene Land grenzt an die Slowakei und die Ukraine im Norden, Rumänien im Osten, Serbien und Kroatien im Süden sowie Slowenien und Österreich im Westen. Hauptstadt und größte Stadt ist Budapest; zu den weiteren Großstädten zählen Debrecen, Szeged, Miskolc, Pécs und Győr. Ungarn hat rund 9,5 Millionen Einwohner, die sich überwiegend als ethnische Ungarn identifizieren; eine bedeutende Minderheit stellen die Roma. Amtssprache ist Ungarisch, die größte nicht-indoeuropäische Sprache Europas.

Das Gebiet des heutigen Ungarn war seit der Altsteinzeit besiedelt. Seit der Antike sind Völkernamen wie Kelten, Römer, Sarmaten, Skythen, Hunnen, Germanen, Awaren und Slawen überliefert. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts nahmen die Magyaren unter der Führung des Großfürsten Árpád Teile des Karpatenbeckens in Besitz. Um das Jahr 1000 wurde unter Stephan I. das Königreich Ungarn gegründet, das sich zu einem bedeutenden Staat entwickelte.

In Kämpfen gegen das Osmanische Reich erlitt Ungarn in der Schlacht bei Mohács (1526) eine entscheidende Niederlage; 1541 wurde auch die Hauptstadt Buda besetzt. Mehr als 150 Jahre lang wurde das Land in drei Teile geteilt: ein habsburgisch kontrolliertes Königreich, ein osmanisches Kerngebiet und das formal osmanisch abhängige, jedoch weitgehend autonome Fürstentum Siebenbürgen.

Ende des 17. Jahrhunderts kam das Land unter die Herrschaft der Habsburger. Mehrere Aufstände gegen die Habsburger, darunter der von Franz II. Rákóczi (1703–1711) und die Revolution von 1848/49, blieben erfolglos. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 führte zur Entstehung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Diese zerfiel am Ende des Ersten Weltkriegs, und nach einer kurzen republikanischen sowie einer Räteregierungsphase verlor das Land durch den Vertrag von Trianon 1920 zwei Drittel seines Staatsgebiets. Das Königreich Ungarn wurde unter Regent Miklós Horthy ohne König fortgeführt.

Ungarn war Verbündeter des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg; nach einem gescheiterten Austrittsversuch wurde das Land 1944 von deutschen Truppen besetzt und später von der Sowjetunion eingenommen. Nach einer kurzen Phase der demokratischen Zweiten Ungarischen Republik entstand die Volksrepublik Ungarn als sozialistischer Staat unter sowjetischem Einfluss. Nach dem Volksaufstand von 1956, der niedergeschlagen wurde, blieb das Land Teil des Ostblocks, die Innenpolitik war jedoch vergleichsweise liberal.

Im Zuge der politischen Umbrüche von 1989 wurde am 23. Oktober 1989 die dritte Republik Ungarn (seit 2012 offiziell nur noch Ungarn) ausgerufen und Ungarn wurde zur Demokratie. Ungarn trat 1999 der NATO und 2004 der Europäischen Union bei. Unter der Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán (2010–2026) wurde das Land jedoch wieder zunehmend autoritär regiert. Daher leitete die Europäische Kommission im Jahr 2022 erstmals ein Rechtsstaatsverfahren gegen ein Mitgliedsland ein. Ebenso sprach das Europäische Parlament erstmals einem Mitgliedsland ab, eine Demokratie zu sein. Im selben Jahr blockierten die anderen EU-Staaten aus diesem Grund erstmals die Auszahlung von mehreren Milliarden Euro an ein Mitgliedsland.

Gemäß dem Index der menschlichen Entwicklung zählt Ungarn zu den sehr hoch entwickelten Ländern. Es verfügt über ein staatlich organisiertes Gesundheits- und Bildungssystem. Ungarn besitzt eine reiche kulturelle und wissenschaftliche Tradition und ist ein bedeutendes Reiseziel, mit Budapest als einer der zwanzig am häufigsten von Touristen besuchten Städte Europas.

Die Eigenbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausländischen Namen für Ungarn ab. Der Begriff magyar (Aussprache /madjar/ von ung. magyar [ˈmɒɟɒr]; früher magyeri) taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf und ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = „Mensch, Mann, Geschlecht“) und er(i) (ebenfalls „Mensch, Mann, Geschlecht“). Der Name bezeichnete anfangs nur einen von sieben halbnomadischen Stämmen, die im 9. sowie im beginnenden 10. Jahrhundert räuberische Überfälle in Europa (bis über die Pyrenäen) unternahmen. Diese Stämme hießen Megyer (Magyar), Tarján, Jenő, Kér, Keszi, Kürt-Gyarmat und Nyék; sie sind auch unter dem Stammesbundnamen hétmagyar bekannt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts gelang es dem Stamm der Magyaren – das heißt den Nachkommen Árpáds, die übrigen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren gesprochen werden.

