Unabhängiger Staat Kroatien (kurz USK, kroatisch Nezavisna Država Hrvatska, kurz NDH) ist die Bezeichnung für den von 1941 bis 1945 bestehenden kroatischen Vasallenstaat der Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs. Der USK stand unter der Führung des Diktators Ante Pavelić und dessen faschistischer Ustascha-Bewegung und beteiligte sich an der Seite der Achsenmächte an den Kämpfen auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz.
Der USK entstand nach dem deutschen Balkanfeldzug 1941 und der Teilung des Königreichs Jugoslawien durch das Deutsche Reich und das Königreich Italien. Erklärtes Gebiet dieses großkroatischen Staates waren Teile des heutigen Kroatien ohne Istrien und bis 1943 ohne Teile Dalmatiens, ganz Bosnien und Herzegowina sowie Teile des heutigen Serbiens (Syrmien). Dadurch hatte er insgesamt 6,3 Millionen Einwohner, davon 3,3 Millionen Kroaten, knapp 2 Millionen Serben, 700.000 Muslime und 150.000 „Volksdeutsche“.
Auf dem Gebiet des USK waren deutsche und bis 1943 italienische Besatzungstruppen stationiert, die von verbündeten kroatischen Streitkräften unterstützt wurden. Der USK übernahm sinngemäß die Nürnberger Gesetze und betrieb die systematische Verfolgung sowie die Ermordung von ethnischen Minderheiten wie Serben, Juden und Roma und Oppositionellen. Die von Beginn an vorhandenen inneren Konflikte im USK erreichten am Ende auch Regierungsstellen (Verschwörung Lorković-Vokić). Mit der deutschen Niederlage im Jahr 1945 konnte der USK der militärischen Übermacht der kommunistischen Tito-Partisanen nicht mehr standhalten.
Nach Jugoslawiens Beitritt zum Dreimächtepakt kam es am 27. März 1941 zu einem Staatsstreich serbischer Offiziere mit Unterstützung Großbritanniens, wobei Prinzregent Paul gestürzt wurde. Die neue jugoslawische Regierung versuchte, sich mit dem Deutschen Reich zu verständigen, dieses begann aber am 6. April 1941 mit dem Luftangriff auf Belgrad den Balkanfeldzug zur Eroberung Jugoslawiens und Griechenlands. Das am Vortag mit der Sowjetunion geschlossene Bündnisabkommen wurde nicht mehr wirksam, am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkräfte. Bereits am 10. April, dem Gründonnerstag jenes Jahres, marschierte die Wehrmacht in Zagreb ein, woraufhin Oberst Slavko Kvaternik im Namen der Ustascha-Bewegung mit den folgenden Worten – mit Bezug auf das unmittelbar bevorstehende Osterfest – den Unabhängigen Staat Kroatien proklamierte:
Die Grenzziehung des Unabhängigen Staates Kroatien verdankte dieser, laut Außenminister Mladen Lorković, „vor allem […] der großzügigen Freundschaft des Deutschen Reiches und des faschistischen Italiens.“ Bezeichnenderweise hingen im Arbeitszimmer von Ante Pavelić neben dem Bild des Herzogpaares von Spoleto auch die Bilder von Mussolini und Hitler.
Das Staatsgebiet umfasste neben den kroatischen Kerngebieten (Kroatien, Slawonien) auch Bosnien und die Herzegowina sowie Syrmien. Mit der Ratifizierung der „Römischen Protokolle“ wurde die Westgrenze des USK zu Italien festgelegt: das Gebiet von Sušak bis Kraljevica mit einem kleinen Hinterland fiel an Italien, anschließend die Küste bis Obrovac an Kroatien, weiter südlich das Küstengebiet in einer Tiefe von maximal 40 km (einschließlich Šibenik und Trogir) abermals an Italien, dazu die Inseln Krk, Rab und Vis sowie das Gebiet von Kotor. Die Insel Pag und die Küste von ausschließlich Trogir bis einschließlich Dubrovnik verblieben bei Kroatien. Die von Italien annektierten Gebiete hatten eine Fläche von 5.400 km² mit 380.000 Einwohnern, davon 280.000 Kroaten, 90.000 Serben und 5.000 Italienern. Sie waren sowohl strategisch als auch wirtschaftlich besonders wertvoll und nahmen einen hervorragenden Platz im kroatischen Nationalbewusstsein ein. Die kroatische Regierung versuchte erfolglos, den Verlust von Dalmatien durch das Angebot der kroatischen Krone an einen italienischen Prinzen und andere politische Zugeständnisse zu vermeiden. Durch die Verlautbarung dieser Vereinbarung verlor die Ustascha-Regierung rasch an Rückhalt in der Bevölkerung.
