An diesem Tag

Udo Lindenberg

Deutscher Rockmusiker, Schriftsteller und Kunstmaler

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Udo Gerhard Lindenberg (* 17. Mai 1946 in Gronau/Westfalen) ist ein deutscher Rockmusiker, Schriftsteller und Maler.

Zu seinen bekanntesten Liedern gehören Alles klar auf der Andrea Doria, Cello, Wozu sind Kriege da?, Sonderzug nach Pankow, Horizont, Ich lieb’ Dich überhaupt nicht mehr, Die Klavierlehrerin und Ein Herz kann man nicht reparieren. Mit seinem 34. Studioalbum Stark wie Zwei stand er 2008 im Alter von 62 Jahren zum ersten Mal in seiner Karriere auch an der Spitze der deutschen Charts. Die Single Komet, seine Zusammenarbeit mit Apache 207, war 2023 mit 21 Wochen das am häufigsten auf Rang eins platzierte Lied seit Einführung der wöchentlichen Singlecharts 1971.

Nachdem er Ende der 1960er Jahre mit Bands und Musikern wie den City Preachers und Peter Herbolzheimer eine Karriere als Schlagzeuger begonnen hatte, konzentrierte er sich mit Beginn der 1970er Jahre zunehmend auf Gesang und das Schreiben eigener Titel. Als einer der ersten Rockmusiker präsentierte er Texte in deutscher Sprache und verhalf damit der deutschsprachigen Rockmusik in Westdeutschland zum Durchbruch. Seitdem entwickelte sich Lindenberg kontinuierlich zu einer führenden und prägenden Persönlichkeit in der deutschen Musikszene, dessen Tonträger vielfach Gold-Status erzielten.

In den 1980er Jahren widmete sich Lindenberg neben seinem musikalischen Schaffen zunehmend dem Thema innerdeutsche Beziehungen. 1987 kam es zu einem medienwirksamen Austausch von Geschenken; Lindenberg schenkte Erich Honecker anlässlich dessen erstem Besuch in der Bundesrepublik Deutschland neben einer zuvor bereits postalisch übersandten Lederjacke eine E-Gitarre mit der Aufschrift Gitarren statt Knarren und erhielt im Gegenzug eine Schalmei.

Seit den 1990er Jahren tritt Lindenberg auch als Maler in Erscheinung. Einer ersten Ausstellung 1996 folgten zahlreiche weitere, unter anderem 2005 mit dem Titel Keine Panik. Udo Lindenbergs bunte Republik im Haus der Geschichte in Bonn. Seine Werke fanden zunehmend Beachtung und befinden sich unter anderem im Berliner Bundeskanzleramt. 2010 gab das Bundesministerium der Finanzen zwei von ihm gestaltete Sondermarken heraus. Lindenberg erhielt für sein Gesamtwerk zahlreiche Auszeichnungen.

Udo Lindenberg wurde 1946 als Sohn des Installateurs Gustav Lindenberg und dessen Frau Hermine Kremers in Gronau in Westfalen geboren, wo er bis zu seinem 15. Lebensjahr wohnte. Er hat drei Geschwister, den älteren Bruder Erich Lindenberg (1938–2006), der Maler war, sowie jüngere Zwillingsschwestern.

Über seine Kindheit und frühe Jugend in Gronau schrieb er 1981, dass er mit etwa zwölf Jahren „nur noch weg“ wollte: „Du mußt dir das mal vorstellen: Mitte der 50er Jahre war es überhaupt nicht selbstverständlich, daß man im Radio seine Musik (den Rock’n’Roll) hörte […]. Alles mußte erkämpft werden. […] Rock’n’Roll war bestenfalls auf den amerikanischen Besatzungssendern zu hören.“

Bereits in seiner Kindheit zeigte sich bei Lindenberg ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, und er nahm jede Gelegenheit zu trommeln wahr. Sein erstes Schlagzeug bestand aus Benzinfässern. Er nahm gemeinsam mit Steffi Stephan, Bertram Engel und Peter Backhausen Unterricht am Münsteraner Konservatorium an der Kreuzschanze.

Nach der Mittleren Reife ging Udo Lindenberg nach Düsseldorf. Dort begann er eine Ausbildung als Kellner im Düsseldorfer Hotel Breidenbacher Hof und spielte in Altstadtkneipen als Schlagzeuger unter anderem beim Gunter Hampel Quintett und bei Mister Adam’s Jazzopaters. In einem Interview schilderte er seinen ursprünglichen Lebenstraum, als Kellner auf Kreuzfahrtschiffen anzuheuern (Zitat: „Mein Traum waren immer die dicken Pötte“).

Er brach die Lehre ab und bewarb sich noch als 15-Jähriger am Konservatorium der Stadt Duisburg für ein Musikstudium. Dies war in dieser Zeit Teil der Folkwang Universität der Künste. Die Prüfer bemängelten „nur geringe Grundkenntnisse“ in Musiklehre und erklärten sein Gehör für nur „insgesamt befriedigend“. Er wurde zwar angenommen, die Entscheidung sollte aber nach einem Jahr noch einmal überprüft werden.

