An diesem Tag

Ulrich de Maizière

Deutscher Militär, Generalinspekteur der Bundeswehr und Präsident der Clausewitz-Gesellschaft

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Karl Ernst Ulrich de Maizière [də mɛˈzjɛʀ] (* 24. Februar 1912 in Stade; † 26. August 2006 in Bonn) war ein deutscher Offizier. Er diente in der Reichswehr, der Wehrmacht und war zuletzt General des Heeres der Bundeswehr. Während des Zweiten Weltkrieges diente er in den letzten Kriegsmonaten ab Frühjahr 1945 als Erster Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung des Generalstabs des Heeres im Oberkommando des Heeres. Ab 1951 war de Maizière am Wiederaufbau deutscher Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt, diente von 1964 bis 1966 als dritter Inspekteur des Heeres und anschließend von 1966 bis 1972 als vierter Generalinspekteur der Bundeswehr. De Maizière gilt zusammen mit Johann Adolf Graf von Kielmansegg und Wolf von Baudissin als einer der „Väter der Bundeswehr“ sowie des Prinzips der „Inneren Führung“, das den „Staatsbürger in Uniform“ zum Leitbild machte.

Dienst in der Reichswehr und Wehrmacht und Zweiter Weltkrieg

Ulrich de Maizière entstammte der hugenottischen Familie Maizière und wuchs in Hannover als Sohn des promovierten Juristen, Verwaltungsbeamten und Reserveoffiziers Walter de Maizière (1876–1915) und Elsbeth, geb. Dückers, auf. Nach dem Abitur 1930 am hannoverschen Ratsgymnasium trat er als Offizieranwärter in den Dienst des Greifswalder Ausbildungsbataillons des Infanterieregimentes 5 der Reichswehr in Stettin. Von 1931 bis 1933 besuchte er die Infanterieschule Dresden und schloss als Lehrgangsbester ab. Am 1. August 1933 wurde er zum Leutnant ernannt. 1934/35 war er Zugführer und Nachrichtenoffizier im Infanterieregiment 5 in Neuruppin. Von 1935 bis 1937 war er Bataillonsadjutant im Infanterieregiment 50 Landsberg an der Warthe. 1937 wurde er Regimentsadjutant. 1939 nahm er als Hauptmann am Überfall auf Polen teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach der Absolvierung einer verkürzten Generalstabsausbildung im Jahre 1940 an der Kriegsakademie in Dresden und der Versetzung in die Führerreserve erfolgte ab August 1940 die Verwendung bei der Heeresgruppe C. Hier war de Maizière als Erster Ordonnanzoffizier (O 1) im Stab des Generalfeldmarschalls Wilhelm Ritter von Leeb.

Im Januar 1941 wurde er als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib), zuständig für die Versorgung, in den Stab der 18. Infanterie-Division unter Generalleutnant Friedrich-Carl Cranz versetzt. Im Rahmen des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Sommer 1941 stieß die Division Richtung Leningrad vor und wurde anschließend in den Wolchowsümpfen in einen Stellungskrieg gezwungen.

Im Januar 1942 wurde de Maizière von der Ostfront abgezogen und in den Generalstab des Heeres im Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt. In der dortigen Organisationsabteilung war er als Major unter der Leitung von Oberstleutnant Burkhart Müller-Hillebrand für die Gliederung, Aufstellung und Auffrischung der Feldheerdivisionen zuständig. Während dieser Zeit lernte er den Chef der Operationsabteilung Generalmajor Adolf Heusinger und dessen Gehilfen Major Johann Adolf Graf von Kielmansegg kennen, denen er nach dem Krieg beim Wiederaufbau der deutschen Streitkräfte wieder begegnete. Nach einem Jahr übergab er seine Aufgaben im Februar 1943 an Major Ernst Ferber und wurde anschließend erneut an die Ostfront versetzt.

Im russischen Orel übernahm de Maizière, inzwischen zum Oberstleutnant befördert, den Posten des Ersten Generalstabsoffiziers (Ia) der neuaufgestellten 10. Panzergrenadier-Division unter Generalleutnant August Schmidt. Die Division nahm an der Kursker Großoffensive, genannt Unternehmen Zitadelle, teil. Die Division war nach dem Scheitern der Offensive annähernd 16 Monate lang Rückzugsgefechten unterworfen. In dieser Zeit wurde de Maizière durch einen Splitter einer Panzerabwehrgranate verwundet. Im Januar 1944 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse.

Anfang Februar 1945 wurde er wieder in den Generalstab des Heeres im OKH versetzt und diente dort als Erster Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung. Nach kurzer Zeit übernahm er kommissarisch die Abteilung. In dieser Funktion nahm er im Frühjahr 1945 auch an den Lagevorträgen bei Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei teil.

