An diesem Tag

Ulrich Siegmund

Deutscher Politiker (AfD), MdL

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Markus Ulrich Siegmund (* 25. Oktober 1990 in Havelberg) ist ein deutscher Politiker (AfD) im vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuften Landesverband Sachsen-Anhalt. Seit 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt, seit August 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner außerdem Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion und damit Oppositionsführer. Anfang 2024 erlangte Siegmund überregionale Bekanntheit durch seine Teilnahme am Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026 führte er als Spitzenkandidat der AfD seine Partei zum Wahlsieg.

Nach dem Fachabitur absolvierte Siegmund eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. 2014 gründete er ein Handelsunternehmen, das unter anderem Raumbeduftungen anbietet. Im Jahr 2016 schloss er an der Europäischen Fernhochschule Hamburg sein Studium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts ab. Der Titel der Abschlussarbeit lautet: Untersuchung von Duftmarketing, anhand des gewerblichen Einsatzes mit einer psychologischen Beeinflussung von Wohlfühlempfindungen und monetären Beeinflussungen des Kaufverhaltens.

2017 trat er aus der römisch-katholischen Kirche wegen ihrer „sehr unrühmliche[n] und auch politischen[n] Rolle“ aus.

Er betreibt unter dem Namen Mutzurwahrheit90 einen TikTok-Kanal; mit rund 763.500 Followern (Stand: August 2026) ist er dort einer der reichweitenstärksten deutschen Politiker.

Siegmund wohnt in Tangermünde. Er ist mit Julia Siegmund verheiratet, einer Lehrerin, die an der Comenius-Schule in Stendal unterrichtet, und hat mit ihr eine Tochter.

Mit 19 Jahren trat Siegmund in die CDU ein, die er im Alter von 24 Jahren verließ, um Mitglied der AfD zu werden. Im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Stendal ist er gewählter Pressesprecher. Seit 2016 gehört Siegmund dem Landesvorstand der AfD Sachsen-Anhalt an. Der Landesverband wurde 2023 vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.

Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 wurde Siegmund über die AfD-Landesliste in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt. Er war bis Februar 2024 Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Integration sowie gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Im August 2022 wählte ihn die AfD-Fraktion im Landtag zum gleichberechtigten Co-Vorsitzenden neben Oliver Kirchner.

Im Mai 2025 nominierte die AfD Siegmund als ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026. Der Landesverband gewann deutlich die meisten Stimmen und kam auf ein vorläufiges Endergebnis von 43,8 Prozent. Damit verdoppelte die AfD ihr Ergebnis und erreichte den besten Wert bei einer Landtagswahl überhaupt. In seinem Wahlkreis Genthin errang Siegmund das Direktmandat mit einem Anteil von 49 Prozent der Erststimmen (Zweitstimmenanteil der AfD 47 Prozent).

Siegmund möchte die Schulpflicht in Sachsen-Anhalt in eine Bildungspflicht umwandeln, um damit Heimunterricht zu ermöglichen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll auf zwei Programme reduziert werden, die auf jegliche Meinungsäußerung verzichten müssten. Zudem beabsichtige er, die Landesregierung Sachsen-Anhalts durch die Zusammenlegung von Ministerien zu verkleinern. Mehrere Landesbehörden, wie die Energieagentur, möchte er abschaffen.

In ihrem Wahlprogramm kündigte die AfD Sachsen-Anhalt 2026 zudem an, eine aus ihrer Sicht herrschende „Willkommenspropaganda“ beenden sowie das Kirchenasyl und das Grundrecht auf Asyl abschaffen zu wollen. Zudem führe die „Anwerbung kulturfremder Fachkräfte zur Lösung von Engpässen auf dem Arbeitsmarkt [...] zu unerwünschten Folgeproblemen“. Dies rief Kritik der Ärztekammer Sachsen-Anhalt und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt hervor, die auf den bereits heute bestehenden Ärztemangel im Land hinwiesen und vor drohenden Versorgungslücken warnten.

