Ulrich „Uli“ Hoeneß (* 5. Januar 1952 in Ulm) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, heutiger Funktionär und Unternehmer. Als Spieler gewann er in den 1970er Jahren mit dem FC Bayern München nahezu alle wichtigen Titel im Vereinsfußball. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister.
Nachdem er 1979 verletzungsbedingt bereits im Alter von 27 Jahren seine Spielerlaufbahn hatte beenden müssen, wurde er Manager des FC Bayern München und trug maßgeblich dazu bei, den verschuldeten und zuletzt sportlich mäßig erfolgreichen Club auf eine gesunde wirtschaftliche und sportliche Basis zu stellen. Ab 2009 war er Präsident des Vereins.
2014 trat er aufgrund einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Funktionen als Präsident des Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG zurück. Nach der vorzeitigen Haftentlassung auf Bewährung übte er von 2016 bis 2019 beide Ämter erneut aus. Seit seinem Verzicht auf eine Wiederwahl als Präsident ist er einfaches Aufsichtsratsmitglied und Ehrenpräsident.
Uli Hoeneß wuchs in konservativ und katholisch geprägten Familienverhältnissen als Sohn des Ulmer Metzgermeisters Erwin Hoeneß und dessen Ehefrau Paula auf. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Dieter, der später ebenfalls Fußballprofi und Manager wurde, begann er in der Jugendabteilung des VfB Ulm mit dem Fußballspielen. Später wechselte er zur TSG Ulm 1846 (heute SSV Ulm 1846). Mit 15 Jahren wurde er Kapitän der Schülerauswahl des DFB. Bei Lehrgängen der Süddeutschen A-Jugend-Auswahl in der badischen Sportschule Schöneck teilte er mit Paul Breitner erstmals ein Zimmer. Zwischen dem Spieler der Jugendauswahl von Baden-Württemberg und dem Spieler der Bayernauswahl entwickelte sich eine enge Freundschaft. Später bezogen sie gemeinsam ihre erste eigene Wohnung im Münchener Stadtteil Trudering. 1971 machte er am Ulmer Schubart-Gymnasium das Abitur. Vom Wehrdienst wurde Hoeneß freigestellt, weil ihm das Tragen eines Gefechtshelms Kopf- und Knieschmerzen verursachte.
Hoeneß’ Abiturnote betrug 2,4. Ursprünglich wollte er zum Wintersemester 1971/72 Betriebswirtschaftslehre studieren. Um an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Studium für dieses Fach zugelassen zu werden, musste ein Bewerber damals einen Notendurchschnitt von mindestens 3,0 vorweisen, doch bekam ein nichtbayerischer Studienbewerber einen Malus in Höhe einer ganzen Note zugeschlagen. Daher konnte Hoeneß dieses Fach nicht dort studieren (jedoch andernorts). Er entschloss sich zu einem Lehramtsstudium in Anglistik und Geschichte. Dieses brach er nach zwei Semestern ab.
Spielerkarriere (1969 bis 1979)
Als 17-Jähriger war Hoeneß ab 1969 bereits fester Bestandteil im Amateurliga-Kader der TSG Ulm 1846, wo er in der Spielzeit 1969/70 mit 22 Toren erfolgreichster Vereinstorschütze wurde.
1970 unterschrieb Hoeneß einen Amateurvertrag beim FC Bayern, der von Udo Lattek trainiert wurde. Neben Hoeneß waren u. a. auch Paul Breitner und Rainer Zobel Neuzugänge. Am 15. August 1970 (1. Spieltag der Saison 1970/71) debütierte der 18-jährige beim 1:1 in Stuttgart. In dieser (ersten) Saison wurde er Stammspieler neben etablierten Spielern wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier. Der FC Bayern wurde Vizemeister und gewann den DFB-Pokal. Bis 1972 behielt Hoeneß den Amateurstatus, um an den Olympischen Spielen 1972 in München teilnehmen zu können.
Hoeneß wurde zum Außenstürmer geschult. Er lief 100 Meter in 11,0 Sekunden und galt eine Weile als „schnellster lebender Stürmer Europas“, bis der sowjetische Linksaußen Oleg Blochin noch schneller lief. Gemeinsam mit Gerd Müller bildete Hoeneß das „torgefährlichste“ Sturmduo der Bundesliga; es erzielte 1971/72 und 1972/73 jeweils 53 Tore. Diese Marke wurde 2009 von Edin Džeko und Grafite (VfL Wolfsburg) um ein Tor übertroffen. 1972 bis 1974 gewann Hoeneß mit den Bayern dreimal die deutsche Meisterschaft, 1974 den Europapokal der Landesmeister, wobei ihm im Wiederholungsspiel des Finales gegen Atlético Madrid (4:0) zwei Treffer gelangen. 1975 und 1976 wiederholte der FC Bayern München diesen Erfolg. 1975 erlitt Hoeneß im Finale gegen Leeds United (2:0) durch einen Tritt Frank Grays eine schwere Verletzung am Meniskus des rechten Knies. Sie machte ihn über ein halbes Jahr einsatzunfähig und sollte ursächlich für das frühe Ende seiner Spielerkarriere werden.