Mladen Lorković rechtfertigte als ehemaliger Außen- und späterer Innenminister die Abtretung der Gebiete:
Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 fielen die italienisch annektierten Gebiete an den Unabhängigen Staat Kroatien.
Der Unabhängige Staat Kroatien hatte im Jahr 1941 etwa 6,5 Mio. Einwohner, von denen fast die Hälfte Nichtkroaten waren. Laut der hochgerechneten Volkszählung von 1931 gab es etwa 1,9 Mio. orthodoxe Serben, 0,8 Mio. muslimische Bosniaken, 175 Tsd. Deutsche, 75 Tsd. Ungarn, 45 Tsd. Tschechen, 40 Tsd. Juden, je 25. Tsd. Ukrainer und Roma, 22 Tsd. Slowaken und 5 Tsd. Italiener in Kroatien.
Der NDH-Staat führte in Anlehnung an Hitler-Deutschland ebenfalls Rassengesetze ein. Beim Völkermord an den Serben im Unabhängigen Staat Kroatien wurden hunderttausende Serben, jedoch gleichzeitig auch Juden und Roma verfolgt, in Konzentrationslagern eingesperrt und ermordet. Das KZ Jasenovac war das größte Konzentrationslager in diesem Teil Europas. Die Konzentrationslager KZ Gornja Rijeka, KZ Jastrebarsko und KZ Sisak waren die einzigen Konzentrationslager Europas spezifisch für Kinder.
Mit Repräsentanten der deutschen Besatzung in Slowenien und Serbien beschloss die Regierung des NDH-Staates, insgesamt 220.000 bis 260.000 Slowenen nach Kroatien oder Altserbien zu deportieren. Hintergrund war die deutsche Bevölkerungspolitik in Slowenien, die – ähnlich wie im Generalgouvernement – mit Hilfe der Deutschen Volksliste die slowenische Bevölkerung nach einem „Rassenwert“ klassifizierte und Aussiedlungsbeschlüsse für „Minderwertige“ und „politisch Unzuverlässige“ gefasst hatte. Die Aussiedlung begann am 7. Juni 1941. In diesem Zusammenhang deportierte Kroatien seinerseits zehntausende Angehörige der serbischen Minderheit.
Der Unabhängige Staat Kroatien stand, nachdem die Kroatische Bauernpartei die Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht abgelehnt hatte, unter Führung von Ante Pavelić. Formal wurde Aimone Herzog von Spoleto als Tomislav II. zum König proklamiert.
Der so entstandene Staat war formal unabhängig, de facto aber ein Protektorat des Deutschen Reiches und Italiens mit einem politisch, wirtschaftlich und militärisch gestützten Regime. Um etwaige italienische Forderungen gering zu halten, tat die deutsche Führung in der Anfangsphase alles, um „keine Zweifel an der Souveränität des jungen Staates“ aufkommen zu lassen. Pavelić war es daher zunächst möglich, zwischen den Achsenmächten zu taktieren und sich einen Handlungsspielraum zu erarbeiten. Im Hintergrund weitete das Deutsche Reich seinen Einfluss jedoch aus, vor allem um wirtschaftlich von der Region zu profitieren. Italienische Beobachter konstatierten eine „systematische Unterwanderung Kroatiens“. Der deutsche Einfluss reichte schließlich so weit, dass der Herzog von Spoleto im Sommer 1941 erklärte, „dass er Kroatien nicht betreten werde, ehe dort nicht […] alle deutschen Elemente definitiv entfernt worden seien“. Im Endeffekt sollte Aimone di Savoia den kroatischen Thron nie besteigen.
Anerkannt wurde das Staatswesen von den Mitgliedern des Drei-Mächte-Pakts sowie von Finnland und Spanien. Auch die Schweiz und Frankreich unterhielten Konsulate in Zagreb. Im Jahr 1942 unterhielt das kroatische Außenministerium Gesandtschaften in den Hauptstädten der folgenden Länder: Deutschland, Italien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Spanien und Finnland. Generalkonsulate bestanden in Wien, Zadar (1941–43 italienisch), Mailand und Prag. Konsulate gab es in München, Graz, Rijeka (1941–43 italienisch), Ljubljana, Maribor, Belgrad und Florenz.
Das Regime war nach dem Führerprinzip organisiert. Die Verwaltung wurde gesäubert und der Kontrolle von Ustascha-Funktionären unterworfen. 1942 wurde ein Parlament einberufen, dessen Mitglieder ernannt wurden und unterschiedlicher politischer Herkunft waren. Es blieb jedoch bedeutungslos. Die Presse wurde gleichgeschaltet. Der „Aufsichtsdienst“ Ustaška nadzorna služba (UNS, später GRAVSIGUR) übernahm exekutive Kompetenzen und entschied eigenständig über Verhaftungen und das Schicksal der Verhafteten.