In Bezug auf die geplante Ansiedlung des israelischen Rüstungsproduzenten Elbit Systems in Sangershausen sagte Siegmund, er befürworte sie, denn man verteufele „nicht pauschal Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei (der) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen. Natürlich auch im Sinne der inneren Sicherheit, der eigenen Stabilität und auch der Landesverteidigung.“ Man wolle „sich genau anschauen, was wird da produziert, unter welchen Bedingungen und laufen wir dadurch Gefahr, uns an fremden Konflikten zu beteiligen?“ Auf Nachfrage von T-Online erklärte er, Rüstungsproduktion sei „ein weites Feld“; dazu gehörten nicht nur Waffen, sondern „Ausrüstung, Fahrzeuge, Schutztechnik und weitere Hilfsmittel“, auf die „Bundeswehr, Polizei und Sicherheitsbehörden“ angewiesen seien. Das müsse weiter gestärkt werden, „auch, um Recht durchzusetzen, Abschiebungen konsequent zu vollziehen und eine echte Remigrationsoffensive zu ermöglichen“. Allerdings ist die Arbeit von Bundeswehr und Polizei gesetzlich strikt getrennt. Nur in absoluten Ausnahmefällen darf die Armee im Inland tätig werden wie in einem Katastrophennotstand. Im Fokus des Unternehmens stehen zudem Kriegstechnik und Abwehrsysteme für gepanzerte Fahrzeuge oder Kriegsschiffe und nicht Zubehör für die Polizei.

Nach Recherchen von Correctiv war Siegmund Teilnehmer eines Treffens am 25. November 2023 im Landhaus Adlon in Potsdam mit Teilnehmern der Neuen Rechten, darunter dem österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner und Mitgliedern der CDU. Bei dem Treffen wurde über einen „Masterplan“ zur praktischen Umsetzung der Rückführung von Millionen von Asylbewerbern, Ausländern mit Bleiberecht und „nicht-assimilierten“ (deutschen) Staatsbürgern aus Deutschland gesprochen – Remigration genannt. Siegmund soll dort um Direktspenden zur Wahlkampffinanzierung geworben haben.

Nach Recherchen des MDR ist Siegmunds Kampagnenseite mit einem Onlineshop verknüpft, der von einem Mitglied der Identitären Bewegung (IB) und früheren Neonazi betrieben wird. Zur IB besteht seitens der AfD formell ein Unvereinbarkeitsbeschluss. Ein ehemaliger IB-Aktivist arbeitet als Fotograf in Siegmunds Wahlkampfteam. Siegmunds Anwalt Laurens Nothdurft war Vorsitzender der verbotenen neonazistischen Heimattreuen Deutschen Jugend.

Verhältnis zum Nationalsozialismus

Im November 2025 antwortete Siegmund in einem Podcast des Portals Politico auf die Frage, ob die NS-Zeit „das schlimmste Menschheitsverbrechen“ sei, er maße sich das nicht an zu bewerten, da er „die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten“ könne und „aus allen Verbrechen dieser Menschheit natürlich lernen“ müsse. Dazu sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: Wer „sich auf Nachfrage“ weigere, „die Schoa als schlimmstes Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu bezeichnen“, relativiere damit die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Auf den Hinweis von Politico, dass bei seinen Veranstaltungen ein Anheizer dem Publikum „Sieg“ zurufe und die Menge „Mund“ zurückrufe, fragte er: „Was ist denn an meinem Namen falsch? Mein Name heißt Siegmund.“ Josef Schuster bemerkte dazu: Wer zu AfD-Anhängern „Sieg“ rufe, spiele „auf die Sprechchöre der Nationalsozialisten an“.

Vorwürfe der Vetternwirtschaft

Ulrich Siegmunds Vater war zeitweise bei den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt sowie Matthias Büttner angestellt. Aktuell soll er für den Bundestagsabgeordneten Thomas Korell arbeiten und dafür zeitweise bis zu 7725 Euro monatlich verdient haben. Nachdem Jan Wenzel Schmidt angekündigt hatte, Belege für Vetternwirtschaft in der AfD vorzulegen, sagte Siegmund laut einer Vorabmeldung der Jungen Freiheit, viele Parteimitglieder hätten den Verdacht, Schmidt werde von Geheimdiensten gesteuert; er sprach von einem „mutmaßlichen V-Mann“. Der Spiegel berichtete, Schmidt habe diese Darstellung zurückgewiesen und rechtliche Schritte angekündigt. Laut t-online erklärte Siegmund in einem öffentlich verbreiteten Video außerdem, die Beschäftigung von Familienangehörigen sei „kein Problem“.

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