Bei der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 hatte er in seiner Funktion als Operationschef den Befehl, in den Kurland-Kessel zu fliegen, um der dortigen, vor der sowjetischen Gefangennahme stehenden, Heeresgruppe Kurland Abschiedsgrüße zu überbringen und zu klären, ob der Kapitulationsbefehl den dortigen Oberbefehlshaber Generaloberst Carl Hilpert und seinen Stabschef Generalleutnant Friedrich Foertsch, den späteren Generalinspekteur der Bundeswehr, erreicht hatte. Zurück in Flensburg, wohin Teile des Oberkommandos der Wehrmacht nach der Einnahme Berlins durch die Rote Armee ausgewichen waren, erlebte de Maizière am 23. Mai 1945 die Verhaftung der Regierung von Großadmiral Karl Dönitz mit und ging selbst in britische Kriegsgefangenschaft.

Kriegsgefangenschaft und ziviles Leben

Ulrich de Maizière war im Kriegsgefangenenlager Zedelgem, Camp 2226 interniert, dessen Lagerbibliothek mit einem Bestand von 750 Büchern er dort verwaltete.

Nach zwei Jahren kehrte de Maizière aus der Kriegsgefangenschaft zurück zu seiner Tochter Barbara und seiner Frau Eva, die er 1944 geheiratet hatte.

Im selben Jahr begann er durch Kontakte seiner Ehefrau zu der Schwester von Fritz Schmorl zum 1. September 1947 eine Ausbildung zum Buchhändler in der Buchhandlung Schmorl & von Seefeld in Hannover, wo er deren Musikalienabteilung aufbaute.

Diesen Beruf übte er jedoch nicht lange aus, da er schon bald von der politischen Führung der jungen Bundesrepublik zur Mitarbeit am Neuaufbau von Streitkräften herangezogen wurde.

Beteiligung am Wiederaufbau der deutschen Streitkräfte

Am Heiligabend 1950 erreichte ihn ein Brief des Oberst a. D. Johann Adolf Graf von Kielmansegg, der ihn darum bat, im Amt Blank, dem Vorläufer des Bundesministeriums der Verteidigung, mitzuarbeiten. Diese Möglichkeit, im Rahmen der von Bundeskanzler Konrad Adenauer betriebenen deutschen Wiederbewaffnung, nahm de Maizière an. Von 1951 bis 1955 war er ziviler Mitarbeiter im Amt Blank. Am 15. Februar 1951 wurde er Militärberater der deutschen Delegation bei den Gesprächen zur europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in Paris. Nachdem Theodor Blank selbst nach Paris gekommen war und gegen den französischen Widerstand eine Gleichberechtigung Deutschlands in einer möglichen Europa-Armee durchgesetzt hatte und die Konferenz so an Wichtigkeit gewonnen hatte, wurde de Maizière durch Generalleutnant a. D. Hans Speidel abgelöst und kehrte nach Bonn zurück. Nachdem die EVG-Verträge 1954 gescheitert waren, weil Frankreich sie nicht ratifizierte, trat die Bundesrepublik im Mai 1955 der NATO bei.

Zurück im Amt Blank wurde de Maizière 1951 in der „Militärischen Abteilung“ unter Generalleutnant a. D. Heusinger als Referent in Ressort „Militärische Verteidigung im Gesamtrahmen“. Zugleich war er damit ständiger Stellvertreter des Unterabteilungsleiters Kielmansegg. Seine Aufgaben in dieser Funktion waren vor allem die Bearbeitung von sämtlichen internationalen Verteidigungsfragen und die Kontaktpflege zu den in Bonn akkreditierten Militärmissionen.

Nach der Gründung der Bundeswehr im Mai 1955 wurde de Maizière am 12. November zusammen mit 101 weiteren Freiwilligen vereidigt und im Dienstgrad Oberst als Abteilungsleiter im nunmehrigen Bundesministerium für Verteidigung eingesetzt. In dieser Position war er mit Führungsfragen der Landesverteidigung im Führungsstab der Bundeswehr betraut. Zusammen mit Oberst Jürgen Bennecke, mit dem er 1940 die Generalstabsausbildung absolviert hatte, erarbeitete er eine Kompromisslösung für die „Territorialorganisation“, denn es war ein Mittelweg zwischen den mobilen NATO-Truppen und den meist stationären nationalen Verteidigungsbehörden nötig.

Am 1. Januar 1958 erhielt de Maizière, seit 22. Dezember 1956 Brigadegeneral, in der 1. Grenadierdivision mit der Kampfgruppe A1, später Panzerbrigade 2, in Hannover sein erstes Truppenkommando. Im Zuge dessen wurde das Brigadekonzept erprobt und danach für die gesamte Bundeswehr übernommen. Generalmajor Burkhart Müller-Hillebrand, der bereits im Oberkommando des Heeres de Maizières Vorgesetzter war, diente zu dieser Zeit als stellvertretender Divisionskommandeur. Zum 1. April 1959 übernahm er das Kommando der nunmehrigen 1. Panzergrenadierdivision und machte de Maizière zu seinem Stellvertreter.

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