Der Name Ungarn gelangte vermutlich aus dem Slawischen in die anderen europäischen Sprachen. Das slawische Wort lässt sich auf die bolgarotürkische Stammesbezeichnung onogur (on = „zehn“ + ogur = „Stamm“) zurückführen, die die Verfasstheit des Stammesverbands vor der Landnahme wohl zutreffend wiedergibt. In der Volkstradition werden die Ungarn auf das Volk der Hunnen zurückgeführt, genetisch gesehen trifft das – so das Ergebnis von Studien – auf die nomadischen Eroberer wohl auch tatsächlich zu. Ebenfalls wird eine Zugehörigkeit der Eroberer zur Stammesföderation der namensgebenden Onoguren gesehen.

Das Königreich Ungarn, das in wechselnden Grenzen von 1001 bis 1946 bestand, heißt auf Ungarisch Magyar Királyság, da magyar im Ungarischen als Staatsbezeichnung und auch als Volksbezeichnung fungiert. Das heutige Ungarn heißt in der Landessprache Magyarország (deutsch: Ungarland). Von magyar wird im Deutschen das Adjektiv „magyarisch“ abgeleitet. In den meisten Sprachen der Welt – so auch im Deutschen – werden für das Land und seine Bewohner ebenfalls gleichlautende Bezeichnungen verwendet; sie stammen von dem lateinischen Begriff hungarus her. In Form der Landesbezeichnungen „Hungary“ und „Hongrie“ gelangte dieser Name beispielsweise auch ins Englische und Französische. Auf Rumänisch heißen das Königreich und die heutige Republik Regatul Ungariei beziehungsweise Republica Ungaria oder kurz Ungaria (Ungarn) und auf Ukrainisch Королівство Угорщина (Koroliwstwo Uhorschtschyna) oder kurz Угорщина (Uhorschtschyna).

Slowaken, Slowenen, Kroaten und Serben, die bis 1918 ganz oder teilweise im multiethnischen Ungarn lebten, unterscheiden dagegen bei der Staats- und Volksbezeichnung zwischen „ungarisch“ und „magyarisch“. Für den ungarischen Teil des einstigen Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn werden Bezeichnungen verwendet, die auf hungarus beruhen: Uhorsko (slowakisch), Ogrska (slowenisch) und Ugarska/Угарска (kroatisch/serbisch). Für den nach dem Vertrag von Trianon 1920 entstandenen Staat lauten die Bezeichnungen hingegen, abgeleitet von dem ethnischen Begriff Magyaren Maďarsko (slowakisch), Madžarska (slowenisch) und Mađarska/Мађарска (kroatisch/serbisch).

Bis 2012 lautete die amtliche Vollform Republik Ungarn (ungarisch Magyar Köztársaság).

Ungarn besteht aus 19 Komitaten und der Hauptstadt Budapest. Im Westen, an Österreich grenzend, liegen die Komitate Győr-Moson-Sopron und Vas, die landschaftlich besonders durch ihre Voralpenhügel gekennzeichnet sind. Etwas weiter im Osten, beim Plattensee, liegen die Komitate Veszprém, Somogy und Fejér und nördlich davon das Komitat Komárom-Esztergom. Diese Gegend ist vor allem wegen des Bakonygebirges bekannt. Weiter östlich befinden sich die Hauptstadt Budapest, mit dem umliegenden Komitat Pest und dem Komitat Bács-Kiskun im Süden. Dominiert wird diese Gegend vom Pilisgebirge und von der Donau.

Noch weiter östlich befinden sich die Komitate Heves, Jász-Nagykun-Szolnok und Csongrád-Csanád. Diese Gegend ist der Zwischenraum zwischen der Donau und der Theiß (ungarisch: Tisza). Im Süden der Region finden sich kleine Steppen. Im Norden befindet sich das Mátra-Gebirge mit dem höchsten Berg Ungarns, dem Kékes.

Am östlichen Rand des Landes befinden sich die Komitate Borsod-Abaúj-Zemplén, Szabolcs-Szatmár-Bereg, Hajdú-Bihar und Békés. Diese Gegend wird von der Puszta im Süden und dem Bükk in Borsod-Abaúj-Zemplén dominiert.

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