Es folgten unstete Jahre, die ihn über Norddeutschland und Frankreich nach Libyen führten. 1963/1964 spielte er, erst 17-jährig, mit Gerold Flasse und anderen Musikern ein Jahr lang nahe Tripolis in Clubs eines US-amerikanischen Luftwaffenstützpunktes, der Wheelus Air Force Base – heute der Mitiga International Airport. Nach seiner Rückkehr begab er sich zunächst in seiner Heimatstadt Gronau in therapeutische Behandlung, um die Erlebnisse in Libyen zu verarbeiten. Anschließend begann er ein Studium an der Westfälischen Schule für Musik in Münster. Dort spielte er mit Steffi Stephan in der Band Die Mustangs (auch: Nico und die Mustangs) und half auch in Stephans Band Birds aus. Nach dem Wehrdienst beim Raketenartilleriebataillon 150 in der Schill-Kaserne in Wesel und beim Heeresmusikkorps in Warendorf ging Lindenberg 1968 nach Hamburg, wo er noch im selben Jahr Schlagzeuger der Gruppe City Preachers wurde, einer der ersten Folk-Rock-Bands Deutschlands. Mit Jean-Jacques Kravetz und Hannelore Mogler verfolgte er in der Formation Kravetz und Lindenberg erstmals eigene musikalische Ambitionen. Ihre Plattenaufnahmen wurden von Kravetz unter dem schlichten Titel Kravetz veröffentlicht.

1969 gründete Lindenberg zusammen mit Peter Herbolzheimer die Band Free Orbit, mit der im Oktober 1970 seine erste Langspielplatte (LP) erschien (Lindenberg: Schlagzeug, Gesang bei sechs der zehn Titel). Außerdem arbeitete er zu dieser Zeit als Studio- und Gastmusiker, zum Beispiel bei Michael Naura und Knut Kiesewetter. Seine Qualitäten als Schlagzeuger ermöglichten Lindenberg 1970 in München eine Zusammenarbeit mit dem Jazz-Saxophonisten Klaus Doldinger. Bei Doldingers Formation Motherhood und auf dem Debütalbum der von Doldinger gegründeten Formation Passport spielte Lindenberg Schlagzeug. Auch bei der von Doldinger komponierten Titelmusik der ARD-Fernsehserie Tatort wirkte Lindenberg als Schlagzeuger mit. Die erste LP der Jazzrockformation Emergency, für die Lindenberg trommelte, war 1971 kein kommerzieller Erfolg. Als Schlagzeuger wirkte er auch an den beiden ersten Platten von Niagara mit. Zudem zählte Lindenberg zu den sieben Schlagzeugern und Perkussionisten des Musiktheaterprojekts Vollbedienung, das auf die Initiative des Schlagzeugers Wolfgang Lindner von der Band Tomorrow’s Gift zurückging und bis 1973 in Hamburg und Hannover aufgeführt wurde.

Die LP Lindenberg (ebenfalls 1971 und noch Englisch gesungen, mit Steffi Stephan am Bass) floppte ebenfalls. Im Jahr darauf erschien die erste deutschsprachige LP Daumen im Wind (produziert von Lindenberg und Thomas Kukuck, die auch die nächsten fünf Alben zusammen produzierten), von der 7000 Stück verkauft wurden; der Titel Hoch im Norden wurde jedoch als B-Seite der Single Sommerliebe in Norddeutschland ein Hit im Radio und machte Lindenberg überregional bekannt. Anschließend tourte Lindenberg als Schlagzeuger der Band Atlantis durch England. Die einmonatige Tournee wurde drei Tage vor dem geplanten Ende abgebrochen, weil Lindenberg, einem physischen Zusammenbruch nahe, ausschied. 1973 brachte das nach dem 1956 gesunkenen Passagierschiff Andrea Doria benannte Album Alles klar auf der Andrea Doria mit den Hits Alles klar auf der Andrea Doria und Cello den kommerziellen Durchbruch; das Album verkaufte sich über 100.000 Mal. Lindenberg erhielt den ersten Millionenvertrag eines deutschsprachigen Rockmusikers. Im Einerlei der deutschen (insbesondere der deutschsprachigen) Musik zu Beginn der 1970er Jahre nahm Lindenberg eine Sonderstellung ein: Zwischen international ausgerichtetem Krautrock und Schlagern fand er eine Nische. Rockmusik auf Deutsch hatten vor ihm zwar auch schon Bands wie Ihre Kinder aus Nürnberg oder Ton Steine Scherben mit ihrem Sänger Rio Reiser produziert, doch die waren zu dieser Zeit vorwiegend politisch.

Lindenbergs schnoddrige Art, alltägliche Geschichten zu erzählen (Bei Onkel Pö …), und sein nuanciertes Sprachgefühl waren ungewöhnlich. In der Folge profitierten zahlreiche Musiker von Lindenbergs Pionierarbeit. So bekamen zum Beispiel Stefan Waggershausen und Marius Müller-Westernhagen ihre ersten Plattenverträge. Über die Urheberschaft der Sprüche Lindenbergs gab es später eine außergerichtliche Einigung mit dem langjährigen Saxophonisten Olaf Kübler. Lindenberg ging 1973 erstmals mit seinem „Panikorchester“ auf Tournee. Es folgten zahlreiche weitere Platten und Tourneen. Lindenberg erfand in diesen Jahren viele seiner Kunst- und Kultfiguren wie Rudi Ratlos, Elli Pyrelli und Bodo Ballermann.

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