Ende der 1970er Jahre konnte der FC Bayern sportlich nicht mehr an die Erfolge der vorigen Jahre anknüpfen, auch Hoeneß erreichte nicht mehr seine Spitzenform. In der Saison 1978/79 hatte er unter Trainer Gyula Lóránt seinen Stammplatz verloren. Im September 1978 nahm Hoeneß das Angebot an, leihweise zum Hamburger SV zu gehen. Der Wechsel wurde bereits als vollzogen vermeldet, Hoeneß nahm an einer Trainingseinheit des HSV teil, bei der medizinischen Untersuchung stellte der Hamburger Mannschaftsarzt aber eine Bandschwäche im rechten Knie fest und sprach sich für eine Gelenkspiegelung aus. Diesem Eingriff stimmte Hoeneß nicht zu, der Wechsel zum HSV war damit geplatzt. Er kehrte erst zum FC Bayern zurück und ließ sich kurz darauf für 200.000 DM zum 1. FC Nürnberg ausleihen. Hoeneß absolvierte elf Partien für die Franken, konnte nicht überzeugen und am Saisonende stieg die Mannschaft in die 2. Bundesliga ab. Ein Tor im Club-Trikot gelang ihm nicht.
Im Frühjahr 1979 kehrte Hoeneß zu den Bayern zurück und beendete mit 27 Jahren seine Karriere aufgrund eines irreparablen Knorpelschadens. Im Februar 1980 kehrte er in der Bundesliga-Nachwuchsrunde aufs Spielfeld zurück und spielte dort für den FC Bayern.
Als Nationalspieler des DFB debütierte Uli Hoeneß im Jahr 1967 in einem Schülerländerspiel. Im Berliner Olympiastadion schoss er zwei Tore gegen England (6:0). Nach weiteren Einsätzen für DFB-Jugendauswahlen, die Amateurnationalmannschaft und die U23 gab Hoeneß am 29. März 1972 gegen Ungarn sein Debüt in der A-Nationalmannschaft unter Bundestrainer Helmut Schön. Beim 2:0-Sieg erzielte er ein Tor. Einen Monat später traf er zum 1:0 beim EM-Viertelfinale im Londoner Wembley-Stadion gegen England, das die deutsche Nationalmannschaft mit 3:1 gewann. Mit einem 3:0-Sieg über die Sowjetunion im Finale wurde Deutschland Europameister.
Im Sommer 1972 nahm Hoeneß an den Olympischen Sommerspielen in München teil. Während der Zwischenrunde kam es zum ersten Aufeinandertreffen zweier deutscher Fußballnationalmannschaften. Der spätere Bronzemedaillengewinner DDR siegte in dem entscheidenden Zwischenrundenspiel mit 3:2.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland war er Stammspieler in der deutschen Fußballnationalmannschaft und kam in allen sieben Spielen zum Einsatz. Einen Treffer erzielte er per Foulelfmeter in der Partie gegen Schweden (4:2). Im Spiel gegen Polen verschoss Hoeneß einen Elfmeter; die Partie wurde mit 1:0 gewonnen. Im Finale gegen die Niederlande verursachte Hoeneß durch ein Foul an Johan Cruyff in der ersten Minute einen Elfmeter, den Johan Neeskens verwandelte. Am Ende wurde die deutsche Mannschaft mit 2:1 Weltmeister. Mit erst 22 Jahren hatte Hoeneß damit alle wichtigen Titel gewonnen.
Zusammen mit der Weltmeistermannschaft erhielt er 1974 das Silberne Lorbeerblatt.
Zwei Jahre später traf Deutschland im Endspiel der EM 1976 auf die Tschechoslowakei. Das Spiel endete nach Ablauf der regulären Spielzeit mit 2:2. Nach einer torlosen Verlängerung folgte das Elfmeterschießen. Hoeneß schoss, beim Stand von 3:4 aus deutscher Sicht, den vierten Elfmeter hoch über das Tor. Die tschechoslowakische Mannschaft wurde, nachdem Antonín Panenka den fünften Elfmeter seiner Mannschaft zum 5:3 verwandelt hatte, Europameister. Das EM-Finale 1976 blieb als „Nacht von Belgrad“ in Erinnerung.
Sein letztes Länderspiel absolvierte Hoeneß am 17. November 1976 bei einem weiteren Spiel gegen die Tschechoslowakei; die deutsche Elf gewann mit 2:0. Bei seinen 35 Einsätzen für die Nationalmannschaft erzielte er fünf Tore.
Europameister: 1972, Vize-Europameister: 1976